Ist der Wähler ein Trottel?

Lassen Sie mich in diesem Blog ausnahmsweise einmal direkte Anleihe bei einem Titel aus dem aktuellen FORMAT nehmen. Urheberrechtlich ist das schon okay, denn die Geschichte dort stammt von mir und die Sache ist außerdem ein Zitat – der steirische Ex-Politiker Gerhard Hirschmann sagte diesen Satz ein wenig verzweifelnd an der Tatsache, dass das degenerierende politische System in Österreich keine großen Politiker mehr hervorzubringen scheint:

Der Wähler ist ein Trottel.

Auch sagte Hirschmann dieses, weil Umfragen zeigen: Wer intelligentere Konzepte anbietet, so sieht er es, der wird nicht gewählt. Ich habe zweimal nachgefragt, ob ich das wirklich so schreiben soll und darf. Hirschmann bekräftigte mit einem entschlossenen Ja! – das Beklagen der desolaten österreichischen Polit-Hygiene ist ihm sichtlich ein Anliegen.

Seinem früheren Landesrats-Kollege Herbert Paierl, nach der politischen Karriere Freund, dann Feind und jetzt wieder Freund, auch. Im spannenden Doppelinterview mit von der Partie. Beide Herren haben mit Lust
ziemlich hingelangt, sie können das im Detail nachlesen, wenn Sie sich das aktuelle FORMAT am Kiosk besorgen oder hier klicken

Aber was ist der Wähler jetzt wirklich? Ich will das nicht beurteilen, Ihnen jedoch eine kleine Korrespondenz online stellen. Fast in Echtzeit übrigens, denn heute Vormittag erhielt ich einen Leserbrief – eines Wählers. Er fühlt sich von Hirschmanns Aussagen persönlich verletzt, wenn ich das richtig verstehe. Ich will das nicht werten und werde weder Rechtschreibung und Grammatik des Mails kommentieren, noch daraus irgendwelche Schlüsse ziehen. Sagen wir einfach der guten Ordnung halber, dieses Mail ist selbstverständlich in keinerlei Zusammenhang mit der Hirschmann-Aussage zu sehen.

Ich stelle Ihnen den Leserbrief – anonymisiert, eh klar, er ist jedoch echt – und meine Antwort hier online. Letzteres übrigens, weil ich ja manchmal Beschwerden erhalte, ich hätte mich in der Klarheit meiner Aussagen anderen Menschen gegenüber nicht recht im Griff. Doch ehrlich, höflicher bringe ich das einfach nicht über die Bühne.

Also, Herr X schreibt mir:

Sehr geehrter Herr Puchleitner!
Vorerst ein herzliches Grüß Gott!
    Ich kann nicht verstehen das man sich mit solch einem Mann zusammen setzen kann und ein Interview machen kann der solch eine Meinung von den MitbürgerInnen hat. Es ist für mich ein Skandal das Leute wie Herr Hirschmann noch frei herumlaufen die so viel zunichte gemacht haben und das ganze Volk beleidigt. Das sie als Interviewer nickt abgebrochen haben zeit das ihr Magazin nicht sehr viel Niveau haben muß. Würde mir so etwas passieren würde ich diesen Gesprächspartner in die Schranken weisen und überhaupt das Interview abbrechen, aber es scheint das alle nur mehr im unteren Niveau herumgondeln. Ich wollte das Herrn Hirschmann selber schreiben habe aber leider keine Adresse und somit schreibe ich ihnen in der Hoffnung das sie dies weiterleiden. Ich mußte das los werden ansonsten hätte es mich zerrissen.
Mit der Bitte um eine Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

X.

Klar habe ich geantwortet, und zwar wie folgt:

Lieber Herr X,


vielen Dank für Ihr eMail, natürlich hier gerne eine Antwort:

Wir leben in einer demokratischen Staatsform – jeder darf in Österreich sagen, was er möchte. Davon profitieren letztlich wir alle, auch Sie. Es tut mir leid, dass Sie sich von Herrn Hirschmanns Aussagen angegriffen fühlen. Aber selbstverständlich üben wir im FORMAT keinerlei Zensur aus und brechen Interviews nicht ab, weil der Interviewte etwas sagt, das anderen Menschen nicht gefallen könnte. Ich bin sicher, Sie verstehen das.

Ich hoffe aber trotzdem, dass wir Sie weiter als Leser behalten. Sicher erscheint demnächst auch ein Interview im FORMAT, das Ihnen inhaltlich mehr zusagt.

Viele Grüße aus der Taborstraße,
Klaus Puchleitner.
Eh ganz höflich, oder? An Hirschmann weitergeleitet habe ich das Mail von Herrn X übrigens nicht, aber immerhin leide ich es hier weiter.

Erlauben Sie mir doch noch einen Nachsatz: In der tollen „Zeit“ las ich vor rund einem Jahr in einem Hirschmann-Porträt, das der mir unbekannte Kollege erstklassig verfasst hatte, dieser teile die Welt in Idioten und Genies. Ich kann dem was abgewinnen, ein wenig mache ich das wohl unbewusst glatt auch so. Vermutlich ist das eine kleine charakterliche Schwäche, die Sie mir nachsehen müssen, sollten wir im richtigen Leben miteinander zu tun haben.

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