Bild: Bea Uhart / SPÖ-Delegation

Freundschaft

Bitte sehen Sie mir das banale und inzwischen tausendfach abgenutzte Wortspiel im Titel einfach nach, okay?

Ich habe dem Spektakel jetzt eine gute Woche zugesehen, mir meine Gedanken gemacht und neige zur Ansicht: Eugen Freund trifft an der Pleiten-, Pech- und Pannenserie rund um seine Kandidatur zur EU-Wahl auf der SPÖ-Liste noch die geringste Schuld. Natürlich, der Mann ist prototypisch für die abgehobene Weltfremdheit erfolgreicher und erfahrener ORF-Moderatorengesichter, denen über die Jahrzehnte ihrer Berufslaufbahn alle Menschen immer nur freundlich, mit Respekt und womöglich sogar mit Unterwürfigkeit begegnen. Auch wichtige Menschen. Weil: Fernsehen halt, da muss man aufpassen, die können einem nützen und könnten einem schaden.

Und selbstverständlich lebt man als fest angestellter ORF-Nachrichtenmann in einer Blase der finanziellen Flauschigkeit. Das sehen wir ja jetzt, da Freunds Gagen, Abfertigungen und Pensionszahlungen in ungefährem Ausmaß bekannt wurden. Und noch hat gar niemand hinterfragt, was prominente ORF-Journalisten so nebenher verdienen, wenn sie als von der Privatwirtschaft angeheuerte Moderatoren bei Veranstaltungen und so weiter auftreten. Mir haben schon mehrere Wirtschaftsleute glaubhaft versichert, dass sie nur so mit den Ohren schlackeln, wenn sie von den prominenten Damen und Herren von hinter dem Bildschirm mit Gagenvorstellungen konfrontiert werden. Jedenfalls ist die Welt im ORF für fest angestellte Journalisten eher warm und weich, während sie draußen im richtigen Universum eher kalt und hart ist, tendenziell zumindest. Kein Wunder, dass sich da einer, der aus dem geschützten Bereich in den rauen Wind wechselt, zunächst einmal gleich ordentlich verkühlt. Da kann Eugen Freund gar nicht groß etwas dafür, auch wenn er natürlich ein wenig geschickter agieren hätte können.

Die echten, großen Fehler hat die SPÖ gemacht. Die haben sich bei ihrer Kommunikationsstrategie aufgeführt wie die ärgsten Dilettanten.

Fehler Nummer 1: die Bestellung. Geplant war die Bekanntgabe der Freund-Kandidatur für den 20. Jänner bei der Klubklausur aller roten Abgeordneten, nicht früher. Nur die SPÖ-EU-Parlamentarier erfuhren es eine Woche davor. Einer von Ihnen (man hat da auch so seinen Verdacht, wer es war) hat den Namen Freunds vermutlich prompt an die Medien weiter gegeben. Das war ja aber wohl klar, liebe SPÖ, dass das so kommen würde, oder? Das kann doch niemanden bei euch ernsthaft überraschen. Die Kommunikationsexperten einer Kanzlerpartei sollten wissen, was im politischen Geschäft inzwischen so abgeht.

Fehler Nummer 2: die Interviews. Einen frischen Kandidaten völlig unvorbereitet nach zwei Tagen in Interviews zu hetzen, ist handwerklich total daneben. Ganz klar, was zu tun gewesen wäre: Herr Freund ist noch gar nicht offiziell nominiert, das passiert in einer Woche bei der Klausur, davor wird weder er noch sonst jemand in der SPÖ etwas dazu sagen, bitten haben Sie Verständnis, hätte die Kommunikationslinie lauten müssen. Begleitet natürlich von innerparteilicher Information, wie nach außen aufzutreten ist. Ist ja durchaus üblich, so etwas auf diese Weise zu handhaben.

Dann hätte man eine ganze Woche Zeit gehabt, sich vorzubereiten und dem Kandidaten zu verklickern, was auf ihn zukommt. Medientraining nennt man so etwas. Selbstverständlich erstaunlich genug, dass Freund das braucht, aber man sieht ja: Er hätte es gebraucht, sogar dringend.

Fehler Nummer 3: das viele Tarnen und Täuschen. Und in einem guten Medientraining hätte man dem Kandidaten – wohl auch den SPÖ-Presseleuten – endlich doch einmal beibringen können, dass das ewige Abstreiten, Tarnen und Täuschen kontraproduktiv ist. Spätestens, seit vor kurzem Monika Lindner in Sachen Abgeordnetenkandidatur, Abfertigung, Gage und so weiter ziemlich umgerührt hat, wäre ein wenig Sensibilität durchaus angebracht. Wäre ich Freunds PR-Berater gewesen (ich habe gut zehn Jahre lang Firmenchefs bei ihren Medienauftritten beraten, weiß also so halbwegs, wovon ich spreche), hätte ich ihm gesagt: Schreiben Sie zusammen, was Sie bekommen haben und noch bekommen werden, und zwar alles, lückenlos, und legen Sie das sofort gesamtheitlich auf den Tisch, wenn man Sie danach fragt.

Das Kuriose ist ja, dass Freund ganz offensichtlich nichts Unanständiges getan hat, sich nicht bereichert hat, und dass streng genommen alles seine Ordnung hat. Dieser unterstellende Unterton kam in die ganze Geschichte nur hinein, weil Freund tat, was man eben nicht tun sollte: zuerst abstreiten, unsauber formulieren, in Teilschritten nach und nach zugeben. Da hätte ihn ein professioneller Kommunikationsmann, den die SPÖ dem Anschein nicht hat, besser beraten müssen.

Othmar Karas, EU-Wahl-Spitzenkandidat der ÖVP und seit Jahrzehnten mit allen politischen Wassern gewaschen, macht es schon ein wenig geschickter. Er engagierte die Polit-Kommunikationsexpertin Heidi Glück als seine Beraterin. Die kennt die Szene und hat eine Ahnung von dem, was sie tut.

Genau kann man es ja nie wissen, aber ich vermute einmal: Karas werden vergleichbare Hoppalas nicht passieren.

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