Bei Franks Event

Ich wusste immer schon, eines Tages erwischt es mich. Dann komme ich nicht mehr aus und muss einen Ausflug nach Frankland machen. Fränk-Länd. Letztens erledigte noch ein Kollege den Job, aber am vergangenen Donnerstag fasste ich in der Redaktionssitzung folgenden Auftrag aus:

Nächste Woche präsentiert Frank Stronach sein Parteiprogramm, sagte einer unserer zwei Chefreds zu mir, geh hin und mach eine Geschichte.

Also fand ich mich heute um halb elf brav im Wiener Palais Ferstel ein, sammelte Informationen und Eindrücke von Franks Event – das war es nämlich, ein Event – und werde mich im nächsten FORMAT anschicken, Ihnen zu berichten. Dort lesen Sie dann die ganzen Infos zum höchst schrulligen Parteiprogramm des Team Stronach. Die Hard News also praktisch.

Hier und heute lesen Sie über die Eindrücke bei der Pressekonferenz, ein wenig Soft News eben.

Normale politische Pressekonferenzen dieser Art finden meistens in Hotels oder Parteizentralen statt, das Café Landtmann ist seit Jahren ebenfalls ziemlich en vogue. Ein bis maximal vier Menschen am Podium, ein bis zwei Dutzend Journalisten. Wenn es hoch kommt ein paar Brötchen, Mineralwasser, Orangensaft. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Erst gestern Abend war ich bei einem Hintergrundgespräch mit dem Finanzstaatssekretär, wir fanden da mit einem mittelgroßen Besprechungstisch das Auslangen und die Sache flutschte.

Aber Frank gibt sich mit solchem Firlefanz natürlich nicht zufrieden. Da muss schon ordentlich geklotzt werden, alles andere ist gar nichts. Also
Prunksaal im Palais Ferstel, Monsterbuffet, gut 200 Menschen im Publikum – von denen sich dann während der Veranstaltung mindestens die Hälfte als wohl herbeigerufene Claqueure herausstellten.

Da müsst ihr echt noch ein bissl an eurer Dramaturgie arbeiten, liebe Checker vom Team Stronach, denn merket auf: Echte Journalisten klatschen nicht. Never. Sie hören bloß zu, stellen Fragen, notieren. Applaus ist ein absolutes No-go, weil Äquidistanz, neutraler Blick auf die Dinge und so weiter. Wenn ihr also wieder einmal journalistische Pressekonferenzbesucher faken wollt, schärft ihnen bitte unbedingt ein, den Klatschimpuls zu unterdrücken, wenn der Chef etwas ihrer Meinung nach Cooles gesagt hat.

Dieser saß inmitten seiner Leute am Podium, Ungleicher unter Ungleichen. Das Podium, meine Güte!

18 Menschen drauf, die ganze Truppe, eine nicht völlig unpeinliche Ansammlung von Staffage für den großen Boss. Ein unbekannter Steuerberater als Experte, eine Miss Austria von vor Jahrzehnten, ein Polizeidirektionsdirektor außer Dienst, die Sekretärin des Chefs. Eine Feldbacher Hauptschulabsolventin, die noch nie einen außerparteilichen Job hatte. Ein ziemlich naturbelassener Milchbauer vom Attersee (Mir in Oberösterreich wissen halt no, wia die Kua mitm Schwanz wedelt). Der Kärntner Master aller Fête-Blanche-Universen. Und so weiter.

Ehrlich – eine Mannschaft, bei der Robert Lugar als das seriöseste Mitglied durchgeht, hat irgendwie schon was Gruseliges, ein ganz kleines bissl halt.

Wie ergebene Angestellte lauschten sie alle ihrem Chef, jeder lobte in seiner ein-Minuten-Wortmeldung den Frank, diesen offensichtlich großartigsten aller großartigen Menschen. Als Journalist registriere ich so etwas ja nicht uninteressiert. Als Staatsbürger jedoch muss ich sagen, dass ich nicht weiß, ob ich mich von solchen Politikern vertreten lassen möchte.

Ich bemerkte weiters:

Frank Stronach ist mit Auftritten, die über eine halbe Stunde reichen, inzwischen schon recht gefordert. Die Konzentration scheint danach exponentiell zu schwinden. Nach 45 Minuten ist es völlig sinnlos, Fragen zu stellen, weil du dann Antworten auf irgendwas bekommst, nur nicht auf die Frage.

Weil der superreiche alte Herr bei allem, was nur im entferntesten mit Wirtschaft zu tun haben könnte, seit Monaten immer wieder dieselben zehn Stehsätze wiederholt, von denen mir zumindest die Hälfte einigermaßen eigenartig vorkommen, neige ich außerdem zur Ansicht: Er könnte es in Wahrheit sein, der sich mit Wirtschaft nicht so auskennt. Gut, er hat einen Konzern aufgebaut. Gut, er hat dort seine Schäfchen super ins Trockene gebracht. Das ist eine anzuerkennende Leistung, aber mit Fachwissen über Wirtschaft muss sie nicht zwangsweise etwas zu tun haben. Selbst ich mit meinen zwei Semestern Betriebswirtschaftslehre kann eine ganze Reihe von Vorschlägen aus dem Parteiprogramm des Team Stronach mühelos als ziemlichen Humbug identifizieren.

Wann immer Frank nicht mehr weiter weiß, was mit fortschreitender Dauer der Veranstaltung mehr und mehr der Fall war, übergibt er das Wort an seine Statthalterin Kathrin Nachbaur. Du bist a Expertin, Kathriiiin, sagt er dann und dehnt die letzte Silbe ihres Vornamens zu einer eleganten französisch-kanadischen Ausspracheversion, du musst des wissen! Frau Nachbaur ist Grazerin und mir daher per se schon sympathisch. Weil ich sie nur vom heutigen Zuhören und ihrem Video auf der Team-Stronach-Website kenne, kann ich derzeit sonst noch nichts Tolles über sie sagen. Da sie aber wohl in Österreichs Innenpolitik dank der Frank-Millionen in Zukunft eine gewisse Rolle spielen wird, kommt das sicher noch.

Bis dahin weiß ich nur: Frank schlägt für den Nationalrat in Zukunft die Wahl sogenannter „Bürgerdelegierten“ vor, die unter anderem zumindest 35 Jahre alt sein müssen. Sonst fehlt ihnen die Erfahrung und sie können Politik noch nicht, sagte er bei der PK heute Vormittag in etwa. Das hat mich neugierig gemacht und zurück in der Redaktion habe ich nachgesehen: Kathrin Nachbaur, der er die Verantwortung über seinen politischen Apparat während der Kanada-Absenzen jeweils anvertraut und die ja auch ein bissl beim Ursprung des Tirol-Chaos mitgemischt hat, ist 34.

Abends sah ich mich dann selbst in der ZiB 2 – mit skeptischem Blick saß ich da und hielt, ohne es zu wollen, mein Dreifachkinn in die Kamera. Danke Jungs und Mädls für die viele SMS-Fanpost – ja, ich weiß, da war ich glatt einmal im Fernsehen. So etwas kommt vor, wenn man Pressekonferenzen besucht und der ORF-Kamermann seinen obligaten Schwenk ins Publikum macht, das halt dann aus Kolleginnen, Kollegen und mir besteht. Machen wir bitte keine große Sache mehr aus sowas und verschwenden wir unsere frei-SMS nicht mehr dafür.

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