Der ziemlich gute Tag

Ich bin dem Himmel nahe und höre die Stimme eines Engels. Sie singt mir vom Tod in mein Ohr, in einer Sprache, die mir nicht gehört, die ich nicht verstehe, die mir aber vertraut ist. Ich sehe Holyhead, das fahle Wasser unter mir, eine konturlose, mattblaue Decke ohne Ende, kein Anfang, kein Rechts oder Links. Dann diese sanfte Kurve, die Welt tauscht ihren Horizont, das Oben fließt ins Unten, eine Insel schwimmt durch meinen Blick nach hinten und wird Vergangenes. Rütteln, Schütteln, ich muss den iPod abschalten, sagt der Captain, der kleine Stoß des Aufsetzens, der Umkehrschub drängt mich gegen den Vordersitz. Taxiing. Dann stop, die Rampe dockt an, aussteigen, Gepäck an mich heran rollen lassen, ein Schild mit der Aufschrift „So good to see you!“. So begrüßt mich nur Irland, eine breite Glastüre fährt auseinander, ich trete nach draußen und bin in Dublin.

Natürlich Ritual jetzt, Leihauto ausfassen und zuallererst Fahrt hinaus nach Howth, auf die Kaimauer steigen, hinüberblinzeln zum Inselchen Ireland´s Eye, wie jedesmal, wenn ich herkomme. Dann Fahrt nach Newmarket on Fergus, Westküste, also andere Seite der Insel. Vorbei am broad majestic Shannon, einbiegen in den Schlosspark, der ein Golfplatz ist, ankommen im Luxushotel „Dromoland Castle“.

Und ja, das nenne ich
eine angemessene Unterkunft.

Verzeihung, meine lieben künftigen Gastgeber, die ihr mich irgendwann einmal in eure ausgezeichneten Viersternehäuser einladen wollt, aber: Ich werde nicht kommen. Denn ab sofort wohne ich nicht mehr in solchen Absteigen.

Nämlich, mein Zimmer hier: zwei Etagen hoch, das Wohnzimmer unten gut 30 Quadratmeter groß und eingerichtet, als würde hier die Queen logieren. Eine kleine Treppe führt nach oben, das Schlafzimmer wunderbarer Barock, schön kuschelig. Im Luxusbad

bewacht ein Engel-Paar das Fenster, die Badewanne ist rund und ein Whirlpool, ein kleines Spitzbogenfenster gibt den Blick auf den See im Schlosspark frei.

Genau so sollst du wohnen, wenn du Golfjournalist bist und unterwegs, um in Irland zu spielen und später darüber zu schreiben. Sie werden irgendwann eine höchst enthusiastisch verfasste Geschichte zu Gesicht bekommen, liebe Textblog-Leser. Wann genau und wo, verrate ich Ihnen ein anderes Mal.

Jedenfalls, das Dromoland Castle in Newmarket on Fergus, etwa 20 Kilometer nördlich von Limerick, an der Landstraße nach Galway, County Clare an Irlands wilder Westküste: Natürlich umgibt das Haus aus dem 16. Jahrhundert, das einst der Familie des berühmtesten aller irischen Highkings gehörte, ein Parkland-Golfkurs von der allerfeinsten Sorte. Weiters können Sie hier als Gast: Fischen, Kajakfahren, einen Falken auf ihrer Hand landen lassen, Bogenschießen, Tontaubenschießen und was weiß ich, was noch alles.

Das Haus erhielt kürzlich den Preis für das beste Spa Irlands und auch noch jenen für das beste Restaurant der grünen Insel. Letzteres habe ich vor zwei Stunden en gros und en detail persönlich überprüft, ich kann Ihnen zweierlei berichten: Erstens, ich bin jetzt ein paar Kilo schwerer. Und zweitens, der Preis wurde zu Recht verliehen.

Hier einen Golfurlaub zu verbringen, kostet Sie im Doppelzimmer, das die Größe einer mittleren Wohnung hat, je nach Jahreszeit zwischen 250 und 450 Euro pro Nacht, das vorstellbar reichhaltigste  Frühstück inbegriffen. Wohlfeil, sagen ich Ihnen! Vergessen Sie bitte Ihre nullachtfünfzehn-Golfurlaube in Belek, in Südafrika, an der Costa del Sol in Spanien oder sonstwo. Erleben Sie etwas Besonderes, wenn Sie Golf spielen. Das hier ist eine völlig andere Kultur des Spieles und seines Drumherums und ich versichere Ihnen, feiner habe ich noch nie in meinem Leben gewohnt, hotelmäßig.

Und glücklicher auch nicht. Denn nach dem Essen wechselte ich in die Bar, dort sang tatsächlich die wunderbare Kate Purcell irische Traditionals, zum Beispiel „Sláin abhaile“. Das bedeutet – ach, klicken Sie doch einfach den Link an und lassen Sie es sich von Kate selbst erklären. Ich liebte besonders die Nummer „Black is the Colour“, und ums Haar hätte ich mich nicht im Griff gehabt und mitgesungen. Damit Sie eine Vorstellung von diesem Trad-Song haben, zeige ich Ihnen hier die Live-Version von Königin Sinéad, die alles so singen kann, wie es sonst niemand singen kann.

Und Sie merken schon, ich hatte einen ziemlich guten Tag heute.

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