Forciert therapieren

Ich glaub, das Ganze werden wir ein bissl forciert therapieren, sagt der Herr Doktor und jagt mir zwei Spritzen in den Rücken, dass mir zum Jaulen ist.

Muss aber wohl sein, so möchte er das kleine Bandscheibenfvorfallerl möglichst rasch wieder aus meinem Leben verschwinden lassen. Eigentlich hätte ich eine retardierendere Therapie präferiert, denn die tut weniger weh. Und was unsere Regierung für das Volk als recht erachtet, muss meinem Hausarzt, mir und meinem Rücken wohl nur billig sein.

Schließlich – lassen Sie mich das einfach so in den Raum stellen: Unsere Regierung bremst und blockiert ganz ordentlich.

Wie retardiert muss man etwa sein, wenn man ganze fünf Jahre an der Macht ist und erst danach bemerkt, dass einem 40 Milliarden Euro fehlen. Eine intellektuelle Glanzleistung ist das nicht. Aber nach der Performance des vergangenen Legislaturperiode hat
die von der aufgescheuchten Faymann-Spindelegger-Truppe vermutlich auch gar niemand mehr erwartet. Am wenigsten der Kanzler und der Vizekanzler selbst, die ihre Leute wohl ganz gut kennen und wissen, wozu sie fähig sind und wozu dann eben doch eher nicht. Womöglich wäre es für den Kanzler und seinen Vize ja sogar die größere Überraschung gewesen, wenn vor der Wahl präsentierte Zahlen und Fakten tatsächlich bis nach der Wahl gehalten hätten.

Als Staatsbürger fragt man sich zwar schon:

Was haben Maria Fekter und Andreas Schieder die ganze Zeit in ihrem Finanzministerium gemacht? Wie ist das möglich, dass gleich zwei Chefs fünf Jahre lang entgeht, dass 40 Milliarden fehlen? Wie führt denn der Staat seine Bücher – entspricht das wirklich dem, was das Handelsrecht jedem kleinen Gemüsegreißler ums Eck vorschreibt? Was für ein unglaublicher Zufall ist das außerdem, dass sie nun ausgerechnet vier Wochen nach der Nationalratswahl auf das Milliardenloch draufgekommen sind – und nicht vier Wochen davor? Warum tritt eine Regierung nicht sofort zurück, die mittlerweile zwei Wochen für einen Kassasturz jener Jahre benötigt, in denen sie selbst in Amt und Würden war, und dennoch immer noch nicht genau weiß, was Sache ist?

Noch eine Frage: Fünf Jahre lang Boss sein und keine Ahnung haben, wie viel oder wie wenig Marie in der Kassa, am Konto, am Sparbuch und so weiter ist – würde das in einem kleinen oder mitlleren Unternehmen oder auch nur in einem provinziellen Blumenzüchterverein ausreichen, sofort und umstandslos den gesamten Vorstand zu feuern?

Antwort: Ja, würde es. In einem großen Konzern sowieso, da schafft man es auf diese Weise nicht einmal zum Stellvertreter eines Abteilungsleiters. Ganz hinauf ans Steuerruder schafft man es jedenfalls nie. Der Wähler ist eben leider kein richtig guter Personalchef.

Hätten unsere alten und neuen Regierungspolitiker nur einen Funken Anstand und Verantwortungsgefühl, würden sie sich jetzt hinstellen und sagen: Wir haben leider versagt. Wir ziehen die Konsequenzen. Und dann würden sie zurücktreten.

Alle Umfragen zeigen, dass die Österreicherinnen und Österreicher das Wahlergebnis vom 29. September mittlerweile für einen Irrtum halten: Nicht einmal eineinhalb Monate später würde die Bevölkerung den rot-schwarzen Chaos-Managern nie und nimmer neuerlich eine relative Mehrheit geben. Ein Rücktritt der Regierung gäbe ihr daher nun die Chance, ihren Irrtum zu korrigieren. Das wäre forciertes Therapieren des Patienten Österreich. Was hingegen die alte und provisorische und vermutlich dann doch auch wieder neue Regierung gerade abzieht, ist eine indiskutable Verhöhnung des Souveräns. Also in diesem Fall von mir und von Ihnen.

Ich würde daher, obwohl ich persönlich wieder an genau derselben Stelle wie schon vor ein paar Wochen mein Kreuzerl machte, sehr gerne möglichst schnell noch einmal wählen. Weil dieser Spuk dann vielleicht doch noch zu einem Ende käme, bevor es in ein paar – vielleicht ja sogar erst in fünf – Jahren zu einem Ende mit Schrecken kommt.

Aber wir kennen das ja ohnehin schon. Die Retardierer werden weitermachen und das Land auch dann noch auseinander nehmen, wenn meine Bandscheiben schon längst wieder in Ordnung sind. Ich schreibe das übrigens stehend. Einerseits, weil ich nicht sitzen kann. Aber andererseits auch, weil ich ziemlich wütend auf Faymann, Spindelegger, Fekter, Schieder und Co. bin und mir das unvermittelte Aufspringen derzeit zu weh täte.

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