Mit Trap im Lift

Der Oktober 2008 zeigte sich auf den Britischen Insel gerade von seiner schönsten Seite, während auf den Färöern der eiskalte Wind die österreichische Fußball-Nationalmannschaft in die eigene Spielhälfte verblies. Man brachte neuerlich keinen Sieg über die Fußballzwerge Europas zustande und zementierte unter dem kuriosen Trainer Karel Brückner die eigene Inkompetenz in Sachen Bekicken der Färinger.

Einen Tag zuvor war ich im irischen Küstenort Portmarnock in den Lift des noblen „Portmarnock Links Hotel“ gestiegen, um hinunter zum Abendessen zu fahren. Drin stand bereits ein grauhaariger, älterer Herr, der trotz seines Trainingsanzugs einigermaßen elegant wirkte. Er stand ein wenig verloren in dem geräumigen Gestühl, das mit dunklem Holz ausgekleidet war und viel Raum für Leere ließ. Der Spiegel an der Rückwand warf ein leicht verzerrtes Bild des Fußballtrainers in die Kabine zurück, ich erkannte ihn sofort.

Buon giorno, sagte ich zu Giovanni Trapattoni, der als Coach soeben von Red Bull Salzburg zur irischen Nationalmannschaft gewechselt war. Prompt heiterte ihn mein Gruß auf, der im fremden und kühlen Irland vereinsamte Italiener in Trap witterte wohl einen Landsmann. Er überzog mich in der Sekunde mit
einem italienischen Maschinengewehrfeuer, begleitet von wildesten, ausladendsten Gesten, wie man sie von ihm aus diversen Pressekonferenzen nach nervenaufreibenden Matches kennt. Ich verstand kein Wort.

Ma scusa, sagte ich, non parlo italiano, sono Austriaco. Und versuchte, den relativ einfachen Satz weitgehend akzentfrei über die Bühne zu bringen – ich kann zwar wirklich nicht Italienisch, das aber halbwegs in der Tonalität des Landes. Super bin ich zum Beispiel, wenn ich einen Polizisten frage, ob ich mein Auto irgendwo abstellen darf: É vietato parcheggiare la machina qui?, rufe ich dann ganz aufgeregt aus dem geöffneten Seitenfenster und die Ordnungshüter antworten praktisch immer mit einem unglaublichen Redeschwall. Ich verstehe null, bedanke mich und fahre weiter. Ein nettes Ritual.

Trap jedenfalls verwirrte mein gut vorgetragener Satz nur noch mehr.

Eh klar – wenn dir einer in halbwegs einwandfrei klingendem Italienisch erklärt, dass er nicht Italienisch kann, mag das schon ein wenig seltsam daher kommen. Der berühmte Mann verfiel jedenfalls in sein noch berühmteres Kauderwelsch aus verschiedensten Sprachen, von denen keiner sagen kann, woher sie jeweils kommen. Ich weiß von irischen Sportjournalisten, die auch nach mehrmaligem Anhören des Mitschnitts einer Pressekonferenz nicht zweifelsfrei identifizieren konnten, was Trap eigentlich sagen wollte.

Isse werrsse receptional?, fragte mich Giovanni Trapattoni. Ich überlegte kurz, verstand, dass er die Rezeption suchte, und geleitete ihn an den Ort seines Begehrens.

Auguri!, rief ich ihm dort zum Abschied zu und meinte damit, dass ich fürs bevorstehende WM-Quali-Match Irland gegen Zypern viel Glück wünschte. Das war natürlich fremdsprachlich betrachtet totaler Nonsens, aber wie gesagt, ich kann nicht Italienisch. Doch das verstand nun auch Trapattoni, grinste breit und ließ mich abziehen.

Später beim Abendessen mussten wir, eine Gruppe deutscher und österreichischer Golfjournalisten, etwas länger auf die Suppe warten. Denn der Kellner, ein gebürtiger Italiener auf irischer Gastarbeiterschaft, es herrschte damals gerade die Celtic-Tiger-Endphase in Irland, hatte nur Augen für Trapattoni, den sie ja von Mailand bis Palermo immer noch als Gott verehren.

Padrone hier, Padrone da, hieß es und der Mann umschwänzelte das Idol, wie ich Salma Hayek umschwänzeln würde, nur zum Beispiel. Die Kollegen und ich blieben hungrig, bis das irische Fußballteam sein Essen beendet hatte. Dafür kam dann alles gleichzeitig. Das Essen im Portmarnock Links Hotel ist übrigens, das möchte ich anmerken, wie auch alles andere in den feinen Haus direkt am schönen Golfplatz: formidabel.

Ich glaube, die Iren haben dann am nächsten Tag gewonnen. Bin schon gespannt ob das morgen auch so sein wird, oder ob Österreich den grünen Jungs eine drüber paniert, wie es jüngst die Deutschen getan haben. In diesem Fall wird Giovanni Trapattoni wohl umstandslos und endgültig den Ausgang aus dem schönen Dubliner Aviva-Stadium suchen müssen, dem Vernehmen nach soll es sich ja um eine Art Schicksalsspiel für seinen irischen Trainerjob handeln…

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