Sweet Thames flow softly

Jeder hat ja so seine Ticks. Ich komme bei mir immer mehr drauf, dass es Flüsse sind. Und zwar nicht die wilden, rauschenden – sondern die sanften, zarten.

Die sich selbst ganz behutsam, dunkel und zärtlich gekräuselt wie Watte durch ein verschwiegenes Bett flüstern. Die können breit sein, schmal, unter Blätterdächern fließen oder durch offenes Land – ich mag sie.

Zwei Ausnahmen gibt es: Die meistens eh ziemlich ruhig durch das künstliche Wiener Geläuf drängelnde Donau – die mag ich nicht. Fragen Sie mich nur bloß nicht, warum, denn: keine Ahnung. Dafür aber der Corrib! Der ist zwar erstaunlich kurz, rockt jedoch
am Ende seiner 15 Kilometer, die er vom Ursprung im Lough Corrib bis zur Mündung in die Galway Bay benötigt, ganz schön wild dahin – trotzdem steh ich total auf ihn.

Corrib, Salmon Weir Bridge in Galway

Ich lehne zum Beispiel voller Liebe am Geländer der Salmon Weir Bridge in Galway, schaue auf das schäumende Wehr und im Frühling auch auf die Lachsfischer im Wasser. Noch lieber sitze ich nur 500 Meter weiter unten am Platz beim Spanish Arch, lasse die Beine über die Kaimauer schlenkern, beobachte die Reiher beim Fischen und denke an dies oder das. Mann kann dort auch – Achtung, Kitsch jetzt – großartig über das Wesen von Ebbe und Flut als Symbol für das Auf und Ab im Leben und so weiter nachdenken. Weil der Corrib nämlich ein „tidal river“ ist und der Wasserspiegel vor den Augen seines Betrachters recht rasant ansteigen oder abfallen kann. Ein super Platz.

Aber von diesen zwei Ausnahmen abgesehen sind´s eben die ruhigen Flüsse, die mir taugen.

Boyn in Trim

Bewusst wurde mir das erst vor wenigen Tagen, als ich hinter dem neuen und schrecklich geschmacklos erbauten deutschen Bundeskanzleramt – kein Wunder, dass die arme Angela Merkel immer so verbittert daher kommt – am Berliner Spreeufer entlang spazierte. Die Spree ist nämlich auch so ein stilles, lauschiges und schön fließendes Wasser. Oder die Tannes in Frankreich aus dem Film „Chocolat“. Der Boyne in Irland, wie er am alten Normannenschloss in der Stadt Trim vorbei tändelt. Der Kennebec in Maine, ganz rechts oben in den USA. Streckenweise auch weiter unten der Savannah River. Und so weiter. Eher nicht die Themse in England, obwohl an ihrem Oberlauf stellenweise sogar sie. Dafür gibt es aber dieses Lied, eine richtige Hymne an alle ruhig dahin ziehenden Flüsse:

Schauen und hören Sie sich „Sweet Thames, flow softly“ doch bitte an, wenn Sie gerade ein bissl Zeit haben. Das weiter unten ist einer meiner liebsten You-Tube-Links.

Abgesehen davon, dass ich wie gesagt ziemlich touched by the rivers and kissed by the sea bin, ist es nämlich so mit mir: abgestumpft, schon ein wenig grummelig, 48 Jahre Leben halt. Aber wenn mich noch etwas wirklich bezaubern kann, dann sind es jene seltenen Sekundenbruchteile, in denen sich der Anflug dieses betörend zarten Lächelns ins sonst immer traurige Gesicht der jungen Königin Sinéad schwindelt, die alles so singen kann, wie es sonst niemand singen kann, und die mir insgesamt ja fast wie die menschliche Version all der stillen Flüsse dieser Welt vorkommt: Minute 1:27, hier klicken für „Sweet Thames, flow softly“.

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