Skylink

Ich parke auf Ebene 4 des Parkhauses Nummer 4, mein Bereich ist in einem Pink gefärbelt, das mit großer Sicherheit das hässlichste Pink ist, das man sich aus dem Pantone-Farbfächer aussuchen kann. Weiß der Teufel, was sich der Architekt gedacht hat.

Jedenfalls mehr, als sich der Architekt des Skylink gedacht hat, den die Wiener Flughafengesellschaft in beispiellosem Dilettantismus über mehrere Jahre hinweg errichten ließ und der als gesamtes Gebäude ein nicht funktionierendes Drama darstellt, als optische Installation eine Beleidigung für jedes ästhetisch halbwegs begabte Auge. Wer diese Unmöglichkeit designt hat, muss ein Stümper mit Zyklopenblick sein.

Ich chauffiere meinem Trolley, von dem mir das Golfbag permanent abrutscht, weil ich es längs aufladen musste, durch finstere unterirdische Gänge und Schluchten. Die meisten frequentiere ich doppelt, weil die Hinweisschilder alles mögliche sind, nur keine nachvollziehbaren Wegweiser.

Manche Gänge, die laut Beschilderung direkt zu Check-in-Schaltern führen sollen, enden
vor einem Stiegenhaus oder einer mit Sperren versehenen Rolltreppe, die man mit Trolley nicht passieren kann. Andere Gänge haben an ihrem Ende die schmalsten Aufzüge der Welt, wie sie heutzutage nicht einmal mehr in Wohnhäusern verbaut werden, schon gar nicht auf Flughäfen. Bedeutet: Sperriges Gepäck – zum Beispiel eben das Golfbag – sorgfältig einschlichten und aufschichten, sonst geht gar nichts.

Vom Parkhaus 4 zum Check-in-Bereich Nummer 3, Luftlinie geschätzte hundert Meter, benötige ich 21 Minuten. Vorsichtshalber – am Wiener Flughafen bin ich in Sachen Kompliziertheit ein gebranntes Kind – frage ich das Informationspersonal, wo und wie ich mit Bag, Koffer und Handgepäck einzuchecken habe. Man schickt mich zu einem Schalter. Dort stellt mir die unfreundliche Flughafen-Angestellte zwar eine Bordkarte aus und nimmt meinen Koffer entgegen, das Golfbag will sie nicht einchecken. Sie schickt mich zum Bulky Luggage Counter, der sich, natürlich, am anderen Ende der langgezogenen Halle befindet.

Dort: eine unglaubliche Warteschlange.

Grund: Am einen der beiden besetzten Schalter werkt die langsamste und unfähigste Flughafen-Mitarbeiterin, die theoretisch denkbar ist. Am anderen Schalter: ein grimmig in den frühen Morgen blickender Mann, der lässig am Counter lehnt, durch die Wartenden starrt als wären sie Luft, und ansonsten nichts tut. Einmal wagt sich einer aus der Schlange mit seinem Großgepäck zu ihm vor. Na, frage nicht – der wird auf harscheste Weise zusammengestaucht und zurück in die Reihe gescheucht. Danach setzt der Airport-Mann wieder sein arbeiten-werde-ich-heute-ganz-sicher-nichts-Gesicht auf und löchert die Luft mit durchdringenden Blicken.

Dann gibt es eine Verzögerung, weil der Frau die Computerrolle mit den Bag-Tags ausgegangen ist. In Zeitlupe durchsucht sie zuerst den Stauraum ihres Schalters, dann den der anderen beiden. Selbstverständlich hält der Wiener Flughafen keine Ersatzrollen an den Schaltern bereit. Die Dame verschwindet für gute zehn Minuten, Nachschub besorgen. Alles wartet, auch ihr Kollege.

Als ich nach 37 Minuten an der Reihe bin, sagt sie: Das ist Übergepäck, Sie müssen zahlen. Ich verweise darauf, dass bereits beim Buchen gezahlt wurde und präsentiere die Kreditkartennummer, die ihr aber völlig egal ist. Übergepäck, gezahlt wird, basta. Natürlich nicht bei ihr, sie schickt mich zum Schalter, bei dem man Übergepäck bezahlt. Der Wiener Flughafen besitzt viele Schalter und jeder dient einem ganz bestimmten Zweck. Zwei verschiedene Dinge an einem Schalter erledigen geht gar nicht – auch dann nicht, wenn sie zusammenhängen. Das One-Stop-Shop-Prinzip hat sich noch nicht bis hierher durchgesprochen.

Ich zucke kurz aus und mache mich auf den Weg.

Selbstverständlich liegt der Schalter, bei dem man für Übergepäck bezahlen muss, am anderen Ende der Halle. Der Architekt hat sie zweckdientlich zwischen den Schalter, an dem man Übergepäck aufgibt, und den Schalter, an dem man für Übergepäck bezahlt, gebaut.

Dass ich danach mit der Zahlungsbestätigung nochmals zur unfreundlichen Dame am Schalter, bei dem man Übergepäck aufgibt, zurück muss, versteht sich von selbst. Aber ich bin Revoluzzer: Das schenke ich mir. Denn am Schalter, an dem man für Übergepäck bezahlt, arbeitet überraschenderweise eine besonders freundliche Flughafen-Mitarbeiterin, sie erledigt das für mich mit einem Anruf.

Zwischen Schalterhalle und Gates zeige ich meinen Pass viermal her, treffe drei ausgesucht unhöfliche und mit einer gehörigen Portion Grundgrant ausgestattete Flughafen-Informationsmitarbeiter, verirre mich neuerlich und lande schließlich einigermaßen ausgelaugt im Boarding-Bereich für meinen London-Flug. Dauer der gesamten Prozedur: zwei Stunden und 31 Minuten. Gott sei Dank hat der Flug eine Stunde und 45 Minuten Verspätung, sonst wäre sich das diesmal nie ausgegangen.

Überlege mir ernsthaft, von nun an statt von Wien immer aus München abzufliegen. Der Wiener Airport ist nämlich ein Desaster.

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