Salzburger Taxler

Ich öffne den Schlag des großen BMW, beuge mich ins schwarz blitzende Auto, duftendes Leder becirct meine Nase.

Nehmen Sie den Wagen vor mir, sagt allerdings Taxifahrer Velickovic und macht nicht den Eindruck, als habe er besonderes Interesse an einem neuen Fahrgast. Aber nicht mit mir. Ich habe schon desöfteren gelesen und das von einem Vertreter des Taxigewerbes sogar kürzlich erst bestätigt erhalten, dass Fahrgäste sich am Standplatz den Wagen aussuchen dürfen und keinesfalls gezwungen sind, den vordersten zu nehmen.

Ich will aber mit Ihnen fahren, antworte ich nach einem raschen Seitenblick auf den durchaus desolat wirkenden Minivan vor dem BMW und lasse mich weich ins beige Leder fallen. Velickovic grunzt irgendwas, innerlich flucht er mich wahrscheinlich gerade zum Teufel.

Zum Chiemseehof bitte, sage ich.

Ist das ein Hotel?, will Velickovic wissen.

Nein, das ist der Sitz der Salzburger Landesregierung, antworte ich.

Kenne ich nicht, sagt er.

Aha, sage ich, das macht aber eh nichts, fahren Sie mich bitte einfach nur hin.

Wo ist das und wie soll ich fahren?, fragt Velickovic.

Das weiß ich nicht, sage ich, denn
ich bin der Fahrgast und Sie der Taxifahrer.

Sagen Sie mir die Strecke an, fordert Velickovic.

Verwenden Sie doch einfach Ihr Navi, sage ich und zeige auf das TomTom, das fett an der Windschutzscheibe klebt.

Das zeigt in der Innenstadt nichts an, wehrt sich Velickovic, was ein schwerer taktischer Fehler ist, denn jetzt habe ich ihn.

Wieso wissen Sie, dass das in der Innenstadt ist, wo Sie doch den Chiemseehof nicht kennen?, frage ich.

Velickovic schluckt kurz.

Nehmen Sie doch bitte einfach den Wagen vor mir, sagt er dann gequält.

Los, fahren wir ab!, sage hingegen ich.

Velickovic grummelt und kurvt durch Salzburg. Größere Umwege zu nehmen traut er sich nicht. Denn im Rückspiegel sieht er, dass ich auf dem iPhone die Route überwache, sicher ist sicher. Und dass ich kein einfach zu handhabender Fahrgast bin, hat er wohl schon mitbekommen.

Welche Hausnummer, fragt er, ich brauche eine Adresse.

Chiemseehof, sage ich, das ist eine Adresse. Die Salzburger Landesregierung ist dort, die hat keine Hausnummer.

Kenne ich nicht, sagt Velickovic schon wieder.

Das wird jetzt kafkaesk.

Tatsächlich überlege ich kurz, ihm zu erklären, dass ich gleich die Landeshauptfrau treffen werde – und wenn er so weitermacht durchaus bereit bin, ihr gegenüber die Taxler der Stadt und des Landes zu beschimpfen.

Aber ich lasse das sein.

Denn am iPhone sehe ich: Luftlinie 100 Meter bis zu Burgstallers Büro, bei Velickovics planloser Flaniererei eine Sache von mindestens einer Viertelstunde, zu Fuß hingegen ein dreiminütiger Klacks. Ich bitte ihn, anzuhalten, zahle brav und erkläre im Aussteigen, dass ich mich bei der Salzburger Taxi-Innung beschweren werde.

Warum beleidigen Sie mich?, fragt Velickovic.

Dem Mann ist nicht zu helfen. Aber wahrscheinlich braucht er Hilfe auch gar nicht, denn immerhin: ein feiner, neuer 5er-BMW, eine eigene Firma – das „Taxiunternehmen Zoran Velickovic“. Mit dem ich, wenn ich wieder in Salzburg bin, sicher nicht mehr fahren werde. Da kann der Firmenchef mit seiner schwarzen Protzschaukel tausendmal ganz vorne in der Reihe stehen. Ich werde dann zum Wagen dahinter gehen.

Völlig egal, wie vergammelt der aussieht.

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