Fanta, und ich im Fluss

An sich fliegen mir die Herzen der Frauen alles andere als leichtfüßig zu. Ich bin wohl insgesamt ein wenig zu spröde, zu schwer, zu wenig tändelnd umschmeichelnd. Mehr der was-es-wiegt-das-hat-es-auch-Typ. Will ich eine betören, ist das immer ein hartes Stück Arbeit für mich. Erwarte ich tadelloses Funktionieren der in die Wege geleiteten sozialen Interaktion, habe ich mich gehörig anzustrengen.

imageNicht so jedoch bei Fanta. Bei ihr ging alles the easiest way. Wir sprechen hier von einer Art Liebe auf den ersten Blick. Ich stand noch einigermaßen verspannt im großen Foyer der Falknerei und probte die richtige Armhaltung mit dem dicken Lederhandschuh, lauschte den komplexen Anweisungen des Falkners, da spreizte die schöne Habicht-Dame auf einmal umstandslos die Flügel, tat unaufgefordert einen Sprung von des Falkners Hand auf meine und war in meinem Leben.

Fanta berührte mich. Das ging mir schon damals vor drei Jahren so, als ich im irischen Dromoland Castle einen Harris Hawk von meiner Hand in die umliegenden Bäume starten ließ. Diese großartigen Tiere haben etwas Besonderes. Fantas Augen, ein blitzender Donnersturm vor dem Losbrüllen. Eine schwarze Nacht, der finstere Torf des schottischen Hochlandes um Gleneagles, wo ich derzeit wohne und wo Fanta lebt. Ihre Krallen eine schrille Kreissäge, wenn Fanta sie beim Jagen durch die Luft wirbeln lässt. Jedenfalls die samten zur Schau gestellte Bedrohung des Könnens im Falle des Wollens. Die Federn auf der Brust ein zartes, mattes Weich, und wenn Fanta fliegt, siehst du einige der elegantesten Bewegungen, wie die Natur sie uns zu zeigen hat. Kurz: Ich liebte Harris Hawk Fanta sofort innig und habe mich nach der halben Stunde in der Gleneagles-Falknerei so schwer von dem schönen Habicht getrennt wie schon lange von niemandem mehr.

Bildschirmfoto 2014-05-13 um 15.11.51Später fuhr ich dann durch einen kleinen Fluss, was mich jedoch erst ein wenig beunruhigte, als das Wasser durch die Beifahrertüre eindrang und das Bodenblech überschwappte. Aber der Defender! Watttiefe locker ein halber Meter oder mehr, sichtbare und unsichtbare Felsen im Flussbett überkletterst du mit ihm wie eine gelangweilte Bergziege. Und die vorhandene Strömung, immerhin? Lachhaft. Wahrscheinlich das beste Modell, das Land Rover je gebaut hat. Ich weiß das vom famosen Kollegen M., mich dem ich zusammen Journalismus auf der Uni gemacht habe und der das beste Web-Allradmagazin ever verantwortet (klicken Sie doch einfach hierher: http://www.gelaendewagen.at). Er hat selbst ein ganz altes Exemplar frisch aufgebaut, und wenn er sagt, das Auto ist gut, dann ist das Auto gut.

Jedenfalls die Offroad-Driving-Lesson, die das Hotel mir angedeihen ließ, war irgendwie keine rechte Herausforderung in diesem Fahrzeug. Hast du im tiefen Wasser einmal herausbekommen, wie du den Defender voran kriechen lässt, indem du im zweiten Gang Kupplung und Bremse gegeneinander ausspielst, das Gas kannst du in diesem Fall völlig vergessen, dann ist die Sache keine hohe Kunst mehr. Lenken solltest du halt nur rudimentär, das Auto sucht sich im Flussbett seinen Weg weitgehend autonom, mit zarten Händen ein wenig eingreifen falls nötig, mehr braucht es nicht. Und natürlich höchst vorausschauend unterwegs sein, die Maschine rechtzeitig auf Touren bringen und möglichst in den ersten Gang zurück schalten, wenn du später, wieder im Trockenen, einen Steilhang hinunter willst. Und so weiter halt. Keine Hexerei.

Bildschirmfoto 2014-05-13 um 15.14.41Kann ich also nach dem gestrigen Tag abhaken: Mit dem Auto durch ein wildes schottisches Flüsschen fahren – check. Eine persönliche Beziehung zu einem Hühnerhabicht aufbauen – check. Auf Tontauben schießen (eh nur ein einziges Mal im Leben, weil Schießen nicht so meins ist) – check. In einem der famosesten Hotels der Britischen Inseln logieren – check. Golf spielen auf jenem Platz, wo kommenden Oktober die besten Profis der USA und Europas zum Ryder Cup 2014 abschlagen – check. Ich habe den PGA Centenary Course von Gleneagles übrigens mit 106 bewältigt, also 34 über Par, was selbst für einen Dilettanten wie mich ein bissl eine Schande ist, aber soll sein. Bei ein wenig mehr Konzentration und etwas weniger Pech on the Course wäre mein Handicap an sich locker drin gewesen. Vielleicht gehe ich die 90 morgen noch einmal an, man wird sehen.

Ganz sicher erzähle ich Ihnen dann aber mehr vom Gleneagles-Hotel, diesem wunderbaren, großen alten Kasten am südlichen Beginn der schottischen Highlands, der das beste Restaurant der Britischen Inseln beherbergt – das „Andrew Fairlie’s“, nachzulesen im famosen Magazin „Falstaff“, dessen großartige Chefredaktrice M., eine frühere Journalismus-Studienkollegin auch sie, mich seinerzeit für die Ausgabe Februar 2014 mit einer Story beauftragt hatte. Und der auch sonst noch ganz schön viel kann.

Könnte ich mir einen Aufenthalt hier aus eigener Tasche leisten und müsste nicht auf Einladungen der Hotelleitung vertrauen, würden mir die wunderbarsten schottischen Frauen vermutlich doch nachrennen, mit ihren feurigen Haaren des Nordens, dem sexy Rrrrrrrrrollen des Zungenschlags und dem robusten Augenaufschlag der Highlands, wenn ich dann nämlich in meinem Jag, den ich zweifellos besäße, vorführe. Schliesslich hätte ich in diesem Fall ganz schön viel Geld, auf das die doch meistens so berechnende Damenwelt schließen könnte. Glaube jedoch: Sie alle würde ich für eine weitere Flugstunde mit der wilden Fanta von meiner Hotelbettkante stoßen. Umstandslos.

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