Molly

Schon wieder Irland hier im Blog.

Wenn ich vor Ort bin, führe ich immer ein paar kleine Rituale aus. Nur für mich selbst, als eine Art persönliche Insider-Handlung, die außer mir keiner versteht. Zum Beispiel suche ich dann einen Ort auf, den ich aus einem der vielen irischen Trad-Songs kenne. Letztes Mal den Fluss Liffey. Das Lied zum Besuch: „The Ferryman“. Tolle Interpretation von den Dubliners. Es heißt darin:

…where the strawberry beds sweep down to the Liffey she kissed away the worries from my brow.

Also die Liffey, und das war ziemlich leicht. Ich schenkte mir die vermutlich ohnehin nicht mehr vorhandenen Erbeerfelder und spazierte einfach über die Halfpenny Bridge, sah ins schwarzbraune Wasser hinunter und summte die Melodie. Nächstes Mal steht ein Besuch im Westen der Insel an, ich will mir die Parish Church near Clooney ansehen, just a mile from Spancill Hill. Am meisten mag ich die Version von den Corrs, kaum jemand singt „Spancill Hill“ wie sie.

Ein anderes Ritual: Wann immer ich in Dublin bin, durchstreife ich die belebte Grafton Street, die sich aus dem linken Kreuzeck von Stephen´s Green hinauf zum Trinity College streckt. Dort steht Molly. Mit ihrem Wägelchen, she wheels her wheel barrow through the streets broad and narrow. Ich geh dann jedesmal zu ihr hin und tatsche ihr auf den Hintern. Ein paar Touristen schauen zwar jeweils verständnislos und immer gibt es auch den einen oder anderen Dubliner, der lacht. Molly aber lässt das widerspruchslos zu, ich glaube sogar, sie mag es.

Man munkelt ja, dass die schöne und kurvige Frau Malone früher neben ihrem Tagesjob als Fishmonger nächtens der einen oder anderen nicht wirklich vollseidenen Nebenbeschäftigung nachging, die Studenten des Trintiy College als Hauptkunden hatte und eine Art lokale Berühmtheit war. Weltweit tragen Irish Pubs ihren Namen, man hat ihr sogar ein Lied geschrieben, das Sie vielleicht kennen. Nichts, aber auch schon wirklich gar nichts, geht über die unglaubliche Version von Königin Sinéad, die alles so singen kann, wie es sonst niemand singen kann. Ich erweise dem Lied und Mollys Bronzestatue durch den Klaps auf ihren stählernen Hintern meine Referenz.

Irgendwann werde ich mir auch ein Herz fassen und in Galway so lange in die Crane Bar gehen, bis ich dort wieder das Galway Girl treffe. Einmal war es schon soweit, Sie können die Geschichte hier nachlesen. Ich war damals einfach zu feig, sie anzusprechen. Obwohl ich ja noch ein bissl unschlüssig bin – vielleicht spaziere ich stattdessen lieber einfach den Long Walk entlang (hab ich auch schon öfters gemacht), quatsche eine schöne Frau an und lebe einfach das Lied.

Ah, wenn´s so leicht ginge. Aber hey, es ist Irland! Da ist alles im Bereich des Möglichen.

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