Christo Rei

Bild: Puchleitner, Weiterverwendung ohne Genehmigung untersagtChristo Rei beschützt deinen Abstieg mit weit gestreckten Armen, wie er auch die Menschen der Stadt beschützt. Die große Statue auf ihrem fast hundert Meter hohen Betonsockel, dem Christus von Rio de Janeiro nachempfunden, wacht über allem. Angstfrei beugt deshalb dein Kapitän  die Maschine in diese große, weiche Kurve über dem Atlantik und durchmisst das Einzugsgebiet der offenen Arme voll Zuversicht. Sanft lässt er dich über dem Tejo hinabsinken, zunächst, dann die Dächer der Stadt küssen, bis die Flugzeugräder den Boden berühren. So kommst du in Lissabon an.

Bild: Puchleitner, Weiterverwendung ohne Genehmigung untersagtIn der Stadt dann, im Wirrwarr der Hügel und der verwinkelten, verwitterten Gassen, schreitest du auf den Paralelipípedos der gepflasterten Gehsteige, eine Art Symbol für die Sorgfalt und Liebe, welche die Bewohner ihrer Stadt entgegen bringen. Alles pflastern sie hier, statt es banal mit Asphalt zu planieren, eine mühsame Sache muss das sein. Manche der alten Häuser haben sie außen außerdem gefliest, das ergibt viel zum Schauen. Auch in der Krise ist die ganze Grandezza noch da, Stadt und Menschen behalten ihre Würde.

Beide kleiden sie sich immer noch sorgfältig, auch wenn das Geld für Neues vielleicht fehlt und der eine oder andere Flicken anzubringen wäre. In der Avenida da Liberdade, der Prachtstraße, liegen nicht wenige Obdachlose in Einbuchtungen von Häusern. Die meisten von ihnen wohl Opfer der kalten europäischen Austerität. Gleich daneben die Luxushotels für die Touristen und die Zentrale der großen lokalen Espirito Santo Bank. Die Touristen bekommen die Stadt nun billiger als früher, den Banken gehören inzwischen die Wohnungen vieler Menschen. Zu manchen ist die Krise gnadenlos, zu anderen großzügig. Und natürlich nahm Europas radikale Troika, in den vergangenen Jahren oftmals zu Kontrollbesuchen aus ihren geheizten und gepolsterten Brüsseler Sitzungszimmern angereist, den Menschen und gab den Banken, half also ganz genau auf die falsche Weise. Trotzdem, wie gesagt, die Lissaboner retteten ihre Grandezza.

Ich, jedenfalls, halte zu den Portugiesen, und nicht zu den herz- und schmerzlosen Brüsseler EU-Europäern. Aber die Troika wird demnächst ohnehin abziehen, hoffentlich für immer, dann bekommen sie hier vielleicht wieder ein wenig Luft zum Atmen. Und Christo Rei kann wieder übernehmen.

P.S. Christo Rei, die große Statue in der Stadt Almada, die sich hoch über der Ponte 25 de Abril der Stadt Lissabon zuwendet: Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, hier klicken.

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