Die Weisheit des Skispringers

Keep thinking positive, sagte Hupo und ging aus dem Grazer Café Promenade ab.

Mach ich eh, sagte ich und setzte mich in den Zug nach Wien. Foa eini kweschns pliss kodagd aua trenstafff, sagte dort der Schaffner und ich fragte mich, wie man positiv denken soll, wenn in einem EC-Zug einer so Englisch redet.

Egal. Anyway, wie wir Westentaschen-Kosmopoliten in Fällen wie diesem zu meinen pflegen.

Hubert Neuper. Ich traf ihn zum Interview, um mit ihm über Burnout zu reden. Der Sportmanager und ehemalige Skispringer hat seit diesem Ereignis in seinem Leben ein gehöriges Maß an Alltagsweisheit angehäuft.

Mit ihm zu sprechen: eine Wohltat, sag ich Ihnen. Wenn du dauernd mit österreichischen Politikern zu tun hast, die dir entweder ins Gesicht lügen oder sonstwie den Eindruck der fortgeschrittenen Zerrüttung erwecken (schauen Sie sich nur diverse TV-Auftritte unseres politischen Jungspunds Frank an) – dann freust du dich sehr, kannst du wieder einmal mit einem vernünftigen Menschen sprechen.

Hupo (woast was, sagen wir einfach gleich du zueinand, dann kann man leichter reden) ist nicht nur ein richtiger Vollprofi im Umgang mit Medien, sondern ganz offensichtlich ein charakterlich eleganter Mensch. Und seit seinem Burnout auch auf eine höchst angenehme Weise entspannt (Details lesen Sie im neuen Format, ab heute Abend in Wien in der Kolportage und ab morgen landesweit am Kiosk).

Er sagt seither, was er sagen will, sagt er. Und tut, was ihm Freude macht. Die ganze Schlacke der aus gesellschaftlichen Gründen notwendigen persönlichen Verschleierung vor sich selbst, die sich auf unser aller Seelen legt, hat er abgestreift. Das macht ihn zu einem echten Menschen, der ziemlich bei sich ist. „Authentisch“, würden die Esoteriker sagen, womit er aber wohl ebenso wenig am Hut hat, wie ich.

Kurz: Es ist super spannend und bereichernd, mit dem Mann zu reden. Für mich war das ein inspirierendes Gespräch. Werde einiges mitnehmen können, wenn ich es schaffe, jeweils rechtzeitig daran zu denken. Schlüsselsatz: Der Inutition vertrauen und sich nicht von seinem Verstand übernehmen lassen, sagt Neuper.

Werd ich beherzigen, sage ich. Hoffentlich.

Willai biharrdn, würde der Zugschaffner sagen.

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