Irrtümer des Universums

Zwei erfundene Menschen möchte ich Ihnen ans Herz legen.

Da wäre zunächst Wipperfürth, ein Mann wie eine Katastrophe. Zumindest für coole Jungs und Mädls wie Sie und mich. Wipperfürth ist eine Art fremdernannter Logistiker. Ich will Sie jetzt gar nicht damit langweilen, wie er zu seiner Rolle kam. Wipperfürths Berufung ist ohnehin mehr oder weniger ein Irrtum des Universums, denn Qualifikation an sich: null. Im Detail können Sie den Werdegang aber auf ziemlich unterhaltsame Weise nachlesen, indem Sie dieses Buch bei Amazon inhalieren oder es auf Ihren Kindle laden. Glauben Sie mir: Bereuen werden Sie das nicht. „Donnerstags im fetten Hecht“ ist ein feiner Schelmenroman.

Wipperfürth hat sienen Aktionsradius inzwischen jedenfalls erweitert, aus der fiktiven in die reale Welt gewechselt: Er ließ sich von Autor S. in dessen Management hineinschreiben. Der übersetzt damit erfundene Geschichten in die Welt der Social Media und holt sie auf diese Weise partiell in die Realität. Romanhandlung, echt Erlebtes und frei Dazugedachtes verschwimmen zu einem Konglomerat, das für den Leser eine bunte Welt entstehen lässt, in der er plötzlich selbst Teil des Ganzen ist. Nette Sache, und wenn Sie sich auskennen wollen, wovon hier eigentlich überhaupt die Rede ist: Wipperfürths echter fiktiver Blog, hier.

„Donnerstags im fetten Hecht“ bekommt übrigens
kommenden März einen Nachfolger: „Freitags in der faulen Kobra“ wird er heißen. Weil mir der Autor im Zuge diverser Biere und unter dem Siegel der Verschwiegenheit ein wenig von dem erzählt hat, was zu erwarten ist, kann ich Ihnen verraten: Freuen Sie sich auf die Geschichte und besorgen Sie sich das Buch, sobald es auf der Welt ist. Seinen Werdegang können Sie hier verfolgen. Der Vollständigkeit halber: Selbstverständlich hat der fette Hecht eine Website, eine Facebook-Seite und ist auf Twitter.

Und da wäre dann noch der zweite Irrtum des Universums, dem Sie Ihre Aufmerksamkeit widmen sollten: Jack Taylor.

Den kennen Sie vermutlich nicht, und das ist eigentlich ganz gut so. Auch eine Romanfigur. In einer deutsch-irischen TV-Coproduktion, was an sich schon schrullig genug ist, jagt er als Privatdetektiv Schurken in Galway. Die Hintergründe können Sie aus erster und ziemlich unterhaltsamer Hand hier nachlesen.

Um es kurz zu machen, Taylor ist ein einziges Banaldesaster: vertrottelte Dialoge, dilettantische Drehbücher und überhaupt lächerliche Handlungen. Genau so darf man Krimis nicht machen. Ich habe mir die Folgen 1 und 2 – jeweils Sonntag im ZDF um 22 Uhr – angesehen: So viele Gemeinplätze und Klischees auf einem Haufen gibt es sonst nirgendwo. Kein anderer Privatschnüffler kriegt dermaßen oft dermaßen heftige Prügel und dermaßen grundlos dermaßen schöne Frauen – und ist dermaßen oft dermaßen sinnlos besoffen. Es muss ein kapitaler Fehler der Evolution oder von sonst wem sein, in der coolen irischen Studentenstadt Galway eine so hanebüchene Krimihandlung ablaufen zu lassen. Ich hoffe sehr auf die andere Verfilmung, die mit dem großartigen Brendan Gleeson in der Hauptrolle.

Geografisch ist jedoch alles da, was mir Spaß macht:

So hat Detektiv Jack seine alkoholische Homebase etwa in der Crane Bar, dem meiner Meinung nach besten Pub Irlands, das auch immer wieder in einer Totalen als Zwischenshot zu sehen ist. In der richtigen Welt findet in der Crane Bar feinster Irish Trad statt. Als ich Mitte September vor Ort war, gaben sich gerade 15 geniale Musiker oben im ersten Stock die Ehre, Sie sehen´s im Bild links. Mir kamen die Tränen vor Begeisterung. Böse Dinge hingegen spielen sich krimihandlungsmäßig hauptsächlich im Róisín Dubh ab, das auch im Krimi so heißt und in Wahrheit Galways kühlstes Rock-Pub ist. Das Róisín Dubh liegt zwei Straßenecken von der Crane Bar entfernt tief drinnen in Galways evil Westside, die tatsächlich ganz gut in eine Kriminalhandlung passt, weil es da Ecken und Wege gibt, in denen eine Frau am Abend besser nicht alleine unterwegs sein sollte.

Dass die deutsche Synchronisation den Namen des Róisín Dubh falsch ausspricht, eh klar („roschien daff“ statt „duuuw“ mit einem zartest hingehauchten b oder w am Ende, welches so reduziert ausgeblendet werden muss, dass die Lippen sich dabei nicht einmal berühren). Ist eben leider nur ein fast so gutes Produkt, diese TV-Serie. Aber mich erfreut sie nun trotzdem bis auf weiteres jeden Sonntag Abend als kostenlose Sightseeingtour: die Galway-Schwäne des Claddagh, der Long Walk, der Corrib, die Dun Aengus Docks, der Spanish Arch, alles da. Gestern konnte man sogar kurz einen glimpse lang die Salthill Prom erkennen.

Ich seh´s, freue mich, erwerbe geistig schon wieder mein nächstes Aer-Lingus-Ticket und rufe mir den allergrößten aller Irrtümer des Universums ins Gedächtnis: Dass ich nämlich Österreicher bin. Und nicht Ire. Da muss bei der Evolution irgendwas gründlich schiefgelaufen sein. Gott oder wer immer dafür zuständig war hat in dieser Angelegenheit ziemlich gepfuscht.

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