Berlin

Noch einmal kurz Berlin. Ich will allerdings nicht der Einmillionste sein, der sich jetzt mit mehr oder weniger schön formulierten persönlichen Befindlichkeiten oder gar touristischen Empfehlungen an der Stadt abarbeitet.

Die haben eh genug Probleme dort.

Sie bauen zum Beispiel ein Barockschloss im alten Stil, was an sich schon recht schrullig ist. Aber noch dazu haben sie eigentlich kein Geld dafür. Außerdem nehmen sie den Namen ihrer Prachtstraße „Unter den Linden“ gerade ein wenig zu wörtlich und graben dort eine U-Bahn-Röhre. Es staubt und scheppert ziemlich. Das Geld dafür haben sie eigentlich: nicht. Sie würden auch gerne einen neuen Flughafen fertig bauen, dafür jedoch fehlt ihnen wiederum das Können. Und das Geld: auch. Und weil sie gerade draufgekommen sind, dass es rund 180.000 Berliner weniger gibt, als sie dachten, und sie das bis Jahresende 940 Millionen kosten wird, werden sie
die Marie für alle ihre Vorhaben auch in Zukunft nicht haben. Dank des neuen Zensus gibt ihnen der Bund nämlich ab sofort weniger Money – um 470 Millionen pro Jahr ab 2014.

Sie merken schon: In Berlin ist man gerade ziemlich knapp bei Kasse.

Trotzdem eine voll kühle Stadt, sage ich ihnen. Und mit Chuzpe. Ihre kostenlosen Kindergarten-Plätze lassen sich die Berliner zum Beispiel über ein paar Ecken von den Bayern finanzieren, was ziemlich geschickt ist, denn in München müssen Eltern dafür zahlen, dass sie ihre Sprösslinge in den Kindergarten schicken. Aber die Berliner sind halt einfach superlässige Schlitzohren.

Doch jetzt ganz ohne Schmäh – das ist wirklich eine tolle Stadt und dort spielt es sich ab. Lebte ich in Deutschland und wäre mir Hamburg zu kalt, Berlin wäre mein place to be.

Ich würde dann des Frühlings und des Sommers im Tiergarten faulenzen. Mir ein Schifferl besorgen, mit dem ich möglichst oft über die Spree tingelte. Ich spränge in einen der vielen Seen um die Stadt, an deren Gestanden ich wahrscheinlich auch zu wohnen gedächte. Und zumindest einmal im Monat würde ich – als Autor eines Buches über den Wiener Donauturm habe ich da einfach einen besonderen Bezug – hinauf auf den Fernsehturm am Alexanderplatz fahren und im Abendlicht hinunter auf die schöne Stadt blinzeln. Die Spree, dieser sanfte Fluss, würde das dunkelgelbe Licht der tief stehenden Sonne fangen, es als kleine Blitze zu mir herauf schicken und ich würde mir denken: Na das ist doch viel besser, als in diesem morbiden und provinziellen Wien zu versauern, der Hauptstadt aller verlogenen Grundgrantigen dieser Welt.

Tschuldigung, liebe Wiener Freunde und Bekannte! Aber ihr wisst ja, dass eure Stadt aus diffusen Gründen bereits lebenslang meine tiefste Abneigung provoziert, ohne dass irgendwer irgendwas dafür könnte. Es ist eben einfach so, manche Dinge gehen nicht friktionsfrei zusammen. Wien und ich, das ist halt mehr eine Problemehe als die ganz große Liebe, schon in der Hochzeitsnacht hat sich das abgezeichnet.

Ohne einen Tipp zu Berlin komme ich aber doch nicht aus, liebe Textblog-Leser, falls sie einmal dorthin fahren. Zwei sogar:

Zum einen möchte ich nämlich einfach gutgläubig die Empfehlung des Facebook-Freundes Volker Plass weitergeben. Der Chef der Grünen Wirtschaft (ich kann es noch immer nicht glauben, dass die Grünen so blöd wahren, den nicht auf ihre nächste Nationalrats-Kandidatenliste zu wählen) postete mir:

Tempelhofer Freiheit!!!

Ich kenne den Mann auch persönlich – zwar alles andere als gut, aber ich habe bei einem Kaffee im Wiener Café Ritter vor einigen Monaten sowie aus diversen Social-Media-Postings den Eindruck gewonnen, dass er Geschmack hat und sein Urteil wahrscheinlich eines ist, das ich teilen würde. Setzt er einmal drei Rufzeichen hinter etwas, dann kann das nicht schlecht sein.

Zum anderen habe ich – jetzt also doch auch das noch – einen streng touristischen Hinweis für Sie: die Zahl 100.

Das ist nämlich die supergute Berliner Buslinie, mit der Sie von Literatur zu Literatur kommen, weil sie am Bahnhof Zoo startet (Sie erinnern sich: Christiane F. und „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) sowie am Alexanderplatz endet (Alfred Döblin, „Berlin Alexanderplatz“). Dazwischen liegt das volle Programm.

Sie fahren durch den Tiergarten, also am Schloss Bellevue, dem Regierungsviertel und dem Reichstag vorbei. Wenn Sie oben im ersten Stock sitzen, haben Sie einen wunderbaren Blick auf die
Kuppel. Sie streifen das Brandenburger Tor, die neue Humboldt-Box, passieren das Rote Rathaus, unterfahren den Fernsehturm, erhaschen einen Glimpse auf das katastrophal-kitschige Nikolaiviertel und zwischendurch immer wieder auch einige auf die in sich ruhende Spree. Die Fahrt kostet 2,40 und ist somit auch etwas für schmale Brieftaschen.

Okay, das war´s. Jetzt habe ich Sie doch mit persönlichen Berliner und Wiener Befindlichkeiten belästigt. Klicken Sie bitte trotzdem wieder hierher, danke.

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