Heute, Samstag

Manchmal reicht tatsächlich ein Blick in die Tageszeitung, um sich in die Lage zu versetzen, denken zu können, dass das alles irgendwie manchmal schon ein wenig seltsam ist.

Frankreich zum Beispiel.

Sie haben dort jetzt den Tiger vom Einkaufszentrumsparkplatz, den sie zwei Tage lang gejagt haben, zur Hauskatze erklärt. Entwarnung also, es war eh nur eine besonders große Mieze, vermutlich aus der näheren Umgebung. Aber Fragen wirft das schon auf.

Etwa die nach der grundsätzlichen Intelligenz jener Hausfrau, die den Tiger gesehen zu haben glaubte, aus ihrem Auto heraus, und die beharrlich auf der Realität ihrer Sichtung bestand. Ich meine: Zwar bin ich nicht so richtig der routinierte Zoologe, aber eine Hauskatze würde ich ganz sicher nie und nimmer mit einem Tiger verwechseln. Nicht einmal eine sehr große Hauskatze mit einem sehr kleinen Tiger. Außerdem sollte uns zu denken geben: Die Dame, in ihrer Not ängstlich im Auto sitzend, rief nicht etwa die Polizei an. Nein, sie informierte ihren Ehemann – und der holte die Polizei. Die Frau ist wohl ein total erwachsener, selbständig denkender und handelnder, intelligenter Mensch, der mit beiden Beinen im Leben steht, und der wir voll vertrauen können, wenn sie sagt, sie hat am Parkplatz eines Einkaufszentrums in einem Ballungsraum einen frei laufenden Tiger gesehen, der dann nicht aufzufinden ist. Super auch jener Experte, der anhand eines Tatzenabdrucks konstatierte, das Tier habe rund 70 Kilo. Muss wirklich eine sehr große Hauskatze sein. Wahrscheinlich total überfüttert.

Oder Barack Obama.

Er hat nun erklärt, die neue russische Agressionspolitik sei eine Gefahr für den Weltfrieden und es gehe gar nicht, seine Nachbarn oder sonst welche Staaten dauernd zu bedrohen. Damit hat er zwar recht, aber es ist natürlich reichlich kurios, wenn das ausgerechnet der Präsident jener Nation sagt, die in den vergangenen Jahren – oder meinetwegen Jahrzehnten – die halbe Welt überfallen hat. Teils um an Einfluss zu gewinnen, teils einfach, um Kontrolle über weltweite Ölporoduktionen zu erhalten. In diesem Zusammenhang liebe ich immer noch den Satz Harry Belafontes, den ich vor rund einem Jahr im irischen Radio hörte, als ich über die Autobahn von Cork nach Dublin schnürte. Der weise, greise Sänger sagte:

Obama ist ein Pfeil der Hoffnung, der auf dramatische Weise sein Ziel verfehlt hat.

Voll kühl auch die US-Justiz, die ihre Drohnen jetzt mit Funkantennen ausstattet und übers Land kreisen lässt. Die fliegenden Dinger gaukeln Mobiltelefonen vor, sie seien Handymasten und würden die beste Verbindung weit und breit liefern. Handys klinken sich massenweise ein, und schon greift die Regierung sämtliche Daten ihrer Bürger ab, Passwörter, Mails und Fotos inklusive. Ich möchte nur anmerken, dass in Österreich ein international gefragter Produzent von – auch militärischen – Drohnen ansässig ist. Beruhigend nur, dass bei uns vermutlich weder der Justiz- noch der Verteidigungsmini samt jeweiliger Mannschaft kompetenzmäßig in der Lage wären, so eine Aktion zu starten.

Schließlich lese ich noch von jener verzweifelten Grazer Frau, die sich mit ihrer Tochter aus dem Fenster eines Wohnhauses stürzte, beide überlebten schwer verletzt. Und jetzt fordert der Staatsanwalt Untersuchungshaft für die Mutter. Ja, liebe Behörden, genau so sollten wir mit psychisch kranken, verzweifelten Menschen umgehen. Wir sperren sie einfach ein, dann wird das schon wieder. Helfen sollten wir ihnen stattdessen besser nicht, weil das wäre ja vielleicht glatt mühsam. Diesen Staatsanwalt muss man mit Schimpf und Schande davonjagen – das kommt davon, wenn Universitäten ihre angehenden Juristen in der Ausbildung statt menschlicher Gesetzesinterpretation das Auswendiglernen von Paragraphen lehren.

Hoffentlich findet sich wenigstens ein in Sachen Vernunft und Menschlichkeit unbeschädigter Richter, der über den Haftantrag zu entscheiden hat. Heute, Samstag, komme ich jedenfalls zu dem Schluss (Achtung, Aliteration jetzt!): Es ist wirklich eine weird world, in der wir weilen.

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