Wieder jung

Ich bin wieder jung.

I-C-H   B-I-N   W-I-E-D-E-R   J-U-N-G !!!

Denn zum ersten Mal seit vielen Jahren war ich heute Demonstrieren. Wir standen vor dem Haus Wipplingerstraße 13 in Wien, eine mehrere Hundert Mann und Frauen starke Truppe, pumpten aufrührerisch Luft in unsere roten Trillerpfeiffen, klatschen zu Aufrufen der Gewerkschaftsvertreter und buhten die VÖZ-Leute hinter ihren Bürofenstern aus, die sich nicht zu uns auf die Straße runterschauen trauten.

Es war schön. Fast wie in meiner (ersten) Studentenzeit in den späten 1980ern – damals, als wir die Ringstraßen für eh alles sowie gegen auch eh alles blockierten, vom bornierten Fußgänger bis zum Polizeieinsatzwagen. Diesmal: für einen neuen, halbwegs fairen Kollektivvertrag für Journalisten. Den alten hat der Verband der österreichischen Zeitungsherausgeber gekündigt, einfach so, eiskalt, ratzfatz, gnadenlos, ohne viel Federlesens. Das jedoch: geht gar nicht.

Da muss man dagegen was tun. Es gibt so viele Kolleginnen und Kollegen, die in prekären und indiskutablen Arbeitsverhältnissen ohne jede Sicherheit gegen so gut wie gar kein Geld (manchmal auch, fast glaubt man´s ja nicht, tatsächlich gegen gar kein Geld) für die Verlage als moderne Schreibsklaven arbeiten. Nur, weil sie unbedingt Journalist werden wollen und sich für diesen Wunsch ausbeuten lassen Ende nie.

Mir hat´s getaugt, das Demonstrieren – vor allem, weil es ja für eine gute Sache ist, welche auch mich betrifft. Ich meine, ich verdiene – in engen Grenzen betrachtet – schon einigermaßen okay und lasse mich nur soweit ausbeuten wie ich glaube, dass es vertretbar ist. Aber ich bin ja auch schon alt und nicht mehr so aufgeregt. So eine bestimmte Art von lässiger Abgeklärtheit schlenzen dir einfach nur zig Lebens- und Berufsjahre zu. Die jungen Kolleginnen und Kollegen haben das natürlich noch nicht ganz so heraußen. Die müssen ja auch noch um den Einstieg in ein funktionierendes Berufsleben kämpfen, während ich schon ab und zu nachdenke, wie man sich daraus gesittet und frühzeitig wieder verabschieden könnte.

Ich sehe da ja ein wunderschönes Haus an Irlands wilder Westküste vor mir, das zum Kauf steht, welches ich mir aber nicht leisten kann, leider. Aber allein schon sein Name: Glór na mara. Das heißt: Klang des Meeres. Sehe mich dort sitzen, den Atlantik anstarren, diverse Bücher schreiben und der heimatlichen Medienwelt ab und zu Beiträge zukommen lassen.

So, bin wieder aufgewacht. Exkurs Ende.

Auch fiel mir auf, heute – das Demo-Ambiente, wie soll ich sagen: hat sich schon ein bissl geändert. Die Schals der Plästinenser von früher sind stylisch schwarzen Sakkos von heute gewichen, den einen oder anderen Kollegen traf ich durchaus korrekt adjustiert an. Einer unserer Fotoredakteure, der sonst eher voll lässig am Arbeitsplatz erscheint, hatte sich in einen dunklen Anzug geworfen. Der Kollege Wirtschaftschef von den SN, Freund aus lang vergangenen Studientagen, kam mit Krawatte, was ich total verstehe, der Job halt. Ich ja auch im Trenchcoat statt mit abgefuckter Jacke und mit grauem Sakko drunter. Man demonstriert halt ein wenig gesetzter heutzutage, wenn man schon voll im Betrieb steht und graue oder keine Haare mehr hat. Ich zweiteres.

So ändern sich die Zeiten. Aber die Straßen der Stadt sind wie eh und je: schmutzig, rauh, was für harte Mädls und kühle Jungs. Hier zählt noch der einzelne Mann – beziehungsweise, wir reden ja vom Demonstrieren für die wichtige Sache: Jeder einzelne Mann zählt. Und jede einzelne Frau natürlich auch.

Bin sicher, es gibt dazu irgendwo schon so etwas wie eine Facebook-Gruppe oder was weiß ich was sonst. Bitte liken Sie die, falls Sie irgendwo drüber stolpern, danke.

Yeah.
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