Der blutleere Johnny

Ich war jung, dumm und unerfahren.

Nur so konnte es geschehen, dass ich damals, vor gefühlten 3.261 Jahren, den Sieger des Eurovisions Song Contests cool fand, dieser europaweiten Gruselkabinett-Show. Sehen Sie es mir bitte nach, aber tatsächlich spazierte ich seinerzeit durch Grazer Straßen und pfiff das Liedchen „What´s another year“ vor mich hin. Können Sie sich noch erinnern? Der Ire Johnny Logan, der zwei oder drei Jahre später gleich noch einmal gewann und dann mit einer Komposition aus seiner Feder noch einmal.

Klar kann er singen. Aber hey, ich meine, in Irland können das alle. Da gehst du in irgend einen beliebigen Pub, hörst ein paar der ungefähr zwei Millionen genialen Musiker im Land beim Spielen zu, und wenn sie eine kurze Pause machen findet sich unter den Pub-Besuchern dann ziemlich oft einer, der umstandslos loslegt und selbst was singt, dass einem Untalent wie mir nur so die Ohren schlackeln.

Vor allem singen sie dort alle immer mit Soul in der Stimme, Groove im Kopf und Emotion im Herzen. Nur einer nicht: Johnny Logan. Der singt mit Money in der Brieftasche. Der ist die glatt gebügelte Karikatur des Imitats eines irischen Musikers.

Wie ich jetzt überhaupt auf das komme?

Ein Facebool-Posting meiner Freunde von „Entdecke Irland“ erboste mich dieser Tage so, dass ich fand, jetzt muss ich mich aber zu Wort melden. Sie verlinkten ein You-Tube-Video, in dem sich Mr. Logan an „Galway Girl“ heran wagte.

Ich meine: Galway Girl!

Das ist
sakrosankt. An diesen Song, der in Irland und in meinem Kopf Kult ist, darf einer wie Johnny Logan nicht einmal denken. Und ich kann das wirklich beurteilen. Denn erstens, bitteschön, hat Tochter Julia zwei Jahre in Galway studiert und eines davon am Long Walk gewohnt, der in dem Lied gleich zu Beginn eine Rolle spielt und den Sie im Bild sehen, wenn Sie auf diesen Link klicken. Ich habe also eine Art Galway Girl in der Familie. Und außerdem kenne ich das echte Galway Girl persönlich. Jawohl, I met the real Galway girl, the one Steve Earl wrote the song for! A former incident, selbstverständlich verarbeitet zu einem Blogpost, den Sie nachlesen können, indem Sie einfach hierher klicken.

Aber jetzt Johnny Logan. Ich zeige Ihnen, was ich meine. Folgen Sie zunächst einmal diesem Link hier, der grandiose Mundy und die wunderschöne Sharon Shannon in ihrer Western-Unterwäsche zelebrieren Galway Girl auf einer Live-Bühne in Dolan´s Warehouse in Limerick. Genau so gehört sich das. Da schwingst du bald einmal die Hufe mit, was ja auch ziemlich viele tun. Und dann die lächerliche, blutleere Version dieses Stümpers Logan hier. Sie werden sofort wissen, was ich meine. Man muss ihm dafür die irische Staatsbürgerschaft entziehen und ihn ins Musikantenstadlland abschieben. Dort gehört der Mann hin.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch auf den gerade laufenden Zickenkrieg zwischen Miley Cyrus, eine andere erfolgreiche und musikalisch doch Minderbemittelte, und Sinéad O`Connor hinweisen. Angefangen hat ihn unglücklicherweise Königin Sinéad, die alles so singen kann, wie es sonst niemand singen kann und Miley Cyrus schon gar nicht. Weil sie aus ihrer persönlichen Geschichte heraus immer glaubt, sie muss in bestimmten Fällen gleich durchknallen. Aber was Cyrus, dieses blöde Dirndl, dann getan hat, unentschuldbar.

Und lassen Sie mich jetzt dazu noch eines sagen: Die kühlste Aktion, die jemals irgend ein Musik machender Mensch auf einer Bühne abgeliefert hat, war das, was Miss O´Connor in jungen Jahren in der Saturday Night Life Show ganz am Ende ihrer Performance abgehen ließ. Das hat ihr ein gutes Jahrzehnt lang zwar etliche Probleme eingebracht, aber ein Ungläubiger wie ich liebt sie dafür den Rest seines und ihres Lebens bedingungslos und innig. Hier klicken, dann sehen Sie auch dieses, bei 2:58 geht´s los – aber nehmen Sie sich doch bitte das bissl Zeit für die ganze tolle Performance davor.

Go raibh máith agat, Sinéad, für das. Und zeig´s dem Cyrus-Mäderl ruhig, die ebenfalls noch jung, dumm und unerfahren ist, wenn du glaubst du musst das tun. Aber don´t forget where the real enemy to fight sits.

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