Kinderarbeit

Kleinen Kinder großen Spaß vorzugaukeln und sie dann stundenlang durch städtische Straßen, Stiegenhäuser oder Geschäftslokae zu schleifen, sie zum Singen textlich fragwürdiger Lieder zu zwingen, ist nicht in Ordnung.

Es ist schlicht und einfach: Kinderarbeit. Noch dazu eine ohne Bezahlung.

Wenn Textilketten irgendwo im Fernen Osten das machen, regen sich zu Recht alle möglichen Menschen auf der ganzen Welt darüber auf. Wenn der Katholischen Kirche nahestehende Organisation kleine Kinder ausnützen, um Geld zu scheffeln, von dem sie nicht alles an Hilfsprojekte weiterleiten, weil ein Teil in ihren komplexen Organisationsstrukturen versickert, dann ist das zumindest fragwürdig. Bedenkt man allerdings, was die Katholische Kirche sonst noch alles mit Kindern anstellte oder anstellt, ist diese ganze dumme Sternsingerei eh noch relativ harmlos.

Spannend ist die Frage aber schon, warum viele Menschen Hausierern so gerne und so entrüstet die Tür weisen, wenn sie klingeln. Warum sie Bettler am liebsten mit Schimpf und Schande aus den Straßen der Städte vertreiben würden (was zum Beispiel in Graz unter der Ägide des desaströsen Bürgermeisters tatsächlich passiert). Warum sie aber gleichzeitig der organisierten Hausiererei der Sternsinger sowie der kirchlich autorisierten Bettelei mit Freuden Tür, Tor und Portemonnaie öffnen.

Kindern Spaß bereiten (die liebste Ausrede der Sternsinger-Organisatoren) kann man auf andere Weise besser, wenn man sie wirklich mag – und sie nicht nur dann lieb hat, wenn sie sich dazu verwenden lassen, anderen Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen.

Und diese Sache mit der Nächstenliebe und der Hilfe für Bedürftige? Ich bitte Sie!

Spenden kann jeder jederzeit. Dazu braucht es keine Geld verschlingende kirchliche oder zumindest kirchlich beeinflusste Organisation, die Kinderarbeit in Kauf nimmt, um möglichst viel Kohle abzuräumen. Der einfache Gang aufs Postamt, das Ausfüllen eines der dort zahlreich aufliegenden Erlagscheine und das Überweisen des Geldes reicht. Mit Electronic Banking geht das sogar vom Wohnzimmer aus. Auch die Münze funktioniert, die man einem Bettler oder Straßenmusikanten in den Klingelbeutel wirft, anstatt ihn zu beschimpfen.

Das ist dann direkte Hilfe und echte Nächstenliebe. Sie kommt ganz ohne die Ausnutzung und Vergatterung kleiner Kinder aus, auch ohne das Durchfüttern der Organisationsstruktur hunderter so genannter freiwilliger Helfer.

Ich jedenfalls mache heuer einfach die Wohnungstüre nicht auf, wenn Caspar, Melchior und Balthasar klingeln – begleitet vermutlich wieder von einem bigott in die Welt schielenden Laien der lokalen Pfarrgemeinde. Stattdessen spende ich Geld an Ute Bock und ihre Organisation. Und wenn ich jetzt dann gleich in die Stadt gehe, drücke ich dem erstbesten Bettler ein paar Euro in die Hand. Außerdem lade ich die kleine Tochter meiner Nachbarn bei nächster Gelegenheit ins Kino ein. Dann habe ich Bedürftigen geholfen und einem Kind Spaß bereitet. Ganz ohne Sternsinger.

Geht doch.

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