Leisän Tschlmn

Warum nur sind wir Österreicher in Sachen Internationalität solche Nasenbohrer?

Lassen wir einfach einmal diesen ganzen xenophoben Schwachsinn beiseite, wie ihn unsere vielen Altnazis, unsere auch ganz schön zahlreichen Jungnazis, die engstirnigen Dumpfgummis und die allerorts vorhandenen sozialen Angsthasen verbreiten. Nehmen wir nur die vernünftigen Menschen und schauen wir ihnen aufs Maul, wenn sie versuchen, sich in einer fremden Sprache zu artikulieren.

Eine Tragödie. Nicht immer, aber meistens jedenfalls.

Haben Sie jemals Werner Faymann, der immerhin Bundeskanzler ist und viel im Ausland arbeiten muss, Englisch sprechen hören? Oder, noch dramatischer, unsere Infrastrukturministerin? Glauben Sie mir: Das wollen Sie sich gar nicht vorstellen.

Und da reden wir von Englisch, das ja erst dann zur richtig schweren Sprache wird, wenn man in ihre Tiefen und Feinheiten einzudringen bereit ist. Für Normalkonversationen hat man es mit einem recht leicht handhabbaren Wort-, Satz- und sonstigen Gefüge zu tun, das sich einigermaßen einfach zu verständlichen Sätzen zusammenstückeln lässt. Nur nicht von Österreichern.

Was Fremdsprachen betrifft, sind wir ein Land voller menschlicher Rätsel: Wir können sie einfach nicht richtig, und aus unerfindlichen Gründen können wir sie auch nicht richtig lernen.

Warum zum Beispiel bestellen wir, wie der formidable Standard erst kürzlich in einem Einser-Kastl süffisant abhandelte, beim Bäcker „ein Pannini“? Wo einem doch
bei einem Mindestmaß an Bildung und null weiterführenden Italienisch-Kenntnissen der gesunde Menschenverstand flüstern müsste, dass es sich bei einem Brötchen um den Singular handelt und der auf -o endet. Aber nein, wir hätten gerne kollektiv „ein Pannini“. Die, die es ganz schlimm treiben, wollen im Eisgeschäft auch „ein Gelati“.

Über ein ganzes Jahrzehnt schafften es ORF-Sportreporter nicht, zu gneißen, dass ein am Ende eines portugiesischen Wortes stehendes „o“ als „u“ ausgesprochen werden muss. Und ein „s“ phonetisch ziemlich selten auch wirklich eines ist. Dauernd war bei Fußball-Übertragungen im ORF Luis Figo am Ball, auf allen anderen Sendern war es, völlig korrekt, Luisch Figu. Dass sich sein Landsmann-Kicker Meireles nicht „Meireles“ ausspricht, sondern ungefähr „Merelsch“ (kannst mich jederzeit verbessern, Stela!), wollen wir sogar durchgehen lassen. Denn für einen durchschnittlichen ORF-Sportmoderator führt das wohl viel zu weit. Aber mir schleierhaft, warum unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk seine Leute nicht alle auf Schulung schickt, damit sie wenigsten die einfacheren Namen der Sportler halbwegs unfallfrei über die Lippen bringen. Sie müssen ja nicht gleich ein Interview in einer fremden Sprache zu führen wissen, obwohl das für einen hauptberuflichen Reporter natürlich gar nicht einmal so schlecht wäre.

Rainer Pariasek zum Beispiel, Rainer Pariasek!

Der ist schon auf Deutsch die größte Wortvernudelungsmaschine seit Alois Mock. Ich kann nicht verstehen, warum der ORF den dauernd in internationales Fahrwasser abkommandiert, wo er doch beim Kick Ostbahn XI gegen Favoritner AC, nur zum Beispiel, aus linguistischer Sicht weit besser aufgehoben wäre.

Genauso, wie ich im Dunklen tappe, warum die ÖBB es nicht und nicht schaffen, ihren Zugbegleitern ein vernünftiges Mindestmaß an Fähigkeit anzutrainieren, wenigstens 10 oder 20 englische Basiswörter so auszusprechen, dass du als Fahrgast nicht glaubst, du bist im Zirkus gelandet. Die AUA kriegt das mit ihrem Kabinenpersonal ja auch hin.

Aber in einem Zug made in Austria braucht es schon ziemlich viel Phantasie, um das „Leisän Tschlmn“ aus den Lautsprechern als „Ladies and Gentlemen“ zu identifizieren und zu wissen: Jetzt beginnt die Begrüßung auf Englisch und sensible Schöngeister halten sich nun besser eine Minute lang die Ohren zu.

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