Maut

Sie glauben, das österreichische Mautsystem ist unfreundlich? Sie haben das Gefühl, man legt sie rein, sie zahlen doppelt und dreifach und insgesamt überhaupt zuviel? Der Vignettenkauf ist zu kompliziert? Ha, liebe Textblog-Leser, dann fahrt doch erst einmal nach Irland! Bildschirmfoto 2014-09-25 um 12.08.39

Dort haben sie zum Beispiel, und das ist kein Schmäh, tatsächlich ein Autobahnkreuz gebaut, das man nur in einer Fahrtrichtung benützen kann. Vielleicht hat man ja beim Bau die Abfahrten aus der anderen und in die andere Richtung einfach vergessen, ich weiß es nicht. Jedenfalls können Sie von der Autobahn M7 zwischen Dublin und Limerick auf die Autobahn M8 nach Cork nur wechseln, wenn Sie Richtung Westen fahren. Richtung Osten, also von Limerick nach Dublin, geht das nicht. Denn da fehlt die Abfahrt. Ehrlich. Schauen Sie sich´s in Google Maps (Bild links) ruhig einmal genau an. Dafür gibt es in beide Fahrtrichtungen eine Mautstelle, die sich aus Dublin kommend kurz vor der Gabelung befindet.

Folgendes mögliche Szenario daher: Sie passieren die Mautstelle, löhnen brav und verpassen danach die Abzweigung nach Cork. Also runter von der Autobahn und auf der anderen Seite wieder rauf, dann halt von dort auf die M8 wechseln, denken Sie sich. Geht aber nicht, weil: in dieser Fahrtrichtung fehlt ja die Abfahrt. Sie müssen daher tatsächlich noch einmal durch die Mautstelle durch, diesmal halt in die andere Richtung, danach bei der ersten Abfahrt runter, neuerlich auf der anderen Seite wieder rauf, die Mautstelle ein drittes Mal passieren und ein drittes Mal zahlen, dann können Sie die Abzweigung nehmen. Kostet alles in allem gut 30 Kilometer und 20 Minuten, außerdem zahlen Sie dreimal Maut statt einmal.

Es ist dies zwar ein total unirischer Zugang, jedoch vermute ich: Die Abfahrt wurde nicht einfach vergessen (das wäre ehrlich gesagt durchaus irisch), sondern die Kombi „halbes Autobahnkreuz plus Mautstelle“ wurde absichtlich so gebaut. Zwecks Abzocke.

Ein Indiz dafür: Bei der Mautstelle (man zahlt 1,90 Euro) gibt es nach US-Muster neben mit Menschen besetzten Häuschen auch eine Durchfahrt mit einem Korb, in den man das Geld werfen kann, dann geht der Schranken hoch. Davor steht ein Schild, dass der Automat kein Wechselgeld retour gibt. Eh wurscht, dachten der Kollege Golfjournalist R. und ich, eine 2-Euro-Münze fingerst du leichter aus der Hosentasche als 1,90 – und auf die zehn Cent Retourgeld verzichten wir einfach, coole Jungs wie wir zwei es sind. Doch wer so rechnet, rechnet nicht mit der Hinterlist der irischen Mautbehörde. Denn die geben nicht kein Retourgeld, wie es am Hinweisschild steht, sondern sie wollen es genau. Der Apparat schluckt daher zwar die zwei Euro anstandslos, lässt den Schranken aber zu. Man muss noch einmal 1,90 einwerfen. R. und ich zahlten also an dieser Mautstelle an jenem Freitag Abend, an dem wir den Autobahnwechsel nach Cork verpasst hatten, runter vom Motorway und wieder rauf mussten, dann noch einmal runter und wieder rauf, insgesamt viermal Maut – 7,70 Euro statt 1,90. Eine passende Steuer für einen Deppen wie mich (ich saß hinter dem Lenkrad des Leihwagens).

Das ist aber nicht alles, denn da gibt es in Dublin noch die M50. Das ist eine Art Wiener Südost-Tangente, sie führt dich um die verkehrsverstaute Metropole herum. Pro Fahrt zahlt man geschmalzene 3,50 Euro – ich möchte dort wirklich kein Pendler sein, der im Norden Dublins wohnt und in den Süden an seinen Arbeitsplatz muss, denn der löhnt dann tatsächlich 7 Euro pro Arbeitstag. Mautstelle oder Vignette für die M50-Toll gibt es nicht. Die voll lässigen Iren haben sich hier als eine Art Insellösung im schlechtesten Sinn des Wortes der Welt kompliziertestes Mautsystem einfallen lassen: Kameras registrieren die Kennzeichen der passierenden Fahrzeuge. Deren Lenker müssen sich dann bis spätestens 20 Uhr des nächsten Tages zu einer Trafik, einer Tankstelle oder einem Supermarkt begeben, um dort unter Vorlage des Zulassungsscheins die Maut zu zahlen. Wenigstens pro Tag, nicht pro Fahrt. Fährt man an einem Tag hin und zurück, muss man sich nur einmal bemühen.

Auf diese Art von Mautpflicht hingewiesen wird zwar auf Schildern – aber ehrlich jetzt, welcher Ortsunkundige kann denn im Vorbeifahren mit wenigen Worten, die so ein unwürdiges System erklären, etwas anfangen? Wer die Maut nicht rechtzeitig bezahlt, weil er´s vergisst oder nicht weiß, dem drohen pro Fahrt im schlimmsten Fall bis zu etwas über hundert Euro Strafe.

Voll touristenfreundlich, das. Weil ich gefühlt aber eh ein halber Ire bin, weiß ich um diesen Sachverhalt selbstverständlich Bescheid – auch, dass es eine Website gibt, über die man ebenfalls zahlen kann. Außerdem bin ich immer und überall voll internettauglich, habe also ein MacBook oder ein iPad stets dabei. Die Frist schaffte ich diesmal zwar nicht, weil man im Urlaub ja nicht immer gleich Zeit oder Wlan für eine Websitzung hat. Aber eh egal, beschloss ich, zahlst du halt einfach die doppelte Fee von 7 statt 3,50 Euro. Das ist die Strafe, die man für Kurzfristvergehen von „eFlow“, der Dubliner Mautbehörde, aufgebrummt bekommt. Bloß jetzt: eFlow forderte mich auf der Website auf, nicht nur die Zulassungsnummer des Leihwagens und meine Kreditkartendaten anzugeben, was eh klar ist, sondern auch das Datum oder die Endsumme einer Kreditkartenabrechnung aus den vergangenen sechs Monaten. Wie vermutlich jeder andere normale Mensch auch, nehme ich meine letzten sechs Kreditkartenrechungen aber nicht mit, wenn ich auf Urlaub fahre. Zahlen der Maut also: unmöglich. Denn Tankstellen, Supermärkte und so weiter nehmen nur fristgerechte Zahlungen an. Bildschirmfoto 2014-09-25 um 12.05.38

Wieder zu Hause, wollte ich noch einen Zahlungsversuch starten und dann halt die dreifache Gebühr pro Fahrt berappen. Das ist die Strafe für einen Zahlungsverzug zwischen 48 Stunden und einer Woche. Ging auch nicht. Denn dafür muss man eine Referenznummer aus einem „Penalty Letter“ angeben, den man von eFlow automatisch umgehend zugesandt bekommt. Ich aber nicht, denn ich bin ja erstens nicht der Zulassungsbesitzer und wohne zweitens im Ausland. Briefe stellen die irische Post und dann die Leihwagenfirma von der grünen Insel ganz sicher nicht innerhalb von zwei Wochen nach Österreich zu. Das ist aber die Frist, nach deren Ablauf die Strafe auf über hundert Euro ansteigt. Pro Fahrt.

Hm. Das könnte noch teuer werden, fürchte ich.

Habe jetzt einmal ein Mail an eFlow geschickt und gefragt, ob die das wirklich ernst meinen. Den Empfang hat eFlow mir sofort bestätigt, eine Antwort gegeben haben sie mir nicht. Jetzt schaunmahalt einmal, was passiert. Kundenfreundlich ist das alles jedenfalls nicht. Was machst du zum Beispiel als Tourist, wenn du am Ende deines Urlaubes am frühen Morgen, wenn alle Supermärkte und so weiter noch zu haben, über die M50 zum Flughafen fährst und danach fort fliegst – irgendwohin, wo du innerhalb der Frist keinen Internet-Zugang hast? Und, wie gesagt, deine alten Kreditkartenabrechnungen sowieso nicht mit im Urlaubsgepäck?

Da braucht es schon einen Gast aus der Fremde wie mich, der auf die denkbar hartgesottenste Weise Irland-Liebender ist. Normale Touristen, die einmal in diese Falle geraten, kommen vermutlich nie wieder. Da könnt ihr, liebe Freunde vom irischen Tourismusverband Fáilte Ireland, noch so viele Millionen für Werbung rausschmeißen – die Dubliner Mautbehörde verbrennt euch dieses Geld wie nix.

Und noch etwas: Coole Leihwagenfirmen wie Hertz, bei denen ich bisher immer buchte, wissen um die Problematik. Sie kassieren von ihren Kunden daher die Maut automatisch mit ein und überweisen das Geld selbst und fristgerecht an eFlow. Das ist Serviceorientierung. Man muss sich als Tourist um all den komplizierten Mist nicht scheren und kann auf der M50, die im Übrigen eine großartige Verkehrsverbindung ist, einfach sorgenfrei durchzischen. Bravo Hertz. Die Firma Europcar macht das natürlich nicht, denn denen sind ihre Kunden komplett egal. Dass ich diesmal dort buchte, basiert ebenfalls auf einer Falle, in die ich ging. Denn nach einem ziemlich drastischen Erlebnis vor Jahren in Malaga wollte ich mit denen eigentlich nichts mehr zu tun haben. Sie nehmen dich als Kunden schamlos aus, wo immer du ihnen die Chance dazu gibst, und machen auch sonst noch allerlei unangenehme Sachen. Wie auch diesmal wieder in Irland, dazu poste ich Ihnen vielleicht später einmal was.

Für heute nur mein persönlicher Hinweis: Nach abzuhakenden Erfahrungen buche ich nie, nie, nie wieder einen Leihwagen bei Europcar oder den gut getarnten Ablegern (wie „National“ in Irland).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s