Die schöne neue Stimme

Es geht wirklich was weiter mit der Abschaffung des Provinzialismus in Österreich, wir werden zusehends internationaler.

Vor kurzem erst nahm ich in Graz erfreut zur Kenntnis, dass die Ansagerin in der Straßenbahn die Stationen nicht mehr in einem abenteuerlichen Englisch auf Volkshochschul-Kreativhausfrauentöpferkurs-Niveau von sich gibt, sondern halbwegs einwandfrei. Man hat sich zwar für die intensiv-texanische Variante des Aussprechens entschieden, also mit 47 Kaugummis im Mund, aber was macht das schon. Besser schludrig richtig, als katastrophal falsch. Und wir sind ja nicht in Oxford, wo wir schön wie die britische Queen zu sprechen haben.

Auch in Wien übrigens ersetzte man dieser Tage die ein wenig sperrig daher kommenden alten Ansagen durch geschmeidige neue, von weicher Frauenstimme freundlich in die Welt gesetzt. Mag ich.

Hingegen hätte mich die schöne neue Stimme heute durchaus vorwarnen können, was sie sich leider geschenkt hat.

Ich saß im 41er am Weg zu einer Pressekonferenz des Grünen Werner Kogler, Thema Salzburg-Spekulationen. Am Handy überflog ich, was über Twitter so alles in den Newsfeed schwappte, um nur ja am Laufenden zu sein. Da nahm die Tram in derart zügigem Tempo eine Kurve, dass es mich wie nur was gegen die Scheibe presste und mir die Querbeschleunigung beinahe das iPhone aus der Hand riss.

Ich war insofern irritiert, als ich an dieser Stelle meines täglichen Weges in die Stadt eigentlich eine stete Gerade ohne jeden Grund zum Abbiegen im Kopf hatte. Warum und woher also plötzlich Schwerkraft, Kurvenlage, Schienenquietschen?

Stellte sich heraus: Der 41er-Pilot hatte sich, aus welchen Gründen auch immer, zu einer kurzfristigen Änderung der Linienführung entschlossen. Und bog von außerhalb des Gürtels kommend vor der Volksoper einfach nach links ab, statt geradeaus in die gürtelinnere Währinger Straße zu stechen. Information für die Fahrgäste gab es, wie gesagt, keine. Weder vor noch nach der außerplanmäßigen Kurvung.

Zum Glück bin ich ja ein voll total flexibler und außergewöhnlich alerter junger Mann (haha!). Wie ein Springinkerl federte ich von meinem Platz, sprang an der nächsten Station aus dem Waggon, eilte zurück und bestieg hoffnungsfroh den nächsten 41er, der bereits zur Stelle war. Und der fuhr wieder, wie der 41 zu fahren hat: geradeaus in die Innenstadtbezirke, vorbei an Café Weimar, Universitäts-Zahnklinik, Votivkino und so weiter zum Schottentor, wo er mit eleganter Schleifenbewegung in das Jonasreindl abtauchte.

Und weil der Herr Kogler das mit dem akademischen Viertel oft wörtlich nimmt (wir Steirer sind da halt so), kam ich sogar noch rechtzeitig zur Pressekonferenz.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s