Pensionsschock

Auch wenn der Job des Schreibers supergeil ist, was Sie im Blogpost vom 31. Jänner nachlesen können: Manchmal bringt der Einblick, den man vom vielen Recherchieren bekommt, Kummer und Sorgen. Nicht, dass ich jetzt beim sperrigen Thema „Pensionen“ tatsächlich den totalen Durchblick hätte. Denn den hat in Österreich niemand – selbst die nicht, die das behaupten. In den vergangenen Jahrzehnten wurde so oft und so stümperhaft reformiert, dass das heimische Pensionssystem vermutlich das komplizierte vorstellbare Ding weltweit ist.

Raumfahrt, nur zum Beispiel? Ein Klacks dagegen. Theoretische Physik mit der ganzen undurchschaubaren Sache von den Quanten und Tachyonen und so weiter? Vergleichsweise etwas für Simpel. Bist du ein Superhirn auf internationalem Top-Niveau und willst wirklich an deine intellektuellen Grenzen stoßen, musst du dich mit dem österreichischen Pensionssystem beschäftigen.

Aber immerhin konnte ich, der Durchschnittsbürger mit durchschnittlicher Bildung und durchschnittlicher (hoffentlich) Intelligenz, nach einer Woche des Recherchierens und Rechnens aus all den widersprüchlichen Informationen vieler Experten eine Generalaussage heraus destillieren:

Alle, für die das neue Pensionskonto gilt (das sind die Jahrgänge ab 1955) werden dereinst weniger Geld kriegen, wenn sie in Rente gehen.

Die meisten von ihnen sogar deutlich weniger, als nach dem alten System ins Börsel geschaufelt worden wäre. Am schlimmsten wird es die Akademiker treffen, die eine moderne Berufslaufbahn hinlegen, also zwischen Parktika, Anstellungen und Selbstständigkeit mäandern, einmal gute und einmal schlechte Honorierungen lukrieren. Wer tut, was für den Menschen gut ist – zum Beispiel ein Sabbatical einlegen, ein halbes Jahr pausieren, in Bildungskarenz oder sonst was gehen – der verliert. Mitunter sogar brutal viel.

Halbwegs pari steigt nur der biedere Ärmelschonertyp aus, der sich ans Motto „ein Leben, ein Job“ hält und ansonsten möglichst gleichmäßig verdient. Nicht zu hohe, aber stetige Steigerungen bis zur Pension halten die Renten-Verluste in Grenzen. Und natürlich bestimmt über alles der Staat, vor Alter 65 ist nichts mit Schluss und lustig.

In Schweden hätten sie ein Modell, das dem Bürger die totale Freiheit lässt – er kann in Pension gehen, wann immer er will. Ein alter Schwede bekommt, was er selbst im Laufe seines Berufslebens angespart hat. Die viferen Experten fordern so etwas auch für Österreich. Aber natürlich wäre das dann die totale Herausforderung an den eigenverantwortlichen, selbstbestimmten und mündigen Bürger, für praktizierende Österreicher eine unbewältigbare Hürde. Hinsichtl und Rücksichtl haben dementsprechend jede ernsthafte Diskussion darüber sofort abgedreht. Hierzulande lassen wir uns lieber von inkompetenten Politikern an den Tropf von Vater Staat hängen, jammern ein wenig und schauen ansonsten devot, dass wir halt irgendwie durchkommen.

Oder so. Denn wie gesagt, die Politiker der vergangenen Jahrzehnte haben so viele Nebelgranaten geworfen, dass sich mit den Pensionen keiner mehr auskennt – sie selbst am allerwenigsten. Sogar der Chef der staatlichen Pensionsversicherungsanstalt gab mir in einem Gespräch kleinlaut zu, dass auch er nicht genau sagen kann, wieviel Pension jemand bekommt – bevor der nicht tatsächlich in Rente geht. Erst dann rechnet ein Computer per Knopfdruck alles aus. Sie können das, wenn Sie wollen, im aktuellen Format nachlesen, war eine richtig komplizierte Cover-Geschichte: „Der große Rentenklau – Pensionsfalle für fast alle“.

Mir jedenfalls schwirrt immer noch der Kopf von den vielen Zahlen. Sicher weiß ich nur, dass mir in der Pension, wann immer die sein wird, das Geld fehlen wird. Ihnen übrigens auch, wenn Sie heute jünger als 60 sind und nichts gespart haben. Tut mir echt leid.

Aber wir können uns ja dann am Parkbankerl treffen und ein Sackerl Taubenfutter teilen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s