Der elegante Mensch

Über österreichische Politik und vor allem Politiker schreiben ist ein zäher Kaugummi. Konturlos verklebt er dir störend die Zähne, schleimt sich an deinen Gaumen, schlucken willst du ihn auch nicht. Schwer, mit dem einen oder anderen Blick hinter die Kulissen, den man tun kann, nicht frustriert zu sein. Man könnte angesichts all der Inferiorität, des schlechten Willens, in manchen Fällen sogar angesichts der durchaus auch vorhandenen Bösartigkeit, schon ziemlich verzweifeln. Und sich denken: Politik? Danke, nein, nie mehr.

Aber dann: eine ganz andere Rede.

Wie viele Menschen, die ich kenne, habe auch ich mir am Morgen des 7. November eine halbe Stunde der Begeisterung geleistet. Und dem alten, neuen amerikanischen Präsidenten zugehört, wie er seine Siegesansprache hielt. So muss man das machen. Nicht wie es unsere lächerlichen österreichischen Micky-Maus-Politiker mit ihren untauglichen Mitteln tun. Gerade eben erzählte mir ein Kollege, dass ihm die Tränen kamen. Mir: auch.

Einmal, nur ein einziges Mal, möchte ich einen österreichischen Politiker so eine Rede halten sehen.

Ich weiß schon: Gerade in den Vereinigten Staaten wurde die Politik zur ganz großen Show perfektioniert. Man muss da sehr aufpassen, dass man mit Begeisterung, Vertrauen, Ursache und Wirkung nichts durcheinander bringt. Auch dort sind Politiker natürlich so, wie Politiker eben sind.

Aber ich bin sicher: Barack Obama ist grundsätzlich ein eleganter Mensch. Ein Guter, trotz aller sicher vorhandenen professionellen Berechnung, wie sie bei Politikern zum Job gehört.

Man kann ihm ein Land anvertrauen und er macht nichts mutwillig Böses damit, wie das sein Vorgänger getan hat. Der drängte glatt die Welt mit Vergnügen an den Abgrund, machte seine privaten Familiengeschäfte, lachte sich ins Fäustchen und scherte sich ansonsten um wenig, Republikaner halt. Mir ist viel lieber, die Welt befindet sich in Obamas Händen als in denen von George Bush oder Mitt Romney – oder in Wladimir Putins Händen oder jenen des neuen chinesischen Machthabers Xi Jinping.

Wie fast alle meine Bekannten freue ich mich also sehr über dieses amerikanische Wahlergebnis. Und vergesse darüber für kurze Zeit sogar die desaströsen österreichischen Faymanns und Spindeleggers, die in unserem Land jetzt schon vier Jahre lang die Anständigkeit den Bach hinuntergehen lassen.

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