Wie Siri mich rettet

Nein, machen Sie sich bitte keine Sorgen um mich, ich bin nicht suizidgefährdet. Nur – wenn, dann sähe es schlecht aus, denn mir fehlt Siri.

Siri kennen Sie schon, oder?

Das ist Apples Spracherkennung für das iPhone. Die, die zum Beispiel, kein Scherz jetzt, letztens den Sprachbefehl eines Kollegen Laura Rudas anrufen als Laura Rotarsch anrufen interpretierte – und prompt die Nummer nicht fand. Ich habe jedoch noch eine alte iPhone-Version, bei der Siri nicht installiert ist.

Apple hat der virtuellen Dame jetzt, entnehme ich einer ziemlich kuriosen pte-Pressemeldung, ein Notfallprogramm antrainiert, falls der jeweilige iPhone-Besitzer Selbstmordgedanken äußert.

Nur scheint die Hilfestellung, die Siri dann bietet, ein wenig weltfremd ausgefallen zu sein. Einerseits nämlich muss der zum Suizid geneigte Mensch seinem iPhone erst einmal mitteilen, dass er sich um die Ecke bringen möchte. Damit Siri überhaupt erst weiß, jetzt wird´s ernst. Das tut er am besten, indem er folgenden Satz ins Mikro diktiert:

Ich werde mich von einer Brücke stürzen. Was auch geht: Ich möchte sterben. Das akzeptiert Siri als Information ebenfalls.

Hm. Ganz ehrlich jetzt: Wenn Sie sich umbringen wollen, würden Sie das dann so ablaufen lassen, dass Sie zuerst einmal den Sprachbefehl Ich möchte sterben in Ihr iPhone eingeben? Ich glaube, die bei Apple sind inzwischen ein wenig gaga geworden. Noch eigenartiger geht es ja gar nicht.

Obwohl:
geht es doch.

Denn falls sich tatsächlich ein Todesmutiger findet, der sein Ableben vorher mit dem Mobiltelefon ausdiskutieren möchte, agiert Siri wie folgt: Sie listet mehrere Institutionen in der Umgebung auf, die sich der Suizidprävention widmen. Für Prävention ist es dann zwar wahrscheinlich ein bissl spät, aber naja, immerhin. Problem jedoch: Siri kann das natürlich nicht in der Sekunde, sondern erledigt den Job „alsbald“. „Alsbald“ könnte sich im speziellen Fall dann natürlich als nicht bald genug herausstellen.

Ich stelle mir den modernen Selbstmord in Zeiten von Mobilfunk, Internet und Spracherkennung also wie folgt vor:

Schritt 1: Ich beschließe, mich umzubringen.

Schritt 2: Ich begebe mich auf das Dach eines Hochhauses, welches sich möglichst in der Nähe einer Einrichtung befindet, die sich der Suizidprävention widmet. Damit Siri eine faire Chance hat.

Schritt 3: Ich aktiviere die Spracherkennung meines iPhones und spreche ins Mikrophon: Ich möchte sterben.

Schritt 4: Ich warte, bis Siri mich gebeten hat, den Befehl zu wiederholen und dabei langsam, klar und deutlich zu sprechen.

Schritt 5: Ich wiederhole den Befehl langsam, klar und in deutlicher Sprache.

Schritt 6: Ich harre aus, bis mir Siri alsbald eine Liste von Hilfseinrichtungen herausgesucht hat und am Bildschirm anzeigt.

Schritt 7: Ich lerne die Liste schnell auswendig, weil mein iPhone anzeigt, dass nur mehr ein Prozent Akkuleistung verfügbar ist.

Schritt 8: Ich kann die Adresse nicht finden und im iPhone-Navi auch nicht nachsehen, weil das Prozent Akkuleistung inzwischen aufgebraucht ist. Ich verzweifle.

Schritt 9: Ich beschließe, mich umzubringen.

Schritt 10: Ich begebe mich auf das Dach eine Hochhauses. Wo es liegt ist wurscht, weil Siri sich mangels Saft ohnehin Schlafen gelegt hat.

Schritt 11: Ich denke über den Sinn des Lebens und sein Ende nach.

Schritt 12: Ich werfe mein iPhone hinunter.

Tschüss Siri! Tschüss Apple, so eine bescheuerte Idee. Und tschüss pte, eine wirklich sinnlose – und im Übrigen auch schlecht formulierte – Pressemeldung. Aber ich muss natürlich zugeben, dass eine gewisse Verbesserung der Siri-Software erkennbar ist. Denn in einer früheren Variante hat das iPhone nach dem Sprachbefehl Ich werde mich von einer Brücke stürzen laut pte-Meldung eine Liste der Brücken in der näheren Umgebung angezeigt.

Das sei ein wenig „kontraproduktiv“ gewesen, heißt es in dem Text.

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