Meet Glubschi

Ich tourte dieser Tage entlang der Thermengolf-Achse zwischen Wien und Graz, Recherche für eine Geschichte in der Golfrevue. Sie werden´s im nächsten Heft lesen können.

Thermengolf-Achse bedeutet: eine ganze Reihe von mehr (fast alle) oder weniger guten Golfplätzen, dazu viele Thermen – die ich übrigens nicht so liebe, ich bin mehr der in Flüssen badende Typ, aber was tut man nicht alles, wenn´s um den Broterwerb geht. Auch ein paar erstklassige Hotels waren dabei, seit meinem Irland-Aufenthalt vergangenen September bin ich in Bezug auf gute Unterkünfte ja endgültig verdorben und wohne nur mehr im Feinsten von Feinen, ich Snob, ich. Aber davon erzähle ich Ihnen ein anderes Mal mehr.

Diesmal möchte ich
Ihnen Glubschi vorstellen.

Die Sache ist nämlich die: Golf spielen und Thermen besuchen, dazwischen in diversen Hotels logieren, da kommt natürlich einiges Zeugs zum Mitnehmen zusammen. Weil ich nicht der Strukturierteste in Sachen Ordnung halten in Autos bin, ist mein eigener Wagen schon mit allerlei Dingen vollgefüllt. Also ging ich davon aus, dass der brave Versicherungsvertreter-BMW (wenn Sie mehr darüber wissen wollen, klicken Sie hierher und lesen Sie den Blogpost „Arschlochauto“) nichts mehr an zusätzlichem Gepäck aufnehmen würde können. Ich borgte mir für den Trip daher von FORMAT-Redaktionskollegin A. für ein paar Tage das Testfahrzeug, welches sie gerade in der Mangel hatte und das von seinem Hersteller als „Raumwunder“ angepriesen wird. Da würde dann ja wohl alles reinpassen, vom Golfbag über den Koffer bis zu Kind und Kegel, nahm ich an.

War auch so. Allerdings kommt der Fiat 500 L irgendwie ein bissl daher wie ein Transportmittel aus Entenhausen. Als ich ihn sah, dachte ich, mit dem hat gerade der Erpel Donald seine drei kleinen Neffen Hewey, Lewey und Dewey zu Oma Duck hinaus auf ihren Bauernhof geführt. So kugelrund ist dieses Ding, so knuddelig, mit vier höchst dramatischen Glubschaugen vorne. Aber nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen. Ich mochte das Auto, dem ich sofort den Namen „Glubschi“ gab.

An sich gehöre ich ja nicht zu jenen Menschen, die ihre Autos unbedingt mit Namen versehen müssen. Das tun hauptsächlich Frauen. Erst kürzlich lernte ich in der britischen Provinz Norfolk eine Fremdenführerin kennen, die ihren Morris-Oldtimer „Nelson“ getauft hatte. Sie war sehr nett und bot mir sogar an, ein paar Kilometer lang Nelsons vordere Sitzbank mit ihr zu teilen. Aber ich zog ehrlich gesagt den Bus vor, weil Nelson einen etwas rachitischen Eindruck auf mich machte und ich mir Besseres vorstellen konnte, als auf einsamen englischen Landstraßen nach Pannendiensten Ausschau zu halten. Aber lassen wir das, es ist ohnehin eine andere Geschichte.

Ich bewegte Glubschi also dieser Tage durch das niederösterreichisch-steirisch-burgenländische Grenzgebiet und fotografierte ihn, weil mir ein bissl fad war, vor Thermen und Golfplätzen. Was ich total mochte: das riesige Glasdach. Und die genial einfache Möglichkeit, mein iPhone per Bluetooth an Glubschis Audioanlage zu koppeln, die im Übrigen zu einer für das kleine Auto ganz schön imposanten Lautstärke imstande war. Ich fuhr zum Beispiel über burgenländische Landstraßen und beschallte das Land durchs offene Seitenfenster mit Shane MacGowan, was die lokale Bevölkerung ein wenig verstört haben mag. Zwischendurch wechselte ich auch zu den B-52´s, nicht ohne ab und zu die einen oder anderen wilden Flogging-Molly-Töne einzustreuen.

Kurz gesagt: Glubschi und ich hinterließen eine Spur der akustischen Verwüstung im Senioren-gefluteten südburgenländischen Thermenland. Sie werden dort nun vermutlich lange und gründlich darüber nachdenken, was sie an ihrem Musikantenstadl haben.

Vor wenigen Stunden stellte ich Glubschi bei mir zuhause in Graz in die Kurzparkzone und schärfte ihm, der vorne und hinten ein Wiener Kennzeichen angeschraubt hat, ein, sich vor den Grazer Parksheriffs nur ja nicht zu fürchten, wenn die morgens anrücken und ihm, während ich noch schlafe, ein Ticket hinter die Scheibenwischer stecken wollen. Glubschi wird dann mit seinem schnuffeligen Vieraugengesicht voll einen auf Kindchenschema machen. Und wenn ich Glück habe und der Parksheriff eine Sheriffin ist, damit wahrscheinlich durchkommen. So spart mir das Auto vielleicht sogar noch ein Strafmandat.

Seinen Transportjob hat Glubschi übrigens 1A erledigt, und ich war nicht immer sanft zu ihm, habe ihm ein paarmal recht ordentlich die Sporen gegeben. Feines Auto.

Danke, Glubschi! Wennst mich morgen Vormittag auch noch ordentlich nach Wien bringst, empfehle ich dich zum Ankauf weiter.

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