Schnurrdiburr

Man ist ja quasi immer im Dienst. Also gründliche Recherche sofort nach dem Aufstehen heute, ich googelte und verglich sorgfältig Bilder aus dem Internet. Ergebnis:

Bildschirmfoto 2015-02-16 um 23.23.59Man sah diesen Morgen: den blauesten Vorfrühlingshimmel, den man sich nur vorstellen kann. Mit freundlicher Großzügigkeit hatte Italien für mich ein konkurrenzloses Indigo über die Piazza dell Unitá d´Italia gelegt, dass es zum Niederknien war. Unten kehrten die letzten Feger der Triestiner Nacht das viele Faschingskonfetti des Vortages in Tonnen, beschauliche Morgenspaziergänger durchpflügten den großen Platz. Drüben im Caffé degli Specchi, das immer mehr zur Touristenfalle verkommt, wischten Kellner die Kälte der Nacht von den Tischen. Ich konnte das alles von meinem Fenster im dritten Stock des famosen Hotels Duchi d´Aosta aus beobachten, das direkt an der Piazza liegt, mitten im Herzen von Triest. Ich streckte die Arme in die Luft, um die Muskeln erwachen zu lassen, und begrüßte den späten Morgen mit einem Gähnen. Der Rosenmontag in der Stadt begann mit Grandezza.

Schnurrdiburr hatte mich hierher geführt, aber der Reihe nach.

Ein Auftrag der Golfrevue trudelte vor Wochen ein, ich möge doch, sagte der Chefredakteur, eine Geschichte über das frühlingshafte Saisonstartgolf schreiben, wie man es in Österreich nicht spielen kann, weil immer noch Winter ist und so weiter, wie es aber im Friaul und benachbarten Regionen großartigste Möglichkeiten biete. Sofort war ich begeistert.

(Es kann natürlich auch sein, dass in Wahrheit ich die Geschichte erfunden und dem Chefredakteur eingeredet habe, aber nix Genaues weiß man im Nachhinein nicht mehr).

Jedenfalls war klar, dass so eine Geschichte nur in Form eines Roadmovies erzählt werden kann, und dass es zu einem Roadmovie ein Auto braucht. Außerdem unumgänglich: Willst du über Golf im Frühling schreiben und ein Auto in die Sache einbauen, muss es ein Frühlingsauto sein. Also: ein Cabriolet. Ich rief bei BMW an, die haben mit Golf nämlich nicht nur als Sponsor ganz schön viel am Hut, und was soll ich sagen: Sie schickten mir umstandslos Schnurrdiburr.

Offiziell heißt Schnurrdiburr „BMW 420 d Cabrio Luxury“ oder so ähnlich, ich hab´s mit der komplexen Automobil-Nomenklatura nicht so. Also sage ich einfach Schnurrdiburr zu dem nachtblauen Auto, das elegant und sportlich daher kommt wie nur was. Mit dem Kollegen Finanzjournalist R. auf dem Beifahrersitz, der jüngst auch anfängt, über Golf zu schreiben, und der hier ebenfalls für eine Geschichte recherchiert, sowie mit mir im Pilotenstuhl schnürte der BMW-Diesel gestern wie eine volltrunkene Hummel satt brummend und zielstrebig durch Slowenien in Richtung Triest. Wegen des Geräusches also: Schnurrdiburr. Ich glaube, ich habe einmal gelesen, dass Peter Alexander seine Frau immer so nannte. Gefällt mir jedenfalls, passt zum coolen BMW, also habe ich den Namen geklaut, wird urheberrechtlich schon kein allzu großes Problem darstellen.

Bildschirmfoto 2015-02-16 um 19.04.19Schnurrdiburr hat allerdings ein gewisses Platzproblem, das ewige Drama der Stahldach-Cabrios, die ihren Hut ja irgendwo verstauen müssen, wenn sie ihn abnehmen. Aber was soll es, damit kann man leben: R. und ich vorne, auf den Rücksitzen unsere beiden Golfbags brav festgeschnallt, das spärliche Gepäck legen wir in den Kofferraum, wo der meiste Platz für das Dach reserviert ist, wenn es geöffnet wird.

Und tatsächlich warfen wir an diesem unglaublichen Frühlingstag heute am Weg von Triest zum Golfplatz in Grado das Dach nach hinten, sobald wir die Costiera geentert hatten. Kenner sagen: eine der schönsten Küstenstraßen Europas. Ich sage: So ist es. Befährst du sie in einem Cabrio, sind diese 15 Kilometer von Schloss Miramare hinüber nach Duino und Monfalcone unvergleichlich, sie verjagen den österreichischen Winter mit Vehemenz aus deinem Kopf und zaubern dir in der Sekunde den Frühling in dein Denken. Ich sah hinunter auf den Feinripp, mit dem das blaue Wasser der Adria über dem Golf lag, ließ mir die letzten sanften Ausläufer der Bora Nera um die Nasenspitze blasen und war sofort glücklich. Das geht mir an sich immer so, wenn ich einen Ausflug nach Triest unternehme. Aber Schnurrdiburr ließ meine Hormone jubilieren wie nie. Der Kollege R. blieb ein bissl cooler, aber getaugt hat ihm der Trip genauso wie mir.

Schnurrdiburr ist ein feines Auto. Sein Diesel hat 184 PS und reißt dich damit nach vorne wie nix. Mehr als sechs Liter Sprit braucht er kaum je, auch wenn du Autobahnen flott befährst. Aber ohnehin ist Cruisen mit so einem Wagen an so einer Location die bessere Wahl der Fortbewegung. Die einzig mögliche sogar, um genau zu sein. Mit Schnurrdiburrs kaffeebraunem, duftenden Leder ist man gerade in Triest, der Kaffeehauptstadt Europas, gut und vor allem passend angezogen. Und die ragazze italiane schauen uns alle nach, frage nicht. Die vielen elektronischen Helferleins vom Abstandstempomaten bis zur Rückfahrkamera machen mich zwar ein wenig nervös, ich bin automäßig einfach ein Kind der 1980er-Jahre. Aber gut, dass sie da sind. Die freundlichen Jungs und Mädls von BMW haben wirklich alles in Schnurrduburr hineingepackt, was sie haben. Sogar ein Head-Up-Display gibt es, und wenn es aktiviert ist und ich das Gaspedal durchtrete, jage ich quasi als Eurofighter-Kampfpilot im Tiefflug durchs Norditalienische, eine ganze Reihe von Infos wie von Zauberhand durch die Windschutzscheibe vor mich in die Luft über der Motorhaube projeziert.

Aber genug jetzt. Ich werde Ihnen in den nächsten Tagen sicher noch ein wenig über das feine BMW-Cabrio erzählen. Für heute muss folgende Information der Vollständigkeit halber genügen: Schnurrdiburr kostet von 42.100 Euronen aufwärts, in der vorliegenden Testversion kommen schon so um die 70.000 zusammen, was einerseits viel ist, andererseits aber angesichts der Klasse, Masse und Rasse des Wagens eh recht wohlfeil.

Bildschirmfoto 2015-02-16 um 23.19.11Ich muss Ihnen morgen oder übermorgen oder am Donnerstag oder so auch noch ein wenig über die famose Hoteliers-Familie der Benvenuti und ihre drei Triestiner Häuser erzählen, außerdem selbstverständlich auch noch ein wenig über die Villa Condulmer, in der ich ab morgen zu nächtigen beabsichtige.

Aber für heute ist Schluss. Ich spaziere noch ein wenig durch die Stadt, Triest hat inzwischen das samtene Nachtblau Schnurrdiburrs angenommen, und dann ab ins Bett.

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