Social-Media-Troubles

Nur damit Sie sehen, wie mühsam manchmal auch kleine Gschichterln sein können und wie viel Arbeit sie unter Umständen verursachen: Ich schrieb über Mariusz Jan Demner, Chef der formidablen Werbeagentur Demner, Merlicek und Bergmann – Österreichs Werbeagentur Nummer 1, wie sie selbst auf ihrer Website versichert.

Bildschirmfoto 2015-04-20 um 16.50.18Worum es ging? Nun, Demner hatte sich mit der ziemlich revoluzzerisch veranlagten Gruppe „Amici delle SVA“ angelegt, die sich auf Facebook seit einigen Jahren gegen die aus ihrer Sicht hundsmiserablen Serviceleistungen der Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) zur Wehr setzt. DMB hat von der SVA den Auftrag erhalten, ihre Leistungen kommunikativ in ein besseres Licht zu rücken. Und der Agenturchef hatte sich prompt an die Tastatur gesetzt, sich in die Facebook-Gruppe eingeklinkt und diese mit mehrere tausend Zeichen langen Postings erfreut, wie gut die SVA sei und wie unverständlich das Unverständnis der Amici. So ungefähr halt.

Jetzt ist es aber natürlich so, dass in den Social Media die Würze in der Kürze liegt. Normalerweise sollte man denken, eine moderne Werbeagentur weiß das und agiert entsprechend. Vermutlich wissen sie es bei DMB ja eh, haben es aber ihrem Chef noch nicht gesagt. Jedenfalls, tausend Zeichen und mehr ist zu lang für Facebook. Über den armen Herrn Demner ergoss sich der ganze Spott, den ein moderner Shitstorm heutzutage eben so hervorzubringen imstande ist. Und einiges mehr. Österreichs Parade-Werber reagierte meiner Ansicht nach ein bissl zu wenig gefasst darauf, beklagte sich in einem Tonfall, dem nicht Wohlwollende an manchen Stellen vielleicht etwas Lamentiererisches unterstellen könnten. Prompt wurde er aus der Gruppe hinausgeworfen – und erst nach einiger Zeit gnadenhalber wieder aufgenommen. Eine typische Geschichte halt, wie das Internet sie schreibt. Man muss so etwas als Betroffener gelassen sehen.

Immerhin eine nette Meldung für eines der Magazine, für dich ich arbeite. Ich telefonierte dazu mit Demner, der mir ausführlich und freundlich erklärte, wie anders er das sieht: Hunderte Nachrichten habe er erhalten, die ihn allesamt in seiner Argumentation bestärken würden. Wie viel er daraus in Sachen Social Media gelernt habe, erzählte er mir. Dass er sich sehr wohl vorbehalte, auch in Zukunft in ihm adäquat erscheinender Länge zu posten. Und noch vieles mehr – nicht ohne anzufügen, dass er jedes von mir publizierte Zitat vor Veröffentlichung zu begutachten wünsche. So etwas ist eine Stunde vor Redaktionsschluss natürlich mühsam und es gibt keine Grundlage für so eine Forderung. Wenn du nicht willst, dass ein Zitat von dir erscheint, dann sagst du einfach nichts. Die Idee, Zitate abzugeben und sie dann vor Abdruck gesondert noch einmal „freigeben“ zu wollen, ist schlicht und einfach der ansatzweise Versuch von Zensur. Aber soll sein.

Ich machte mir die Mühe gerne, schickte Demner also den Satz, mit dem ich ihn zitierte – auch wenn mir das ehrlich gesagt durchaus ein wenig lächerlich vorkam. Ich schrieb:

Lieber Herr Demner,

vielen Dank für das Telefonat von vorhin. Wunschegmäß hier das Zitat in der kurzen Meldung: „Ich habe viel daraus gelernt“. Kann mir nicht vorstellen, dass das problematisch sein kann (…).

Viele Grüße aus der Taborstraße, Klaus Puchleitner.

passt, danke, md, schrieb Demner mir postwendend zurück und ich dachte, begeistert von der knackigen Kürze der Antwort, die dennoch alles Nötige enthielt: Yessir, dieser Mann hat aus dem ganzen Social-Media-Kuddelmuddel wirklich was gelernt!

Bildschirmfoto 2015-04-20 um 16.48.42Hat er nicht. Denn heute erfuhr ich: Der prominente Werber hat sich am Wochenende über den kleinen Beitrag beschwert, den Sie abfotografiert nebenan sehen. Warum genau, erschließt sich mir allerdings nicht. Immerhin kann es das Zitat ja nicht sein, das hat der Mann schließlich approbiert. Und dass ich ihn als „Österreichs Parade-Werber“ bezeichnete, kann ihn auch nicht gut stören, oder? Für viel mehr war in den wenigen Zeilen aber kein Platz. Wird wohl ewig schleierhaft bleiben, was Mariusz Jan Demner so stört.

Ich ziehe daraus aber folgende Schlüsse:

Erstens könnte es vielleicht sein, dass man in Österreichs Werbeagentur Nummer 1 doch eine ganz besondere Art der Interpretation pflegt, wie in den Social Media zu kommunizieren ist. Vielleicht aber auch nicht, was weiß ich.

Zweitens ist die Vorgehensweise in Bezug auf Pressearbeit optimierbar: Bei jedem auch noch so unbedeutenden Zitat auf vorheriger Autorisierung zu bestehen, schafft per se Entwicklungsspielraum in Sachen Professionalität. Sich wegen weniger – und seien wir ehrlich: ziemlich belangloser – Zeilen direkt beim Chefredakteur zu beschweren, ist nicht state of the art. Man lernt heutzutage in Pressearbeits-Seminaren in den ersten zehn Minuten der ersten Unterrichtseinheit, dass man in so einem Fall am besten über den Dingen steht. Sollte das zu hoch sein, spricht man einfach mit dem Verfasser des Textes, will man es richtig machen. Macht aber eh nix, ich finde so etwas amüsant, brauche ohnehin Stoff für dieses Blog und halte Beschwerden über mich gut aus.

Drittens: Ich habe angesichts der Punkte erstens und zweitens wohl damit zu rechnen, dass es wieder eine Beschwerde bei der Chefredaktion des Magazins gibt – über diesen Blogpost hier. Problem allerdings, liebe Leute bei DMB, ihr könnt das im Menüpunkt „Offenlegung“ gerne nachlesen: Dieses Blog hat nichts mit meiner Arbeit für andere Medien zu tun. Oberster und einziger Chef hier, bei dem ihr euch beschweren könnt, bin ich. Alles andere prallt ab, weil meine Blogger-Außenhaut gegen Einmischversuche in Teflonbeschichtung ausgeführt ist. Ein paar Schwierigkeiten hat mir das bisher zwar schon eingetragen, aber das ist voll okay.

Jedoch, lieber Herr Demner:

Sollten Sie mit diesem Blogpost unzufrieden sein und mir das mitteilen wollen, dann greifen Sie doch einfach zum Hörer! Ich treffe mich auch jederzeit sehr gerne mit Ihnen auf einen Kaffee und dann können wir das sicher wie zwei erwachsene Menschen ausdiskutieren, ohne dass der eine gleich zur Mama des anderen rennen und petzen muss. Und, selbstverständlich: Nutzen Sie die Kommentarfunktion hier und posten Sie einen Text in beliebiger Länge – ich verspreche, dass er ungekürzt wiedergegeben wird.

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