Facebookdämmerung

Wird eh Zeit. Über die Feiertage in einer Tageszeitung gelesen, dass die Jungen nun Facebook schön langsam den Rücken kehren. Und mich an eine unserer Redsitzungen aus dem Dezember erinnert, in der die sowieso voll total hippe Kollegin, die nebenbei ein ebenfalls sowieso voll total hippes und halt schon auch recht selbstverliebtes Magazin macht, bereits etwas in der Art erzählte. Wird also wohl stimmen.

Ich möchte anmerken: Es ist gut so.

Zwar will ich dem sozialen Netzwerk den einen oder anderen Vorteil nicht absprechen, aber seien wir doch ehrlich: 99 Prozent von all dem, was dort von Amateuren der Kommunikation, also beinahe allen Menschen, veröffentlicht wird, ist: Schrott. Es ist für das Glück der Menschheit einfach nicht notwendig, dass jeder Katzenbesitzer täglich ein Bild von seiner Mieze online stellt. Hundeliebhaber, die alle an den Eigenheiten ihres Bellos teilhaben lassen wollen, sind genauso entbehrlich. Den fünfzehnten Aufruf, eine selbstverständlich völlig berechtigte gute Sache zu unterstützen, klickt man dann schon mit ziemlich leichter Hand weg, weil man´s nicht mehr sehen kann. Kontraproduktiv also.

Und als hätte es des letzten, endgültigen Beweises der Überflüssigkeit Facebooks noch bedurft sind gerade  Weihnachten und Silvester ins Land und Gott sei Dank auch wieder hinaus gezogen.

Was in aller Welt bewegt Menschen dazu, Christbaumbilder aus ihren Wohnzimmern online zu stellen? Die kitschigsten, geschmacklosesten und hanebüchenst zusammengeschusterten Grußkarten via Web zu verteilen? (Großes Missverständnis in diesem Zusammenhang: Photoshop wurde nicht erfunden, damit die Untalentiertesten und Geschmacklosesten die Welt mit grafischen Gehversuchen fluten können.) Ich habe noch nie so völlig daneben gegangene, pseudokreative Glückwunsch-Postings gelesen wie heuer. (Missverständnis außerdem: Ideen auf dem Niveau diverser von Provinz-Friseurinnen erfundener Haartrachten sind nicht – ich wiederhole: nicht! – kreativ.)

Und dann erst diese vielen Bilder von Sektflaschen und kulinarischen Silvester-Schmankerln, die seit gestern Nachmittag Twitter und Facebook überschwemmten. Warum nur, liebe Facebook-Freunde von mir und anderen Menschen, glaubt ihr, dass es spannend ist, den eigenen Schampus mit dem Handy zu knipsen und das dann online zu stellen? Zu einer Zeit, wenn jeder Schampus trinkt, also die Originalität aber auch schon ganz sicher nicht gegeben ist. Interessiert doch überhaupt niemanden. Total uncool!

Ich meine, wären diese ganzen Feiertagspostings und alles sonst noch in den Facebook-Trichter Gekübelte wirklich originell – ja dann, dann sähe die Sache anders aus. Aber das alles ist so grenzenlos banal, provinziell, einfallslos und von jedem übeerdurchschnittlichen Talent befreit (was im Übrigen auch für die fotografische Qualität der meisten Bilder gilt), dass es kaum auszuhalten ist.

62d41-bild4Natürlich gab es hier und da auch originelle Postings, ein Beispiel: Über Twitter vernahm ich die ausgesprochen lässige Botschaft, dass Supergolfer Rory McIlroy und Tennisässin Caroline Wozniacky sich verlobten. Rory ließ die Welt das ohne viel Tamtam, dafür aber mit einem locker in die Timeline gedrawten kurzen Sätzlein wissen. So macht man das. Ehrlich, dieser Typ ist gut. Ich wusste das bereits, als ich ihm vor vier oder fünf Jahren bei einem Turnier dabei zusah, wie er seinen Teeshot aus einem Sandbunker befreite und den Ball dabei einen halben Meter neben die Fahne aufs Grün setzte. Seinen Beruf beschreibt Rory übrigens so: I hit a little white ball across a field sometimes. Der Mann ist Ire, kein Wunder also, dass er so cool ist.

Facebook ist das schon längst nicht mehr. Die Jungen kommunizieren inzwischen auf Instagram oder sonstwo. Hoffe sehr für Sie, Sie haben keine dieser blauen Aktien in ihrem Portfolio, mit denen könnte es bald ein bissl bergab gehen, wenn die Facebookdämmerung voll einsetzt.

A propos Dämmerung: Meine Blogger-Zeiten nähern sich auch dem Ende. Sie finden dieses Blog bereits parallel auf WordPress. Derzeit befindet sich die Seite hier noch ein wenig under construction. Wenn Sie eine gute Idee haben, wie dieses Blog sich mit dem Umzug hierher verändern und idealerweise verbessern sollte: Lassen Sie´s mich wissen, ich freue mich über jeden Hinweis! Mit dem 50.000sten Pageview ist hier auf der Google-Plattform Blogger jedenfalls Schluss, neue Blogposts gibt es dann nur mehr via WordPress.

Schön, dass Sie mir hierher gefolgt sind!

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