Lebensmini in Echtzeit

Es ist nicht so lange her, da hatte ich ein Gespräch mit unserem Lebensmini.

Konservativere Geister würden sagen, er ist schlicht Umweltminister. Oder Landwirtschaftsminister. Aber die in der ÖVP sind ja voll super progressiv, daher: Lebensminister. Ich persönlich schenke mir bei Regierungsmitgliedern meistens den letzten Teil ihrer Funktionsbezeichnung, also: Lebensmini.

Der Herr Minister war wirklich freundlich, höflich und ließ sich (das ist einer der harten Teile am Job des Politikers) von mir auch die Frechheit der direkten Frage gefallen, wann er denn zurücktreten werde, weil es da ja entsprechende Gerüchte gibt. Von denen der Herr Mini natürlich blauäugig (bei diesem Ressort und dieser Parteizugehörigkeit vielleicht besser: grünäugig mit tiefschwarzem Einschlag) noch nichts gehört zu haben vorgab. Aber dieses ganze Politik-Dingsbums mit der dazu gehörigen Berichterstattung ist sowieso nur eine einzige große Show, von der die Auftretenden und Beschreibenden wissen, dass es eine Show ist, und dass die jeweils andern wissen, dass sie wissen, dass es eine Show ist.

Anyway. Eigentlich will ich Ihnen erzählen, dass der Lebensmini unglaublich produktiv im Besuchen diverser Veranstaltungen ist. Sie können das fast in Echtzeit beobachten, indem Sie auf die Website des Lebensministeriums gehen und dort den Bereich „Unterwegs mit Niki Berlakovich“ frequentieren: Eine Eröffnung dort, eine Ehrung hier, eine Verleihung da.

Auch bei Presseaussendungen ist der Output gigantisch. Es gibt Tage, da trudeln bis zu fünf Stück in die Mailbox. Die Themen jeweils: nicht so tragend. Aber egal. Heute will ich Ihnen hier einen lebensministeriellen Originaltext zeigen – weil er nämlich nicht nur in irgendwie seltsamem Deutsch abgefasst ist, sondern auch ziemlich viele Fragen aufwirft und dabei im Dunklen (fast würde ich sagen: im Schwarzen) lässt, worum es eigentlich geht. Lesen Sie selbst:

Das Lebensministerium hält in Sachen Nutzung von Biokraftstoffen fest
Utl.: Unautorisiertes Dokument der DG Climate und der DG Energy

Das Lebensministerium hält in Sachen Gesetzesentwurf der Europäischen Kommission zur Nutzung von Biokraftstoffen fest:
Es handelt sich um ein unautorisiert geleaktes Dokument im Rahmen der internen Abstimmung zwischen der DG Climate und der DG Energy.
Das leaked proposal der Europäischen Kommission betrifft die Änderung der beiden EU Richtlinien zur Förderung der Erneuerbaren Energien und zur Kraftstoffqualität zur Behandlung des Themas Indirect Landuse Change (ILUC).
Das vorliegende Papier ist kein offizielles Papier, es ist ein NON-PAPER. Das Lebensministerium hält daher fest, dass interne und nicht offizielle Dokumente keine Rechtsverbindlichkeit haben.

Ich frage mich: Muss man als deutschsprachiger Minister von „geleakten Dokumenten“ reden? Gibt es überhaupt autorisiert geleakte Dokumente – oder ist das nicht viel eher ein Widerspruch in sich, „unautorisiert geleaked“ also ein ziemlich bescheuerter Pleonasmus? Ist „Das Lebensministerium hält…fest“ ein geschickter Titel? Was ist ein „Non-Paper“? Was ist ein „leaked proposal“ und warum ist der ausgerechnet sächlichen Geschlechts, das es im Englischen ja gar nicht gibt? Und: Ist es für irgendwen von Belang, wenn das Lebensmini etwas über die Rechtsverbindlichkeit unautorisiert geleakter non-papers von DC Soundso in Sachen ILUC festhält?

Weil´s eh keiner versteht.

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