Ich gegen Google

Vor ziemlich genau einem Jahre dachte ich mir: Bist einmal professionell und lasst dieses Blog nicht unter einer Blogspot-Adresse laufen, sondern unter deinen vollen Namen.

Also unter „www.klauspuchleitner.net“. Klicken Sie´s nur einmal an, Sie werden schon sehen, wohin Sie das führt.

Nämlich folgendes: Ich bestellte die Domain über Google, was ganz einfach ging. Google nahm die Registrierung für mich vor, für den Bettel von zwölf Dollar wird die Domain seither gehostet von einer amerikanischen Firma namens „Go Daddy“, was mich vielleicht ein wenig misstrauisch machen hätte sollen. Der Name klingt irgendwie nicht so richtig nach seriöser Sache, oder? Aber ich bekam rasch ein Bestätigungsmail von Google, in dem man mir zum Kauf der Dienstleistung gratulierte, mir zwei oder drei Links für die Einrichtung der Domain schickte und mir alles Gute wünschte. Also machte ich mich daran, die Domain für mein Blog einrichten, was laut Google ebenfalls ganz einfach gehen hätte sollen. Doch ich scheiterte zunächst an folgender Nachricht am Bildschirm:

Macht nichts, dachte ich mir, ich probiere es halt morgen wieder.

Morgen dann:
dieselbe Nachricht. Eine Woche später: dieselbe Nachricht. Einen Monat später: dieselbe Nachricht. Ich begann darüber nachzudenken, ob die bei Google mich vielleicht auf die Schaufel nehmen wollen. Ein paar Monate später versuchte ich es wieder: immer noch dieselbe Nachricht. Ich vergaß die Sache und schrieb die zwölf Dollar in den Wind. So wichtig ist das ja nun auch wieder nicht, die Summe ist verschmerzbar.

Doch jetzt, ziemlich genau ein Jahr später, kam ein eMail von Google. In dem stand, dass am 21. Dezember die Domain einem „Automatic Renewal“ unterzogen wird. Kostet wieder zwölf Dollar für ein neues Jahr. Sollte ich das nicht wollen, müsste ich im Internet auf der Administratoren-Konsole bloß die Auto-Renewal-Funktion ausschalten. Ein Link zur Konsole war im Mail praktischerweise angefügt.

Ich klickte ihn an und kam zu einem Bildschirm, auf dem ich mich mit meinem Google-Konto anmelden musste – jenem Konto, mit dem ich, so stand es direkt unter der Eingabemaske, „zu allen Google-Diensten“ Zugriff habe. Ich gab Benutzer-Namen und Passwort ein. Google antwortete mir, dass ich mit diesem Konto keinen Zugriff habe. Ich solle mich unter einem anderen Konto (über das ich nicht verfüge) anmelden.

Ich versuchte, ein neues Konto zur Domain klauspuchleitner.net anzulegen. Das ging vorderhand ganz leicht, bis ich nach Eingabe aller Daten auf „weiter“ klickte. In leuchtendem Rot warnte mich Google, dass die Domain bereits vergeben sei (eh klar, an mich) und daher nicht benutzt werden könne. Falls ich sie doch benutzen wolle, solle ich

Und da stoppte der Info-Text.

Also, kurz zusammengefasst: Google hat mir eine Domain verkauft, die ich nicht aktivieren kann, weil der notwendige Google-Server seit einem Jahr eine Fehlermeldung liefert. Dafür erneuert Google die Domain nächste Woche automatisch und kostenpflichtig, weil die automatische Erneuerungs-Funktion eingeschaltet ist (ohne dass ich gefragt worden wäre, ob ich das will). Um sie ausschalten zu können, muss ich mich mit einem Konto anmelden, dass ich nicht habe. Um ein Konto einrichten zu können, mit dem ich mich anmelden kann, muss ich meine Domain angeben. Die akzeptiert Google aber nicht in Verbindung mit meiner Person, weil sie schon vergeben ist, nämlich an mich, was Google aber wurscht ist. Um sie für Google erkennbar mit mir zu verbinden, müsste ich sie zuerst aktivieren. Aber das geht nicht, weil der Google-Server seit einem Jahr…

Aaaaaarrrrghhhh!

Auf all den Google-Bildschirmen und in den vielfältigen -Einagbemasken, die mir mittlerweile begegnet sind, fand ich keine einzige eMail-Adresse, an die man sich wenden kann, wenn man ein Problem hat. Nur einmal stolperte ich über eine Telefonnummer der amerikanischen Firmenzentrale. Dort rufe ich aber sicher nicht an, weil eine Stunde Warteschleife nach Übersee und danach ein langwieriges Gespräch mit einem wahrscheinlich gleichgültigen Google-Menschen, der in einem Call-Center in Indien sitzt, wohin mein Anruf über die USA umgeleitet wird, mich vermutlich mehr kostet als tausend Jahre Auto-Renewal der Domain.

Natürlich könnte ich mich auch direkt an den Provider „Go Daddy“ (hach, dieser Name, ein Wahnsinn!) wenden, mich auf dessen Website einloggen und die Domain kündigen. Bloß habe ich keine Login-Daten, weil die Domain dort ja nicht von mir, sondern von Google registriert wurde. Auf meinen Namen zwar, aber Kunde bin ich dort trotzdem nicht.

Ich glaube, ich bin nun Google-Gefangener der Domain klauspuchleitner.net und werde bis an mein Lebensende zwölf Dollar pro Jahr überweisen müssen. Außer, irgend jemand von Ihnen, liebe Textblog-Leser, hat eine Idee, wie man an das Problem herangehen könnte.

Natürlich könnte ich auch im Firmenbuch Adresse und Telefonnummer der Österreich-Niederlassung von Google sowie den Namen des Austro-Geschäftsführers heraussuchen und damit plötzlich über eine Kontaktperson verfügen, der ich die Hölle heiß machen kann. Aber ich will vorderhand die Privilegien, die man als Wirtschaftsjournalist halt so hat, nicht nützen – schließlich handelt es sich um eine private Angelegenheit.

Schlimmstenfalls schließe ich einfach mein Konto, von dem Google abbucht, und wechsle die Bankverbindung. Dann werden sie sich aus Mountain View schon noch melden und ich kann es Granada spielen lassen. Ich werde Sie jedenfalls auf dem Laufenden halten, wie sich mein kleines Scharmützel mit Google weiter entwickelt. Ob sich das Gefecht beilegen lässt oder ob ein richtiger kleiner Krieg daraus wird. Schließlich möchte ich ja nur die Autorenewal-Funktion ausgeschaltet haben, mehr nicht. Das sollte doch zu bewerkstelligen sein.

Zwei Dinge sind aber jedenfalls sicher. Erstens: Mit diesem Blog hier werde ich angesichts der oben beschriebenen Erfahrungen schon bald von der Google-Plattform „Blogger“ zu WordPress umziehen. Sie erhalten den Link selbstverständlich rechtzeitig, keine Sorge. Und zweitens: Ich kann Ihnen die Nutzung der mittlerweile vielfältigen Google-Services – weder der kostenlosen noch der kostenpflichtigen Google-Apps-Dienste – nicht empfehlen.

Ich wiederhole: nicht.

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