Evo am Airport

Bei einem Kaffee diskutierten eine Bekannte und ich heute Vormittag über Evo-Gate am Wiener Flughafen. Wir kamen ziemlich rasch zu einer gemeinsamen Meinung: Dass der bolivianische Präsident tatsächlich in Wien gestrandet sein soll, weil Whistleblower Snowden an Bord seiner Maschine vermutet wurde – wohl eine einzige große Show.

Sie und ich glauben: Da haben ein paar lateinamerikanische Staaten der USA einmal so richtig eins auswischen wollen und Russland dürfte wohl schmunzelnd mitgespielt, sich die Hände gerieben haben. Frankreich, Spanien, Italien und Portugal? Kollateralschäden, sowas kommt vor.

Erstens kennt man den bolivianischen Staatschef ja nicht so sehr als einen Phlegmatiker, gelassen ist der selten. Dem Vernehmen nach rührt Evo Morales ganz schön um, wenn er glaubt, dass eine Sache für ihn nicht rund läuft. Aber diese Bilder gestern vom Wiener Airport: ein
total entspannter Evo an der Seite unseres Bundespräsidenten. Wenn das keine Show war, was dann.

Indiz auch: Ich wüsste nicht, warum der Präsident eines Staates 13 Stunden lang in Flughafen-Räumlichkeiten festsitzen sollte, weil sein Jet nicht fliegen darf oder kann oder will.

Nicht zuletzt für solche und ähnliche Gelegenheiten unterhalten Staaten schließlich in den Hauptstädten anderer Länder Botschaften. Das sind zumeist recht noble Räumlichkeiten in angemieteten Villen oder schönen alten Häusern, in die Präsidenten sich jederzeit formidabel zur Überbrückung von Wartezeiten zurückziehen können. Die bolivianische Botschaft in der Wiener Waaggasse ist so ein schöner Altbau, Botschafter Ricardo Javier Martinez Covarrubias (was für ein Name!) hätte seinen Chef sicher gerne mit jedem erdenklichen Komfort verwöhnt.

Und der soll es in seiner angeblichen Not vorgezogen haben, im engen Flughafen-Terminal zu übernachten? Ich bitte Sie.

Meine Bekannte machte mich noch auf einen zusätzlichen Aspekt aufmerksam. Laut der Tageszeitung „Österreich“, die ja mehr ein Micky-Maus-Heft für Erwachsene als eine Zeitung ist, soll Morales in seiner Not nach Michael Spindelegger gerufen haben.

Das gefällt mir besonders. Schließlich kennen wir alle unseren Außenminister ja als total durchsetzungsstarken Mann der Tat. Allein schon, wie der das Syrien-Problem am Golan gelöst hat – zick und zack und ratz und fatz und weg waren Soldaten und Problem, kompromissloser steckt kein Vogelstrauß der Welt seinen Kopf in den Sand. Wer von uns Österreichern würde in einer Notlage, gleich welcher, denn nicht zuallererst daran denken, Spindi-Man zu alarmieren? Das liegt doch auf der Hand. Da kann zehnmal der Bundespräsident neben dir sitzen, wer ist das schon, was kann der? Wenn Spindi-Man nicht da ist, der Entfesselungskünstler, der Wirtschaftskapitän, der Notlehrerverhandler, der Mizzibändiger, dann bist du aber auch schon so etwas von verloren.

Wirklich gut, dass unser Außenminister einschritt. Wer weiß schon, wo Evo Morales jetzt wäre, gäbe es Spindi-Man nicht. Und, by the way: Wer weiß schon, wo Edward Snowden wirklich ist.

Mein Tipp: am Moskauer Flughafen eher nicht.

Ah, und mit fremden Federn schmücke ich mich keinesfalls: „Spindi-Man“ ist natürlich ⓒ Rainer Nikowitz vom profil. Der sitzt in jeder Hinsicht ziemlich viele Stockwerke über mir.

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