Graz, Amtsweg

Das war vor der Wahl, sagt grinsend Gottfried Pobatschnig, Leiter des Grazer Referates für Parkraumbewirtschaftung, aber jetzt ist nach der Wahl und wir machen´s eben anders, als vorher gesagt.

Diese Offenheit wundert den Bürger zwar, der mit einer Beschwerde vor dem Stadtbeamten sitzt und gerade darauf hingewiesen hat, wie sehr der Bürgermeister doch in seinem Wahlkampf immer behauptet hatte, Graz sei eine moderne, serviceorientierte und bürgerfreundliche Stadt. Pobatschnig macht aber schnell klar, was davon wirklich zu halten ist.

Der Bürger hatte gerade die zweijährig anstehende Verlängerung seiner Parkerlaubnis hinter sich gebracht und war dabei von der Kassierin in Pobatschnigs Referat ein wenig seltsam behandelt worden. Sie hatte ihm nämlich zunächst zuviel verrechnet – wohl, weil sie vom Kauen ihres Jausenweckerls ein wenig abgelenkt war. Der Bürger hatte noch kurz überlegt, die Dame (Irmgard Schwarz, wie er später vom Referatsleiter erfuhr) darauf hinzuweisen, wie unhöflich es sei, während des Parteienverkehrs zu essen. Aber angesichts der ohnehin aufziehenden Schwierigkeiten bei der Amtshandlung hatte er darauf verzichtet.

Schwarz hatte nämlich, als sie ihren Fehler bemerkte, vom Bürger zuallererst seine Unterschrift unter eine Bestätigung verlangt, dass ihm die vollen Kosten für das Parkpickerl rückerstattet wurden. Tatsächlich geben wollte sie ihm dann aber natürlich lediglich die Differenz zum zuviel gezahlten Betrag. Danach hatte Schwarz sich überhaupt geweigert, dem Bürger einen Beleg über die gesamte Transaktion auszustellen. Als dieser sich beschwerte, gab sie ihm zwar den Kassenzettel, ließ ihn aber mit den Worten Jetzt verschwind aussi! über ihre Missbilligung des bürgerlichen Aufbegehrens nicht im Unklaren. Als der Bürger darauf nach ihrem Namen fragte und kundtat, von Schwarz nicht geduzt werden zu wollen, antwortete sie nur: Mein Name steht draußen am Gang und wir sagen du, zu wem wir wollen.

Daher kurz darauf Szenenwechsel ein Stockwerk höher, ins Büro des Referatsleiters. Pobatschnig ist ein gemütlicher, dickbäuchiger Mann. Ein wenig erinnert sein Gestus zunächst an die traditionelle Gutsherrenart Landadeliger im Umgang mit Untertanen, ein Bild totaler Bürgernähe gibt er jedenfalls nicht ab. Immerhin: Er bittet den Bürger umstandslos in sein Büro und hört sich die Beschwerde kurz an, nicht unfreundlich, gibt die eingangs erwähnte Anmerkung zum Besten und greift dann zum Telefonhörer. Geh Irmi kumm amoi auffi, schnarrt er ins Telefon.

Am Besprechungstisch ihres Chefs mit den Vorwürfen konfrontiert, streitet Kassierin Schwarz sowohl Duzen wie auch Verweigerung der Namensnennung ab und beginnt stattdessen, den Bürger zu beschimpfen. Eine Frechheit, wettert sie los, was glauben Sie, wer Sie sind? Bloß: Der Bürger gibt nicht klein bei, sondern bleibt bei seiner Darstellung. Er deutet an, dem Bürgermeister in dieser Angelegenheit einen Brief schreiben zu wollen.

Darauf passiert folgendes: Pobatschnig erhebt die Stimme. Also das reicht jetzt, poltert er, auch Kunden müssen sich bei uns im Amt benehmen. Und er wirft den Bürger samt dessen Beschwerde kurzerhand hinaus. Der hört im Abgang noch, wie Pobatschnig seiner Mitarbeiterin zuraunt: Schreib gleich einen Bericht, aber schreib dei Version eini.

Ich glaube ja, an diesem Vorfall ist gleich Mehrfaches interessant:

Zunächst einmal natürlich die Art, wie im Grazer Referat für Parkraumbewirtschaftung mit Bürgern umgegangen wird, die sich beschweren. Bleiben sie nämlich bei Ihrer Beschwerde, obwohl die Mitarbeiter jede Fehlleistung glatt abstreiten, wird ihnen schlechtes Benehmen vorgeworfen. Merke: Gut benimmt sich in der Welt von Referatsleiter Gottfried Pobatschnig ganz offensichtlich nur jener Bürger, der eine inakzeptable Behandlung durch Amtspersonen unterwürfig duldet, sich duckt und den Mund hält.

Dazu, typisch: Eine Stadtverwaltung, die den Bürger einfach „Kunde“ nennt, wenn´s darauf ankommt, ihn aber ansonsten bestenfalls wie eine Partei und schlechtestensfalls wie einen Untertan behandelt, meint es mit der Kundenorientierung nicht ernst. Schöne Worte zur Selbstbefriedigung, keine Taten. Man erzählt sich selbst, wie fortschrittlich man ist, während man sich tatsächlich im finsteren Mittelalter einer bürgerfeindlichen Beamtenbürokratie befindet.

Weiters: Der selbstherrliche Referatsleiter hält dem Anschein nach wenig von seinem politischen Vorgesetzten – immerhin gibt er Wählern gegenüber offen zu, dass vor einer Wahl Dinge versprochen werden, die man danach wieder vergisst. Schon seltsam, aber auch nicht uncharmant, andererseits.

Das Problem bei der ganzen Sache: Man kann sich gegen selbstherrliches, respektloses und wenig serviceorientiertes Auftreten von Beamten oder Vertragsbediensteten der Stadt Graz ihren Bürgern gegenüber nicht wirklich wehren. Versucht man es: siehe oben.

Aber immerhin, man kann alle fünf Jahre wählen. Und jener Partei mit ihren Politikern, die derart indiskutabel agierende Mitarbeiter in ihrem Zuständigkeitsbereich dulden, die Stimme entziehen. Das Grazer Referat für Parkraumbewirtschaftung ressortiert zu Stadtrat Gerhard Rüsch von der ÖVP.

Die hat soeben bei der Grazer Gemeinderatswahl mehr als ein Zehntel ihrer Stimmen verloren.

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5 Gedanken zu “Graz, Amtsweg

  1. Sie haben recht, ganz offensichtlich hat diese Partei letzten Sonntag noch viel zu wenig Stimmen verloren. ein Stadtrat, der das Verhalten solcher Mitarbeiter gutheißt, ist unzählbar. Werde mir das für die nächste Wahl merken. Nichts gefallen lassen!

  2. Skandalös, wie Grazer Beamten mit Bürgern umgehen. Diesen Referatsleiter müsste man aus seinem Amt entfernen! Die Parksherrifs richten sowieso schon genug Schaden an und sind unfreundlich. Weg mit ihrem Chef!

  3. Hatte mit dieser Dame ( sitzt im zweiten Zimmer, richtig?) auch schon Schwierigkeiten. Eine unhöfliche und selbstherrliche Zumutung, diese Frau. Schade, dass man Beamte nicht einfach rausschmeissen kann! Danke dafür, dass Sie sich von der nichts gefallen haben lassen!

  4. Ist ja unglaublich, die Pobaschnig ist übrigens einer der Hauptverantwortlichen für das Chaos in der Grazer Parkraumbewirtschaftung, der Mann ist in seinem Job wohl überfordert. Dass Rüsch nichts dagegen unternimmt ist typisch Politiker, abwählen, einfach abwählen!

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