Noch viel fassungsloser

Na, habe ich das im Blogpost von gestern nicht vorhergesagt?

Selbstverständlich fand sich ein Kollege, der offensichtlich unüberprüft aus der Interwetten-Presseaussendung zitiert und heute als Tatsache berichtet hat, was weder durch eine Zahl noch durch irgend etwas Schriftliches belegt werden kann. Allerdings sind es nicht „Heute“ oder „Österreich“, denen ich diese Art von Berichterstattung jederzeit zutrauen würde, sondern es ist das Haus-und-Hof-Blatt von uns Steirern, die Kleine Zeitung. Auch der Kurier hat das unüberprüft übernommen, vorsichtshalber aber gleich die Namenszeichnung unter der Geschichte weggelassen.

Einfach aus einer Preseaussendung abschreiben, unüberprüft, unreflektiert? Handwerklich: mangelhaft. Ich habe den Kollegen von der Kleinen Zeitung sogar deswegen angezwitschert und bin gespannt, was er sagt.

Besser hat es die „Presse“ gemacht, die auch darüber schreibt – aber sich auf den korrekten Part mit der Wahrscheinlichkeit der Stimmenverhältnisse zur aktuellen Wahl beschränkt. Das Fragwürdige am Text der Interwetten-Presseaussendung – dass nämlich
der Wettanbieter schon bisher präzisere Vorhersagen als die Meinungsforscher gemacht habe, was ohne Beleg als freie Erfindung durchgehen muss – haben sie weggelassen. So macht man das, wenn man es richtig macht.

Ich jedoch muss wohl mein gestriges Urteil über den PR-Mann von Interwetten revidieren. Denn was es wiegt, das hat es – und der Mann hat es mit den Behauptungen in seiner Presseaussendung, die er nicht belegen kann, samt Nennung des Firmennamens immerhin in drei wichtige Tageszeitungen geschafft. Mission accomplished also, wenn auch auf fragwürdige Weise.

Was mich betrifft: Nach der Lektüre der Kleinen Zeitung und des Kurier bin ich heute noch viel fassungsloser als gestern.

Ich wäre ja nämlich mehr für die seriöse Tour und das Einhalten des journalitischen Prinzips „check – recheck – double check“. Wenn sich schon recheck und double check im Alltagsstress nicht ausgeht, was auch bei mir leider ziemlich oft der Fall ist – zumindest einmal nachfragen sollte man bei auf den ersten Blick außergewöhnliche Informationen schon.

Bin richtig froh, dass wir die Geschichte heute Morgen in unserer Redsitzung nach Schilderung der Sachlage ohne großes Diskutieren umstandslos gekübelt haben. Weil wir erstens: ungewöhnlich erscheinende Dinge zumindest einmal überprüfen, bevor wir sie schreiben. Und weil wir zweitens: sie dann eben nicht schreiben, wenn bei der Recherche der, der etwas behauptet, auch nicht den klitzekleinsten Beleg für die Richtigkeit vorlegen kann. „Das weiß ich vom Hörensagen“ ist: kein Beleg.

Aber es ist in der Realität des medialen Tagesgeschäfts wohl so, dass vielerorts der Zweck die Mittel heiligt.

P.S. Mir ist im aktuellen Heft auch was passiert. Ich habe den ehemaligen Finanzminister und Vizekanzler unscharf zitiert, dafür gilt ebenfalls: handwerklich magelhaft. Asche auf mein Haupt. Aber ich stehe zu meinen Fehlern, habe das berechtigte Rüffel-Telefonat tapfer hingenommen, mich entschuldigt und im nächsten Heft werden wir das korrigieren.

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