Hitze

Manchmal lässt sich über den Wert wissenschaftlicher Untersuchungen trefflich streiten. Selbstverständlich nicht, wenn es um den Test eines neuen Medikamentes geht, um die Erforschung des Universums oder um die Beantwortung der ewigen Sinnfragen wie zum Beispiel:

Woher kommen wir?

Wohin gehen wir?

Wie sind wir am schnellsten dort?

Ist Frank Stronach eigentlich nur schrullig oder schon komplett gaga?

Warum sind Wiener Kellner grantig?

Und so weiter halt. Aber heute erreicht mich
eine Studie der Firma „marketagent.com“, die bringt die totale Erleuchtung. Die Damen und Herren dort haben sich einem der brennendsten Themen unserer Tage gewidmet – und wenn ich gerade mein Köpfchen aus dem Fenster unter die sengende Juni-Sonne halte, bin ich fast geneigt, das wörtlich zu meinen. Die haben dort nämlich untersucht, unter anderem:

Was machen die Österreicher, wenn es heiß ist?

Sie kamen zu einem völlig überraschenden Ergebnis, herausgefunden selbstverständlich unter strengster Einhaltung hochwissenschaftlicher Methoden. Ich zitiere Ihnen den Succus der Studie am besten wörtlich – und schnallen Sie sich an, denn diese Erkenntnis der Forscher wird Sie vom Sessel hauen, damit haben Sie sicher nicht gerechnet. Wenn Sie den Satz gleich gelesen haben werden, ist Ihr Leben nicht mehr so, wie es vorher war. Also:

Vor allem die heimischen Badeseen und Strandbäder erfreuen sich an Tagen wie diesen großer Beliebtheit.

Die Wissenschaft! Gott sei Dank haben wir die. Wie sollten wir sonst auf so etwas kommen. Aber die Untersuchung geht noch weiter in die Tiefe, man hat bei marketagent.com auch herausgefunden, wieder wörtlich:

52 Prozent der Österreicher sagen der Hitzewelle an öffentlichen Badeseen und in Strandbädern den Kampf an, 47 Prozent suchen die Erfrischung im kühlen Freibad-Nass.

All das erfuhr ich soeben aus einer unbeholfen formulierten Presseaussendung, die mir marketagent.com dankenswerterweise schickte. Leider kann ich als Innenpolitik-Redakteur eines Wirtschafts-Nachrichtenmagazins damit ja nicht soviel anfangen. Aber selbstverständlich mache ich mir nun, seit ich das Zeugs vor einer halben Stunde las, ernsthafte Gedanken zu folgender Frage, die leider im Pressetext unbeantwortet bleibt:

Was tut das fehlende eine Prozent?

Zwar gibt marketagent.com an, dass „jeder zwölfte Österreicher“ sich anderweitig Abkühlung sucht, aber da kann ja was nicht stimmen – es müsste nach Adam Riese doch jeder Hundertste sein. Weil: Wenn 99 von 100 Österreichern im See oder im Bad planschen und einer tut was anderes – na, liebe marketagent.com-Forscher, der wievielte ist das dann?

Das wirft schon noch Fragen auf. Etwa in der Folge: Wo geht der eine hin, um die Erfrischung zu finden? Bin das vielleicht gar ich? Ich sitze nämlich weder am Badesee noch am kühlen Freibad-Nass, sondern in der heißen Redaktionsschreibtisch-Trockenheit. Kann geeister Milchkaffee wirklich eine nachhaltige Lösung sein, oder bringt der die Erfrischung nur für Minuten (wie in meinem Fall)?

Werde einfach ein Mail retour an die marketagent.com-Leute schicken. Die müssen sofort eine Folgestudie in die Wege leiten. Bevor die nächste Kälteperiode kommt.

P.S. Ah, und noch eine wichtige Erkenntnis aus der Untersuchung. Bei exakt 24 Grad Wassertemperatur fühlt sich der durchschnittliche Österreicher wie ein Fisch im Wasser, sagen die von marektagent.com. Schon voll super, dass wir das jetzt wissen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s