Testanruf

Heute Testanruf bei der Pensionsversicherungsanstalt.

Ich recherchiere gerade für eine Geschichte zum neuen Pensionskonto. Da gibt es in der Bevölkerung so viele Unklarheiten, weil die Pensionsversicherungsanstalt – nennen wir Sie der Einfachheit halber kurz PVA – ziemlich ungeschickt informiert. So hat sie zum Beispiel in den vergangenen Monaten an 1,7 Millionen Österreicher einen Fragebogen verschickt, in dem sie Zeugnisse, Studienabschluss- oder zumindest Inskriptionsbestätigungen und was weiß ich was noch alles einfordert. Auf eine Weise, die einigermaßen unverständlich ist. Ich habe mit Bekannten gesprochen, keiner kennt sich aus.

Ich schon. Weil ich mich eingehend damit beschäftigt habe. Lassen Sie mich also hier in vier Punkten zusammenfassen, ohne allzu sehr ins Detail zu gehen – denn das Thema Pensionen ist in Österreich so kompliziert organisiert, dass man ein Buch schreiben müsste, um alles transparent zu machen. Aber vielleicht hilft Ihnen ja diese kleine Tipp-Sammlung weiter, falls Sie selbst auch noch unsicher sind, wie Sie in Sachen Fragebogen der PVA vorgehen sollen. Also:

Erstens:
Sie müssen sich den Aufwand nicht antun, Schulzeugnisse, Inskriptionsbestätigungen, Studienabschlussbestätigungen und all den anderen bürokratischen Wahnsinn zu besorgen, den man von Ihnen einfordert. Das alles ist nämlich für den Hugo. Es geht der PVA nur darum, eine Grundlage zu haben, um Ihnen dann ein Angebot zum Nachkauf von Ausbildungszeiten machen zu können. Jedoch: Ausbildungszeiten wie Schule oder Studium haben keinen Einfluss auf Ihre spätere Pensionshöhe. Außer eben, Sie kaufen nach. Das zahlt sich nur in seltensten Ausnahmefällen aus. Besser, Sie legen das Geld (immerhin über 1000 Euro pro nachgekauftem Monat) privat an.

Zweitens: Wenn Sie wirklich Versicherungszeiten nachzumelden haben, von denen die PVA bisher nichts weiß und die Ihre Pension einmal erhöhen könnten, dann müssen Sie das nicht jetzt tun. Sie haben Zeit bis einen Tag vor Pensionsantritt. Die PVA hätte nur gerne den gläserern Bürger, darum wollen die das alles am besten sofort und am bestens umfassend. Und denken Sie daran: Wenn in der Aufstellung, welche die PVA mit dem Fragebogen mitgeschickt hat, Zeiten fehlen, in denen Sie gearbeitet haben, ohne Pensionsbeiträge zu zahlen, kann es zu einer Nachforderung kommen. Wenn Sie das jetzt melden, erhöht das zwar irgendwann Ihre Pension geringfügig, vorerst kann es aber in Einzelfällen passieren, dass Sie löhnen müssen.

Drittens: Man könnte den PVA-Fragebogen daher durchaus auch als Geldbeschaffungsaktion verstehen, die Bares in die leeren Kassen spülen soll. In Form von nachgekauften Beitragszeiten, die der PVA etwas bringen. Ihnen womöglich weniger.

Und viertens, zu guter Letzt: Weder gibt es eine Verpflichtung, den Fragebogen auszufüllen und abzuschicken. Noch drohen Ihnen ernsthafte Nachteile, wenn Sie es nicht tun. Das Pensionskonto wird trotzdem berechnet, Sie erhalten trotzdem Ihre Erstgutschrift, Sie bekommen trotzdem eine Rente. Anders formuliert: Sie können das PVA-Schreiben einfach wegwerfen und es passiert im Wesentlichen ganz genau null. Von ganz wenigen Sonderfällen abgesehen, zu denen Sie höchstwahrscheinlich nicht gehören.

Aber jetzt zum Testanruf: Im Zuge der Recherche wollte ich das überprüfen und rief bei der PVA-Hotline an. Zuerst erklärte mir die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung explizit, dass mein Pensionskonto nicht berechnet werden kann, wenn ich den Fragebogen nicht zurückschicke. Erst als ich nachbohrte, gab sie zu: Stimmt eh nicht. Alles vielmehr so, wie oben unter erstens bis viertens beschrieben.

Ach, und übrigens: Sorry, ich habe jetzt zum Schluss noch eine schlechte Nachricht für Sie. Ich bin aber nur der Überbringer, bitte bedenken Sie das, bevor Sie mich verfluchen. Fest steht, dass die Einführung des Pensionskontos die Renten in den allermeisten Fällen kürzen wird. Ist leider so, der Staat muss sparen. Aber selbstverständlich sagt das in der PVA offiziell niemand. Inoffiziell bekam ich es bereits bei einer anderen Recherche vor einigen Monaten von einem höchstrangigen PVA-Vertreter bestätigt.

Sehen wir der Tatsache ins Auge: Es ist, wie es ist. Details im nächsten FORMAT, falls es Sie interessiert, ab Freitag am Kiosk. Oder ab sofort auch online unter diesem Link.

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