Qual der Wahl

Die Wahl muss für ihn eine echte Qual gewesen sein – und erst recht der Moment, in dem das Ergebnis bekanntgegeben wurde. Dennoch hielt sich Landeshauptmann Gerhard Dörfler richtig gut, als um exakt 17:01 Uhr im Klagenfurter Spiegelsaal Jubel aufbrandete. Und zwar in jenem Moment, als der ORF-Moderater die Erdrutschverluste der FPK verkündete. Das Komma hinter den vorläufigen 17 Prozent hörte man im Lärm gar nicht mehr, die auf jene Kärntner Blauen entfielen, die zuvor mehr als ein Jahrzehnt lang das Land tief hinein in braunen Schlamm geführt hatten.

Im engen Saal, der als Prunkraum nicht wirklich beeindruckend ist und wohl ein wenig das Kleine des Kärntner Wesens transportiert, war die Stimmung erstaunlich ausgelassen. Und zwar ohne jenes pöbelhafte Holzhammerjubeln, wie man es bisher von den lei-lei-Freiheitlichen kannte. Von denen ließ sich kaum einer blicken, man wollte wohl dem Spott entgehen. Vor allem fiel auf, dass jene beiden
Protagonisten, die in der nach-Haider-Zeit hinter Dörflers Rücken im Kärntner Politdrama jahrelang die eigentliche Regie geführt hatten, fehlten: Der Saal war gestern ab 16.00 Uhr komplett scheuchfrei.

Dörfler hingegen brachte seinen Auftritt als Radikalverlierer mit Anstand über die Bühne und verschwand dann still und leise. In Kärnten hat sich ja während der vergangenen Jahre eine Maßeinheit etabliert: das „Dörfler“ – der Abstand zwischen zwei Fettnäpfchen. Aber so oft der Mann auch diverse Hoppalas auf die kärntnerische politische Provinzbühne zauberte – er ist zumindest ein tadelloser Verlierer und hat das durchaus mit Größe gemacht. Respekt. Wer weiß, wie der sein hätte können, hätte es die Scheuchs nicht gegeben, die ihm immer im Nacken saßen.

Jedenfalls: ausfallsfrei-fröhlich die Stimmung, wie ich sie mir an diesem Wahlsonntag-Nachmittag nie erwartet hätte. Es war wohl schon eine erste Kostprobe des neuen Kärntens, das folgen könnte.

Zum Beispiel: ein bescheiden auftretender, aber trotzdem wie ein Hutschpferd grinsender Peter Kaiser, den sichtlich Dutzende anwesende SPÖ-Fans am liebsten geherzt hätten, als er als letzter der Spitzenkandidaten den Saal betrat. Auch die erste Ankündigung des kommenden Landeshauptmannes ist Kärnten neu: Man werde als allererste Handlung den Pflegeregress wieder abschaffen. Da kann sich sein steirischer Kollege Franz Voves in Sachen gestandene Sozialdemokratie glatt was abschauen.

Einen richtig glücklichen Eindruck hinterließ auch Gabriel Obernosterer, der Kärntner ÖVP-Chef hatte wohl mit deutlich höheren Verlusten gerechnet. Und als der Grüne Rolf Holub nach seinem TV-Auftritt den Saal verließ, umarmte ihn der am Gang wartende Werner Kogler, neben Stefan Petzner der einzige aus Wien angereiste Bundespolitiker. Selbst Josef Bucher vom BZÖ strahlte nach dem geschafften Wiedereinzug in den Landtag – und sein oranger Adlatus Petzner leuchtete überhaupt wie ein Solarium. Ein bissl komisch hingegen Franks Mann Gerhard Köfer: Ich hatte den Eindruck, der traut sich gar nicht, sich richtig feiern zu lassen. Glaube ja fast: Wenn beim Team Stronach plötzlich einer im Rampenlicht steht, der nicht Frank ist, dann gibt das zuhause gleich ordentlich Brösel.

Draußen dann jedenfalls, als es finster geworden war und ich mich heim in die Steiermark aufmachte: Hupende Autos, die mit ihren Fernlichtern ausgelassen blinzelten. Fast konnte man sich denken: Nach dieser Wahl war Kärnten erstmals seit langem qualfrei. Es hatte den Anschein, gestern in Klagenfurt, als wäre dem ganzen Bundesland ein riesengroßer Mühlstein vom Hals gefallen.

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