Finally Tara

Einfach war das ja nicht gerade.

Vor drei Jahren ging sich ein Abstecher zeitlich nicht aus. Aber vor ziemlich genau einem Jahr fuhr ich dann hinauf auf den Hill of Tara, jenen mythenumrankten Platz aus der keltischen Geschichte Irlands, an dem die Könige der Insel sich einmal im Jahr trafen und Gericht hielten. Ganz ergriffen stand ich oben bei dem kleinen, verfallenen Kircherl, war von der Schwere des Ortes ganz überwältigt und verfasste abends sogar einen rather kitschigen Blogpost. Um dann ein paar Tage später zuhause herauszufinden, dass ich in Wahrheit am Hill of Skryne war, ein paar hundert Meter Luftlinie weiter.

Ich hatte auch sonst noch allerlei Gwirx bei der Anfahrt zu diesem blöden Hill of Skryne. Eine Truppe wahnsinniger Rennradler spielte eine Rolle, ein Einsatzfahrzeug des Zivilschutzes des irischen County Meath ebenfalls, und dazu ein Volvo, den ich an dem bulligen behördlichen SUV recht ordentlich zerschrammte, weil die Radler hinter mir… Aber Sie können das ja selbst im Blogpost vom 15. Oktober letzten Jahres nachlesen: Alles, was im Kapitel „Und ich“ steht, stimmt – während die Geschichte mit Liam und Shiobhan natürlich frei erfunden ist.

Heute aber hat die Anfahrt wunderbar geklappt. Ich stand oben am richtigen Hügel von Tara, der
völlig unprätentiös daher kommt. Keine Souvenirverkäufer, dafür eine gut gepflegte kleine Kirche mit dem schönsten Friedhof, den ich jemals gesehen habe. Dahinter dann die Tara-Relikte.

Nur ganz wenige Besucher, ein genialer Platz. Vier Jahrtausende Geschichte hat er gesehen und jetzt zeugen nur mehr wenige Erdwölbungen davon – weil die Iren die Grandezza hatten, die Ruinen darunter nicht auszugraben. Allein dafür sind sie zu lieben. Sie haben Tara die Würde gelassen und kein Disneyland daraus gemacht.

Der phallische Steinblock steht auch da, an dem der Forschung nach der König von Meath seine Krone bekam, der von allen anderen Clanchefs als Highking der Insel anerkannt wurde. Ein Symbol der Fruchtbarkeit, wie das halt damals so üblich war. Er wurde angeblich im 18. Jahrhundert ein paar Meter versetzt, weil jene 400 irischen Freiheitskämpfer, die in der Schlacht von Tara fielen, hier begraben wurden. Aber egal, ein wunderschöner, schwerer, stiller Ort jedenfalls. Man hat von der Anhöhe auch einen 360-Grad-Panoramablick auf das County Meath, der konkurrenzlos ist. In nur geringer Entfernung sieht man drüben natürlich auch den Hill of Skryne, aber dort habe ich heute einfach nicht hingeschaut.

Gestern fand ich auch noch einen anderen verwunschenen Platz unter Linden Trees an einem kleinen See, den der Fluss Rye an einem Salmon Weir bildet, mit einem richtig gruseligen alten Cottage, in dem mit Sicherheit Banshees und Leprichauns ihr Unwesen treiben. „Shell Cottage“ heißt das Hexenhaus und die berühmte Marianne Faithful hat, echt jetzt, in grauer Vorzeit ein paar Jahre darin gewohnt. Doch davon erzähle ich Ihnen ein anderes Mal.

Ich fand übrigens heraus, woher die Radfahrer von letztem Jahr kamen. Die fahren einmal pro Jahr ihre „High Kings Cycle Challenge around Skryne“, starten oben am Hügel und müssen bei jeder Runde wieder dort vorbei, wo ich mit dem Volvo die Straße verpfropfte. Nächste Woche kommen sie wieder, wenn ich längst weg bin. Entschieden besseres Timing, diesmal.

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