Gendern

Ich verhalte mich Frauen gegenüber nicht respektlos, rücksichtslos oder geringschätzig. Im Gegenteil. Und ich bin der Ansicht, dass Frauen es im Leben viel schwerer haben als Männer, in der Mehrzahl der Fälle ungerecht behandelt werden, zu Unrecht für gleiche Arbeit weniger Geld verdienen. Die gläserne Decke halte ich für eine totale Frechheit. Dass in vielen Unternehmen männliche Bewerber für einen Job besser geeigneten weiblichen vorgezogen werden, halte ich für dumm. Den Feminismus halte ich für berechtigt, notwendig und sinnvoll.

Aber warum sollen wir deshalb in unseren Texten alle gendern müssen auf Teufel komm raus?

Wie kann es nur irgend jemand geben, der tatsächlich glaubt, die Einstellung eines Menschen gegenüber Frauen aus der Tatsache ablesen zu können, ob er gendert oder nicht?

Sagen wir es doch einfach, wie es ist:
Gendern macht Texte schwerer lesbar – und das ist jetzt keine Abwertung der Frauen, sondern einfach nur eine sprachwissenschaftliche Tatsache. Genau so, wie lange Texte schwerer lesbar sind als kurze, vielsilbige Wörter schwerer als wenigsilbige, verschachtelte Sätze schwerer als unverschachtelte.

Thema Lesefreundlichkeit: Das Wort „Prozent“ in journalistischen Texten soll man ausschreiben und nicht das Prozentzeichen verwenden – was auch für vergleichbare Satzzeichen und Worte gilt, nur zum Beispiel. Das Wort % in journalistischen Texten soll man ausschreiben & nicht das %-Zeichen verwenden, nur zB.

Na – was glauben Sie, welcher der beiden Sätze lesefreundlicher ist?

Und was ist lesefreundlicher, das: „Die Besucher freuten sich, den Löwen beim Füttern durch die Wärter zusehen zu dürfen, unter denen sich auch Akademiker befanden.“

Oder das: „Die Besucherinnen und Besucher freuten sich, den Löwinnen und Löwen beim Füttern durch die Wärterinnen und Wärter zusehen zu dürfen, unter denen sich auch Akademikerinnen und Akademiker befanden.“

Gerade in journalistischen Texten ist Gendern – nicht immer, aber fast immer – ein Verbrechen an der Sprache. Ein verbaler Kriminalfall, in den Lesefreundlichkeit, feministische Fundis (zumeist Fundinnen, wollen wir hier doch korrekt sein) und leider auch ziemlich viele Journalisten (männliche und weibliche, damit auch da Klarheit herrscht) verwickelt sind. Zum Beispiel diese Dame,
die mir ein bissl den Eindruck zu erwecken scheint, als allzeit zum Männerhass bereite Kampffeministin daherzukommen.

Aber ich bin halt ein stupider Mann, ein roher Klotz, ein rückständiger Depp – was jetzt natürlich nicht heißt, dass es nicht auch stupide Frauen gibt, rohe Klötzinnen, rückständige Deppinen. Aber einer wie ich, der sich gegen das Gendern in journalistischen Texten ausspricht, kann einfach nur böse sein. Dabei bin ich in Wahrheit vermutlich bloß nicht intelligent genug, um Antworten auf ein paar einfache Fragen zu finden, die mich beschäftigen:

Warum soll es so unbeschreiblich frauenfeindlich sein, die Abkürzung „Dr.“ sowohl für den akademischen Titel „Doktor“ wie auch für den Titel „Doktorin“ stehen zu lassen? Warum muss da hinten unbedingt ein die Sache halbwegs sperrig machendes „in“ dran? Warum kann man „Mag.“ nicht sowohl für „Magister“ wie auch für „Magistra“ gelten lassen?

Und überhaupt – wer setzt sich für die Sache der Kinder ein? Diese brutalen Englisch sprechenden Menschen auf der ganzen Welt haben deren ganzes Geschlecht einfach ausradiert, aus der Sprache gestrichen! Sind das jetzt alles kinderfeindliche Gesellschaften, in denen das vom Sächlichen befreite Englisch gesprochen wird? Muss man da als aufrechte Gender-Fundin nicht tätig werden?

Eine Sauerei ist das!

Wobei, gerade in diesem Fall fühle ich jetzt mit den Feministinnen dieser Welt doch einigermaßen mit und wundere mich, dass das noch keiner von ihnen aufgefallen ist: Das Wort „Sauerei“. Es ist weiblich. Ist das nicht ungerecht? Gehört das nicht endlich gegendert?

Da muss sofort ein männliches Wort her. Aus Gründen der Gerechtigkeit. Denn die ist schließlich auf jeden Fall weiblich und ich wette: Keine Gender-Fundin der Welt möchte daran etwas ändern.

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