Talking Volvo

Für Recherchen in und um Dublin haben mir die lovely Ladies von Fáilte Ireland in Frankfurt einen Ford Focus als Leihwagen reserviert. Der Hertz-Guy am Dubliner Airport fragt mich aber, ob ich stattdessen bitte auch mit einem Renault Mégane zufrieden wäre. Natürlich, sage ich und bin dabei schon voll im Irland-Modus, also herzerfrischend freundlich.

Gut, dann gebe ich Ihnen einen Volvo, antwortet er. (???) Und raunt mir verschwörerisch zu: Bigger car, same price.

Aaaah ja, wieder da. Vergaß fast, dass die Iren ja bei aller überbordenden Freundlichkeit in organisatorischen Belangen manchmal durchaus schrullig sind. Setze mich also in den riesigen Volvo, der trotz seiner wenigen Kilometer schon ein bissl zerzaust daher kommt, und fahre los. Lassen Sie mich anmerken, nur der Vollständigkeit halber: ganz lässig und problemfrei sofort auf der richtigen Seite. Bin ja Irland-Profi und meistere das mit dem Linksverkehr mit links.

Sorry für dieses schlechte Wortspiel, das waren die vielen Guinness gestern Abend im Pub…

Aber jetzt der Volvo: Er spricht mit mir. Also, nicht wirklich sprechen, aber er schickt mir Nachrichten. Das Auto schickt mir Nachrichten! Zuckle gerade an Bull Island vorbei Richtung Portmarnock, um dort den famosen Kollegen Phillipp Reid zu treffen, Redakteur der Irish Times und in Irland berühmter Golf Writer, da flammt im Display am Tacho Folgendes auf:

You have 1 Vehicle message.

Bin schon sehr verblüfft und frage mich, warum mir der Volvo was mitteilen will und vor allem was. Allein, es kommt nichts mehr. Die Benachrichtigung, dass eine Benachrichtigung vorliegt, das wars auch schon wieder. Mehr lässt sich die Kiste nicht entlocken. Diese wortkargen Schweden! Zuerst schicken sie uns Abba, bei denen es wirklich besser gewesen wäre, sie hätten gesprochen statt gesungen. Dann den schweigsamen Ingemar Stenmark und jetzt auch noch Autos, die nicht reden wollen, nachdem sie angekündigt haben, dass sie gleich was sagen werden.

Drücke alle Knopferln im Volvo-Cockpit – und glauben Sie mir, das sind viele. Bis ich außen am Blinkerhebel eine Taste mit der Aufschrift „Read“ entdecke. Tatsächlich, prompt rückt der Volvo mit seiner Botschaft heraus, er schreibt mir ins Display:

No rear belts used.

Na und, du bescheuerte Karre, die du seit der Übernahme durch eine chinesische Firma offensichtlich Mongolenschrott wurdest?

Was soll das, hinten sitzt ja keiner, warum sollten die Sicherheitsgurte also benutzt werden. Überhaupt! Schnalle mich los und drehe mich um, nachschauen ob sich nicht doch ein blinder Passagier eingeschlichen hat. Man kennt das ja aus amerikanischen Krimis: Du setzt dich arglos ans Steuer, willst beschwingt einen Kavaliersstart hinlegen und schon taucht im Rückspiegel der bestellte Killer vom Paten auf und legt dir die Schlinge um den Hals. Nicht im Volvo aber. Zumindest nicht, wenn er sich nicht vorher angeschnallt hat.

Stelle beruhigt fest: keiner da. Dafür geht in der Sekunde ein Gebimmel los, als würden alle Angelus bells over the Liffey swells loslegen, wie damals im Jahr 1916 beim großen Easter Rising in Dublin, als alles mit der irischen Unabhängigkeit von Britania´s Huns begann. Denn natürlich warnt der Volvo auch, wenn man vorne sitzt und sich nicht anschnallt. Was heißt warnen, er schickt ein Inferno an Glocken los und schweigt auch nicht, wenn man entsetzt aus dem Wagen springt.

Ich hab´s probiert – solange die Zündung ein ist und die Gurten unangelegt, knistert, läutet und blinkt das ganze Auto wie ein Höllenfeuer. Der talking Volvo ist ein Klacks gegen den ringing Volvo.

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