Liebe und solche Sachen

Die Kollegen M. und J. haben recherchiert auf Teufel komm raus. Allerdings, soviel darf ich ausnahmsweise aus dem Redaktionsalltag verraten, nicht inkognito. Sie haben sich also nicht in den Dschungel begeben, auf einer der zahlreichen Plattformen registriert und dann geschaut, was so daherkommt.

Das habe ich getan.

Aber nicht für die Geschichte, sondern einfach so. Aus Neugierde. Lassen Sie mich also hier nun ein kleines Outing betreiben: Jawohl, ich habe es auf parship versucht. Online-Dating. Partnersuche über das Internet. Ein Freund hat´s mir empfohlen und ich dachte, probierst das halt einfach aus. Ich erzähle das eigentlich eh allen ganz offen, die es hören wollen, denn: Ich sehe solche Geheimnis-Miniaturen locker und bin außerdem in Bezug auf Anonymität im Netz voll entspannt.

Warum auch nicht. Aber lassen Sie mich, bevor ich Ihnen Ihnen von der Front erzähle, nur schnell ein kurzes Zitat aus der aktuellen FORMAT-Coverstory wiedergeben, das die Sache gut trifft: Man braucht eine robuste Psyche, sagt Buchautorin und Journalistin Annabel Dillig im Interview über die Partnersuche per Web. Recht hat sie, ich kann das nur bestätigen.

Nämlich:

Aus der Sicht des Mannes sind da ehrlich gesagt ganz schön schräge Frauen unterwegs. Stoff für kuriose Geschichten ohne Ende, vielleicht mache ich wie Kollegin Dillig ja glatt einmal ein Buch draus.

Ich traf zum Beispiel die Bankmanagerin, die mir sagte: Bitte tu bloß meinem armen Herzerl nicht weh. Und umso mehr Distanz zwischen uns legte, je freundlicher und warmherziger ich war.

Oder die Ärztin, die mir beim zweiten Date erzählte, dass sie von ihrem Ex-Freund vergangener Jahre frisch schwanger sei, und ob mich das hoffentlich eh nicht störe.

Die Italienerin, die Feuer und Flamme war und bereits nach dem ersten Mailaustausch per Internet mehr von mir herausgefunden hatte, als ich selbst wusste. Als es dann um ein Treffen ging, war sie plötzlich weg, Gott sei Dank. Online-Stalkern liegt das Abgleiten aus der virtuellen in die reale Welt wohl nicht so.

Oder die verschlossene Gymnasiallehrerin, die es tatsächlich als Kompliment auffasste und sich freute, als ich ihr sagte, sie sei schon ein bissl eine Insel ohne Anlegestelle.

Die Obersteirerin, die von mir bereits in ihrem ersten Mail (getroffen hatten wir uns noch gar nicht) nach nur drei Sätzen wissen wollte, ob bei mir ein definitiver Kinderwunsch vorhanden sei. Und sich enttäuscht vertschüsste, als ich ihr freundlich zu verstehen gab, dass mir diese Frage vorderhand doch ein wenig zu schnell kommt und zu weit geht.

Die steirische Sozialpsychologin, die mich schon nach wenigen Telefonaten bat, doch bitte für ihre Freundin den Wiener Wohnort von deren verheiratetem Geliebten zu observieren, weil die wissen wolle, wie eng dessen Ehe noch sei. Wobei natürlich klar war, dass die Freundin vorgeschoben und sie selbst die Fragestellerin war.

Die Salzburgerin, der ich nie zärtlich über die Wange streichen konnte, weil ich sonst im Gatsch der kiloschweren Schminke stecken geblieben wäre, die sie sich immer aufschmierte.

Ich bekam auch Zuschriften dreier Frauen, die parship nach dem ausführlichen sowie „nach streng psychologischen Kriterien“ durchgeführten Test als super zu mir passend qualifizierte. Die ich aber, Zufall, aus dem realen Leben bereits kannte und mit denen ich mir nie und nimmer etwas anfangen würde, weil: total unpassend.

Ich hätte auch noch andere kuriose Geschichterln aus der krausen Welt des Onlinedating in petto. Aber ich will der guten Ordnung halber auch anfügen, dass ich sogar die eine oder andere Frau traf, die glatt nett war. Aber keine, keine einzige Frau war darunter, in die ich mich auch nur ansatzweise verlieben hätte können. Ich vermute: Die Frauen werden sich in Bezug auf mich wohl dasselbe gedacht haben.

Die Sache funktioniert also nicht. Zumindest nicht bei mir.

Ich will mir aber keine Klage wegen geschäftsschädigender Äußerungen einhandeln, daher erzähle ich Ihnen bereitwillig auch noch folgende Geschichte, die wahr ist:

Jener Freund, der mich überhaupt erst zur Online-Partnersuche gebracht hatte, sah auf meinem Bildschirm das Foto einer Mailpartnerin. Es versetzte ihn sprichwörtlich einen Meter zurück, so begeistert war er. Er bat mich um Erlaubnis, die Dame selbst kontaktieren zu dürfen. Wer bin ich, dass ich so etwas verweigern könnte. Die beiden trafen sich, es muss wohl Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, drei Wochen danach war man ein Paar. Freund K. und parship-Bekanntschaft J. bezogen nach wenigen Monaten eine gemeinsame Wohnung, er wechselte für sie sogar von Graz nach Mödling. Und man ist richtig glücklich miteinander.

Also funktioniert die Sache doch. Mehr über das Geschäftsmodell der eDating-Agenturen lesen Sie im neuen FORMAT.

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