Klarmachen zum Entern!

Aus unerfindlichen Gründen schickt mir das Bundesheer seit einigen Monaten seine Zeitung. Überraschenderweise heißt sie „Der Soldat“. Sie ist aus fachlicher Sicht irgendwie, hm, nun ja, also, äääh – naja, es gibt sie jedenfalls.

Und ich blättere sie auch jedesmal staunend durch, nachdem ich sie aus meinem Redaktionspostfach gefingert habe. Es ist irgendwie schon ein ziemlich kurioses Universum, in dem unsere Bundesheerler Dienst tun. Aber egal. Aus der aktuellen Ausgabe lerne ich: Wir haben in Österreich eine Marineinfanterie.

Eine Marineinfanterie. In Österreich. Binnenland. Also: eine Marine? Bei uns? Binnenland!

Doch es muss sich wohl so verhalten, denn der Soldat berichtet von einer Übung der Truppe („Unternehmen Schwertfisch“) – mit Bild. Schneidig verlassen vier Soldaten ihr Kriegsschiff, welches ein Schlauchboot ist (vermutlich Klasse „Leichter Kreuzer“) und entern den Strand. Bildtext: „Österreichische Marineinfanterie geht an Land“. Das ist wohl auch besser so, denn auf dem Bild tragen drei der vier Soldaten Schwimmwesten. Vermutlich zur Sicherheit, die Bevölkerung eines Binnenlandes schwimmt halt nicht so gut.

Der Text des Artikels ist auch ein wenig ungewöhnlich, ich zitiere gerne einen ziemlich beliebig ausgesuchten Satz daraus: „…war es die Aufgabe einer Schiffssicherungsgruppe innerhalb einer taktischen Lage zu übernehmen“.

Natürlich hätte ich gerne gewusst,
wie das so ist, wenn man innerhalb einer Lage lebt, noch dazu einer taktischen. Und was das überhaupt ist. Und was die Herren übernehmen sollten. Außerdem hätte rein taktisch hinter das Wort „Schiffssicherungsgruppe“ ein Beistrich gehört, aber wir wollen nicht so sein. Im Krieg schaut man da nicht so genau. Sehr wahrscheinlich gehöre ich eh nicht hundertprozentig zur Kernzielgruppe des Mediums, dessen Stammlesern das sicher alles klar ist.

Gut gefällt mir ein paar Zeielen später jedenfalls auch die Schilderung des Übungsablaufes. Unsere Marineinfanteristen hätten etwa die Aufgabe gestellt bekommen, ein Schiff im Hafen „unter Zeitdruck“ zu bewachen. Das stelle ich mir nervenaufreibend vor, da hockst du unter Zeitdruck vor einem schwarzen Schlauchboot, das eh keiner haben will, und bewachst es. Um wieviel einfacher wäre dieser Job doch, wenn es keinen Zeitdruck gäbe! Da würdest du dann einfach nur vor einem schwarzen Schlauchboot hocken, das eh keiner haben will, und es bewachen – ohne dass hinter dir jemand mit einer Stoppuhr steht und schreit:

Beeilung beim Bewachen, Beeilung beim Bewachen!

Verfasst hat dieses Kleinod des Militärjournalismus übrigens ein Kollege namens „Mjr Thomas Lampersberger TherMilAk“, was wirklich ein voll cooler Name ist, vermutlich väterlicherseits aus Nepal, was auch ein Binnenland ist.

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