Superman

Gestern Abend in weinseliger Stimmung, nicht ganz ohne fremde Hilfe: plötzlich ein Gedanke, der das Unheil in der Welt erklärt.

Ich meine, es geht ja derzeit ganz schön drunter und drüber rund um den Globus, oder? In Ägypten hauen sie sich die Köpfe ein, in Syrien haut Assad allen die Köpfe ein, die nicht er sind, in Amerika würde Obama gerne dem armen Herrn Snowden den Kopf einhauen, unsere Lehrer hauen der Unterrichtsministerin und der Beamtenministerin die Köpfe ein und so weiter. Überall sinnlose Brutalität, Gewalt, Unbill, Sorge, Not und Elend.

Aber muss das so sein?

An sich natürlich nicht, es fehlt bloß die ordnende Kraft. Früher hatten wir die noch, da zog der tolle Superman vom Planeten Krypton seine Warteschleifen über den Städten der Welt und stieß wie ein Adler auf die Bösen herunter, sobald seinem Supergehör ein schlimmes Wort zu Ohren kam oder seinem coolen Röntgenblick eine verwerfliche Tat vor das Auge geriet.

Doch seien wir ehrlich:
Wann haben Sie Superman zuletzt gesehen? Eben.

Nicht einmal in den Trafiken scheint er mehr als Comic präsent zu sein. Der Mann ist total von der Bildfläche verschwunden, von uns gegangen, weg. Ich habe ja den Verdacht, dass er inzwischen inkognito als frustrierter Redakteur bei „Heute“ werkt und sein Pseudonym von Clark Kent in Karl Kerl umgetauft hat. Oder so. Stellt sich nun die Frage: Warum wechselt der Mann den schlecht sitzenden Journalisten-Business-Anzug nicht endlich wieder einmal gegen seine blaurote Superkluft, zischt los und bringt die Welt in Ordnung?

Ich weiß die Antwort. Gestern Abend beim fünften oder sechsten Glas Hauswein in der famosen „Cantina Osteria Friulana“ in der Wiener Bartensteingasse, die Sie unbedingt bei nächster Gelegenheit frequentieren sollten, fiel sie mir ein. Ihnen hätte das allerdings eigentlich auch auffallen können – aber gut, bleibt der Job, das aufzudecken, halt wieder einmal an mir hängen:

Die Mobilfunkanbieter sind schuld.

Eh klar – seit die Handys es zu flächendeckender Verbreitung gebracht haben, braucht kein Mensch mehr Telefonzellen. Sie sind aus unserem Straßenbild total verschwunden, ohne dass wir das im Detail bemerkt hätten. Gehen Sie mal raus und suchen Sie eine. Sie werden schon sehen.

Und jetzt frage ich Sie: Wo, bitte schön, soll Superman sich nun umziehen?

Alles klar, oder? Keine Telefonzellen, keine Privatspähre beim schnellen Kleiderwechsel, keine Superman-Einsätze mehr – ergibt eine Welt in Unruhe und Chaos. Wir sollten wirklich alle vernünftig werden und wieder ein wenig öfter auf die Nutzung unserer Handys verzichten.

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