Makler

Immobilienmakler sind die Pest. Wie Gebrauchtwagenverkäufer, nur weniger gebildet. Wie Staubsaugervertreter, nur nicht so seriös. Wie Politiker, nur nicht so ehrlich. Wie Beamte, nur nicht so dienstleistungsorientiert.

Ich kriege mein Wien-Graz-Dingsbums ja wahrscheinlich im Leben nicht mehr sauber auf die Reihe – so, dass ich mich irgendwann einmal irgendwo bei irgendwem und irgendwie zuhause fühle. Das Pendeln zwischen allen möglichen Orten, Stühlen und Welten wird mir bleiben. Jedenfalls stelle ich die Präsenzzeiten in beiden Städten, wieder einmal, ein wenig auf neue Beine. Also brauche ich diese große Wohnung in Wien eigentlich nicht, in der es mehr leere Zimmer als Möbelstücke gibt. Und suche eine kleine.

Na, fragen Sie nicht.

Was man da so alles erlebt mit diesen inkompetenten, unfreundlichen, präpotenten und sonst auch noch
alles mögliche: Immobilienmaklern! (Eigentlich soll man das ja nicht tun und ich halte mich normalerweise daran – aber dieser Satz bekommt an sein Ende ein Rufzeichen, basta, diese journalistische Todsünde leiste ich mir jetzt einfach.)

Maklerin Nummer 1, die ich um eine Wohnung fragte: Sie zeigte mir kurzfristig eine unglaubliche Bruchbude, der ich nach der euphorischen Vorbeschreibung ein derart miserables Auftreten nie zugetraut hätte. Die beste Wohnung in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis sei das, hatte mir die Dame am Weg zum Sanierungsfall nämlich versichert, die sie jemals zu vermitteln gehabt hätte.

Die Makler Nummer 2 und 3, mit denen ich einen Besichtigungstermin vereinbart hatte, tauchten zu diesem einfach nicht auf. Dass wir uns jeweils am Vortag telefonisch noch fest versprochen hatten, einander zu informieren, sollte etwas dazwischen kommen, hatten sie wohl als Höflichkeitsfloskel abgetan.

Maklerin Nummer 4 war zwar da und sogar nicht einmal unfreundlich. Wurde es jedoch ziemlich schnell, als ich mich weigerte, ein abgewohntes Billy-Bücherregal in der besichtigten Wohnung zu belassen und dafür auch noch einen extra Mietanteil zu zahlen, wie der Vermieter sich das wünschte.

Maklerin Nummer 5 sagte mir am Telefon, dass man ein bissl was von einem Zug höre, aber nicht schlimm. Vor dem Termin sah ich mir die Adresse in Google Maps an: Die Wohnung lag direkt an der Stadtbahn – dort, wo sie auf Höhe des ersten Stocks direkt an den Fenstern vorbei rattert. Ich ging nicht zu dem Termin – informierte die Dame aber natürlich.

Makler Nummer 6 sprach gar nicht persönlich mit mir, sondern lässt eine Sekretärin seine potenziellen Klienten beschallen, von der schon mit dem ersten Satz ziemlich klar ist, dass sie die Hauptschule vermutlich nicht mit lauter Einsern, Zweiern, Dreiern oder Vierern im Zeugnis absolviert hat. Sie erklärte mir, man würde derzeit keine Besichtigungstermine für die inserierte Wohnung ausmachen.

Warum denn nicht, im Inserat steht doch, man soll zwecks Besichtigungstermin anrufen?, fragte ich.

Ja schon, aber wir machen derzeit eben keine Besichtigungstermine aus, sagte sie.

Dann auf Wiederhören, sagte ich, legte auf und wusste, dass ich dort in Wahrheit nie mehr anrufen würde.

Makler Nummer 7 schließlich kommuniziert vorerst einmal überhaupt nur schriftlich mit seinen Kunden und gibt zu verstehen, dass man zuallererst drei Gehaltsbestätigungen, einen Lichtbildausweis und einen Meldeschein übermitteln soll, bevor eine persönliche Kontaktaufnahme in Erwägung gezogen werden kann. Falls Sie mir das nicht glauben, weil es eigentlich ziemlich ungeheuerlich ist – ich habe einen Screenshot gemacht, hier nebenan ist er. Unnötig anzufügen: Dieser ungewöhnliche Mensch wird mich als Kunde nie zu Gesicht bekommen.

Dafür, dass die alle für genau null akzeptable Leistung zwei Brutto-Monatsmieten als Honorar wollen, sind sie ganz schön hinüber.

Demnächst vergeben ja ihre Standesvertreter den den sogenannten „Ymmi“ – eine jährliche Auszeichnung für Immobilienmakler, welche im Zuge eines pompösen Festaktes verliehen wird, bei dem sich diese unglaubliche Branche selbst abfeiert. Fast bin ich ja versucht, als Journalist dort zu erscheinen, mir den Fachgruppenvorsteher zu krallen und ihm auseinanderzusetzen, was für eine katastrophale Riesenherde von schwarzen Schafen er eigentlich vertritt.

Oder noch besser – eine Geschichte darüber zu schreiben. Nicht nur in diesem Blog.

Aber jetzt P.S. noch:

Sorry, liebe Immobilienmaklerinnen, die ihr euch unter meinen Bekannten befindet und jetzt verständlicherweise ein wenig beleidigt fühlen könntet – das wollte ich nicht. Aber es ist halt, wie es ist. Ich gehe davon aus, dass ihr die vereinzelten weißen Schafe unter den vielen Ungustln seid.

In diesem Fall müsst ihr den Tatsachen einfach mutig ins Auge blicken und weitermachen, so gut ihr könnt. Wenn alle anderen unfähig sind, steigen eure Chancen, am Markt zu reüssieren, so müsst ihr das sehen. Und natürlich dürft ihr, wenn wir uns das nächste Mal treffen, hemmungslos über Journalisten herziehen. Das ist dann völlig okay für mich.

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