König der Analysten

Der Mann macht vielen Kollegen und mir die Arbeit leichter: Es hilft sehr, wenn du wen immer und überall anrufen kannst und dann erzählt dir der fundiert jeweils punktgenau das Richtige. Lassen Sie mich daher heute einmal das hohe Lied des Lobes singen auf einen, den Sie als politikinteressierter Mensch aus dem Fernsehen wahrscheinlich kennen:

Mir ist das schon öfters aufgefallen – wann immer ich einen brauchbaren Kommentar zum politischen Geschehen benötigte, war Peter Filzmaier zur Stelle. Der ist nicht umsonst Darling der ZiB-Redakteure und sonstiger Innenpolitik-Journis. Mit ihm zu telefonieren ist das reine Vergnügen und läuft ungefähr so ab:

Du stellst deine Frage, und das kann wirklich irgendwas aus dem Politk-Universum des Landes sein, manchmal auch noch darüber hinaus. Filzmaier denkt dann für gewöhnlich circa eine Zehntelsekunde lang nach. Und schneller, als man am Rohr die Ohren spitzen kann, kommt eine Antwort in druckreifen Sätzen, inhaltlich fundiert und klug, sprachlich fehlerfrei. Er redet am Telefon mit null Vorbereitungszeit genauso wie im TV-Studio, wo die Interviews ja größtenteils zumindest kurz vorbesprochen sind.

Das Tolle ist außerdem: Es funktioniert immer. Ich starte meine Recherche-Telefonate meistens mit der Frage, ob ich störe oder ob man kurz reden könne. Bei Filzmaier kann man immer reden. Selbst wenn die Hintergrundgeräusche klar machen, dass es eigentlich grad gar nicht geht, sagt er: Natürlich, gerne, bitte! Identifiziert Filzmaier einen journalistischen Anrufer am Display, hebt er ausnahmslos ab, wie ich vermute. Seltenst landet man in der Mailbox, aber dann kommt ein Rückruf so verlässlich wie sonst nur Siegestore der Deutschen, wenn sie Österreich befußballern.

Ultimativer Test vorgestern: Im Parlament fiel die U-Ausschuss-Entscheidung kurz vor 18 Uhr. Ein Problem für mich, weil: Redaktionsschluss so gegen acht. Also maximal zwei Stunden Zeit, Reaktionen einzuholen, Experten nach ihrer Sicht der Dinge zu befragen und eine längere Geschichte zu schreiben, die auch am Erscheinungstag Freitag noch stimmen sollte.

Fünf Minuten, nachdem im Parla die Fraktionen ihre Geschäftsordnungs-Sitzung beendet hatten und klar war, dass der Ausschuss weiter geht, rief ich Filzmaier an. Der war glaube ich irgendwo in Salzburg oder so. Diesmal kann der das einfach noch nicht draufhaben, dachte ich mir.

Aber Freizeichen, Filzmaier hebt ab, üblicher Gesprächsverlauf, wie kann ich helfen und so weiter.

Ich bitte um die Einschätzung des vor Sekunden Geschehenen und rechne damit: Jetzt muss er ausnahmsweise gleich passen. Aber so schnell wie Filzmaier analysiert, auch diesmal, kann ich gar nicht rechnen. Kurz gesagt: Es lief exakt wie üblich. Schnell, super Analyse, sehr dienstleistungsorientiert an Journi-Bedürfnisse angepasst, druckreif dahergesagt, null sprachliche Fehler. Bin heute noch baff und begeistert.

Die wenigen wissenschaftlich orientierten Polit-Analysten, die es in Österreich gibt, sind alle gut: Thomas Hofer, Christoph Hofinger oder Urgestein Fritz Plasser zum Beispiel. Aber Peter Filzmaier ist ihr uneingeschränkter König.

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