Valderrama

Stellen Sie sich vor, ein Golfplatz in einer Gegend, in der es keinen Winter gibt. Man ist unter sich und das bedeutet, man hat ziemlich viel Geld. 400 Mitglieder, mehr nicht. Gäste sind nur in Ausnahmefällen erlaubt, man vergibt Greenfees bloß an einigen Tagen in der Woche, selbst dann gibt es Startzeiten für Klubfremde lediglich zwischen 12 und 14 Uhr. Der Klub startete vor Jahrzehnten mit einem Kapital von 80 Millionen Euro nach heutigem Geld, jedes Jahr kommen zumindest 3,6 Millionen an Beiträgen der ausgewählten 400 dazu. Geld ist also kein Thema.

Angenommen, Sie spielen Golf: Könnte Ihnen das gefallen?

Wenn ich ehrlich bin: mir schon. Zwar hätte ich nie im Leben die 200.000 Euro Einschreibgebühr, die fließen müssten, wollte ich Mitglied im berühmten Klub von Valderrama an Spaniens sommerlicher Costa del Sol werden, Europas angeblich exklusivstem Golfplatz. Und selbst wenn, man hätte mich dort nicht genommen. Denn Journalisten sind unter den Mitgliedern aus aller Welt nicht so beliebt, wie gesagt: Man ist unter sich und will das gerne bleiben.

Alle paar Monate einmal lassen sie allerdings ein paar von uns für einen kurzen Lokalaugenschein rein, sind freundlich, zeigen alles her, laden uns auf Speis und Trank ein und
gestatten eine Runde. Danach entlassen sie uns wieder in die ordinäre Golfwelt da draußen, was dann jeweils ein bissl ein Schock ist. Mir ging es bereits so, als ich Royal County Down in Nordirland spielte, auch so ein super Luxusklub: Danach ist alles andere Golferische eine Zeit lang irgendwie nur fast so toll.

Bild: Stefan Waldvogel

Aber nun Valderrama, ich erzähle Ihnen gerne ein wenig von der Runde: Golferisch sind die Bäume natürlich eine Herausforderung: Bist du nicht supergenau, liegt dein Ball unter einem Korkeichenbaldachin und von da musst du erst einmal deinen Pfad zurück auf das Fairway finden. Wedges oder riskante Eisenschläge zwischen Stämmen hindurch kannst du getrost vergessen, es gibt nur einen einzigen Weg: den Schlagverlust voller Demut hinnehmen, in Bodennähe mit einem langen Eisen in rechtem Winkel zur Zielrichtung Grün zurück aufs Kurzgemähte chippen. Ich sah vor Jahren in der Türkei zu, wie Profigolfer Oliver Hertl so etwas erledigt, er verwendete damals für seinen Recovery-Chip den Driver. Konnte dieses Wissen in Valderrama nun gleich zweimal praktisch anwenden, jeweils ersparte mir der Know-how-Vorsprung das eine oder andere Score-Desaster.

Der Platz ist erstaunlich unprätentiös, aber ich vermute: Je öfter man ihn spielt, desto schwerer wird er. Vor allem zeichnet den Kurs von Valderrama jene Eigenheit aus, über die nur die erstklassigsten unter den erstklassigen Golfplätzen verfügen: Sie lassen Hobbygolfer gnädig leben und stellen Profis vor irre Herausforderungen. Anders gesagt: Je besser man golft, desto schwieriger wird der Platz. Weil dann mit den veränderten Distanzen, Landezonen und Tigerlines plötzlich Hindernisse ins Spiel kommen, die dir als Freizeitspieler nicht einmal auffallen.

Bild: Stefan Waldvogel

Mir schon, weil ich ja jobmäßig bereits ziemlich vielen Profigolfern zugesehen habe, mit ihnen auch die eine oder andere Runde absolvierte. Ich weiß also, was die tun – und warum das so anders ist als das, was ich am Golfplatz mache. Vielleicht erzähle ich Ihnen einmal von der Pro/Am-Runde im benachbarten San Roque, die ich vor Jahren mit dem damals frischgebackenen ET-Event-Sieger Robert-Jan Derksen spielte. Zu meiner Valderrama-Runde nur soviel: Den Driver ließ ich in den Teeboxen ziemlich bald im Bag, das 3er-Eisen tut es beim Abschlag auch und schießt den Ball weit sicherer in Richtung Mitte Fairway. Sehr oft bugsierte ich das kleine Runde in einen der unzähligen Sandbunker. Ich glaube: mein Lobwedge war jener Schläger, den ich an diesem Valderrama-Tag am öftesten in der Hand hielt, vom Putter einmal abgesehen. Was mich dann jeweils ganz schön verzwickt dreinschauen ließ, wie Sie dem Bild entnehmen können, das Kollege S. vom Magazin „Golfsuisse“ gemacht hat (das Korkeichenbild oben auch – beide sind urheberrechtlich geschützt, bitte sparen Sie sich also das copy&paste, danke).

Toll auch die Range, die Bälle liegen für die Übenden fein säuberlich zu kleinen Pyramiden geschlichtet bereit – und selbstverständlich handelt es sich nicht um Rangebälle, sondern um echte. Für mehr als 300 Euro Greenfee bekommt man schon etwas geboten.

Die Valderrama-Küche verfügt über Küchenchefs in inflationärer Weise: Gleich vier Chefköche wachen über die Zubereitung der Mahlzeiten – einer für Fisch, einer für Fleisch, einer für Suppen und einer für Beilagen. Das ist natürlich ein wenig overdressed, aber ehrlich: Man schmeckt den Aufwand.

Falls Sie Valderrama spielen wollen, was wie gesagt nicht leicht ist, habe ich folgenden Tipp für Sie: Buchen Sie bei golf-extra das Luxuspaket, für vergleichsweise wenig Euronen sind da nicht nur eine Woche Übernachtungen im Fünfsterneluxus des feinen Kempinski-Bahía-Hotels inkludiert, sondern auch Greenfees in Valderrama, Sotogrande, San Roque Old und New sowie La Riserva. Das kriegen Sie als Normalsterblicher in dieser Dichte sonst nie zusammen.

Denn selbst wenn Sie reich sind und die 200.000 Flocken für Sie ein Klacks: Vergessen Sie es, in Valderrama gibt es eine Warteliste, die ist so lang wie der Schweif des Kometen Kohutek, also: Lichtjahre.

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