Oh Kitty

Jetzt mache ich mir große Sorgen um Josef.

Der kleine Kater, gerade einmal ein dreiviertel Jahr alt, läuft ab und an mit seinem Bruder Franz Ferdinand frei zwischen Wiese und Wald beim Forsthaus seiner Besitzer herum, Freunde von mir. Josef ist trotz seiner Jugend schon der wildeste Schmusekater des Universums, kaum sieht er einen potenziell des Streichelns fähigen Menschen, schaltet er umstandslos in den Schnurrmodus. Du musst dann ganz einfach hingehen und ihn herzen. Denn Josef hat zusätzlich noch das flauschigste Langhaarfell, das man sich vorstellen kann.

Es muss ein paar Angoras in den vorangegangenen Generationen gegeben haben. Geboren wurde Josef nämlich von einer ganz normalfelligen, durchschnittlich struppigen Bauernkatze.

Sein gleichaltriger Bruder, zu dem alle nur Franzl sagen, schaut ähnlich aus, aber eben um die Nuance weniger weich, weniger streichelbedürftig und im Wesen das eine kleine Altzerl robuster, das ihn hinter Josef kuschelmäßig nur Nummer 2 sein lässt. In jedem anderen Umfeld wäre Franzl der mit Abstand denkbar bestgeliebte Gestreichelte, aber hier gibt es eben Josef.

Franzl lässt das ohnehin total kalt. Nicht, dass er sich nicht auch gerne kraulen lässt. Aber während Josef das Gestreichelt werden bis zur Selbstaufgabe perfektioniert hat, gibt Franzl zwischendurch doch auch gerne den Rabauken. Wo Josef zögernd Apfelbäume erklettert, stürmt Franzl zügig nach oben. Wenn Josef eine Fliege entdeckt, die er jagen könnte, hat Franzl sie
sich schon gekrallt. Als beide letztens bei mir zu Hause zu Gast waren, schlenderte Josef erst einmal lässig durch die unbekannte Wohnung, während Franzl sofort engagiert die nächstbeste Zimmerpflanze entwurzelte. Erst nachdem er einen Saustall verursacht hatte, sah er sich genauer um.

Jedenfalls, Josef hat für einen jungen Wald- und Almkater ein ganz großes Problem: sein weißes Fell.

Franzl ist garfieldbraun, der tarnt sich in Gebüsche hinein, da kannst du bloß Zentimeter neben ihm stehen und siehst ihn nicht. Josef hingegen leuchtet hundert Meter durch den Wald wie ein Scheinwerfer. Den entdecken der blindeste Habicht, der senilste Fuchs und der rachitischste Marder mit links.

Seit ich in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ vom Verschwinden der kleinen Katze „Perle“ gelesen habe, deren Beschreibung fatal an Josef erinnert, habe ich Angst um den lieben jungen Kater. Habe mir fest vorgenommen, beim nächsten Besuch bei den Freunden deren Wald auf das Vorhandensein von für Josef potenziell gefährlichen Tieren zu untersuchen. Weil ich ihn und seinen Bruder inzwischen richtig gern hab und beide ungern verlieren würde.

Es macht mir Spaß, den zwei Kitties beim Spielen zuzusehen. A propos. Nicht, weil es zum Thema passt, sondern weil ich den Link zu diesem coolen YouTube-Video immer schon einmal posten wollte – und Kitty genau das richtige Stichwort dafür ist: Der ewig besoffene Shane MacGowan, kultigster aller irish-working-class-Punkrocker, singt in einem Pub live den großartigen Trad-Song „Kitty“. Prompt hat sich ein Glücklicher zur genau richtigen Zeit an den genau richtigen Ort verfrachtet und mitgefilmt.

Schauen und hören Sie sich das an.

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