Bild: Lukas Ilgner / FORMAT

Politikergespräche

Eines weiß Irmgard Griss, Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, ganz genau. Dass sie nicht Journalistin werden wollte. Sie hat es probiert, seinerzeit, und für den ORF Steiermark als Radioreporterin Politiker interviewt. Die seltsame gegenseitige Unterwürfigkeit habe sie gestört, erzählte sie mir vor eineinhalb Wochen. Da gibt es bei mir vermutlich wenig Gefahr, eher bin ich im Umgang mit heimischen Politikern ja immer ein wenig zu aggressiv, weil mir die Schamlosigkeit und Ignoranz so ungeheuerlich erscheinen, mit der sie unser Land gegen eine immer näher rückende Wand steuern.

Aber nicht bei Frau Griss, die ja eigentlich gar keine Politikerin ist, sondern eben vorerst bloß einmal Kandidatin, und ansonsten pensionierte Präsidentin des Obersten Gerichtshofes. Eine Respektsperson mit Lebensverdienst quasi, und nach dem ausführlichen Gespräch, das hatten und dessen Verlauf Sie im vorigen FORMAT nachlesen können, kann ich sagen: In jedem Fall ist Griss eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich bemühte mich also, besonders höflich und freundlich zu sein, weil die Frau eine ordentliche Portion Extrarespekt für die Grandezza verdient, mit der sie sich bisher durch die Untiefen der bösartigen heimischen Innenpolitik manövriert hat. Aber weil Griss eben so ist, wie sie ist, fiel mir das leicht. Ich hatte noch nicht viele Gespräche mit Menschen aus der Politik, die derart angenehm verliefen und bei mir das Gefühl erzeugten, da rede ich jetzt gerade mit jemandem, der alle Achtung der Welt verdient.

Bild: Lukas Ilgner / FORMAT
Bild: Lukas Ilgner / FORMAT

Irmgard Griss also. Ich will hier keine Doubletten abliefern, also besorgen Sie sich am besten das FORMAT von vergangener Woche. Aber zumindest ein paar persönliche Eindrücke: Die Frau, die vielleicht unsere nächste Bundespräsidentin sein wird, traf sich mit mir im Wiener Ringstraßencafé Prückel, das liegt nicht weit von der Akademie der Wissenschaften entfernt, wo die frühere OGH-Präsidentin Termine hatte. Das Prückel, fand ich rasch heraus, ist derzeit vielleicht gar kein so guter Ort, um Griss zu treffen, weil: Menschen. Sehr interessant zu sehen, wie ein Ruck durch die Ober geht, wie die Köpfe der Kaffeehausbesucher sich drehen und das Gemurmel für eine Sekunde ein wenig leiser wird, sobald die – vorerst einmal selbsternannte – Kandidatin das Café betritt. Sie kommt inzwischen nicht mehr ohne Händeschütteln durch die Stadt, weder in Wien noch in Graz, wo sie eigentlich zu Hause ist. Die zwei Tirolerinnen am Nebentisch zum Beispiel, ich konnte das während des Gespräches aus den Augenwinkeln gut beobachten, warteten nur auf eine günstige Gelegenheit, um ihre Aufwartung zu machen und ein paar Worte loszuwerden.

Irmgard Griss ist, derzeit praktisch nur mit Wohlwollen konfrontiert, zumindest aus der Bevölkerung. Die größten Stolpersteine legt ihr momentan noch meine Kollegenschaft in den Weg, also wir Journalisten. Griss ist da, gestand sie mir, auch noch ziemlich von Selbstzweifeln geplagt und grübelt zum Beispiel immer noch ein wenig über ihren Auftritt bei Armin Wolf in der ZiB 2 von vor zwei Wochen. Aber das macht sie sympathisch, sie hat die Sprechblasen-Kommunikation, die zum Beispiel die vielleicht-auch-Kandidaten Erwin Pröll und Rudolf Hundstorfer bis zum Exzess beherrschen, noch nicht drauf. Sie versicherte mir übrigens, dass das auch so bleiben wird, und ich bin sehr geneigt, ihr das zu glauben. Auch bin ich geneigt zu glauben: Sie wäre eine ziemlich erstklassige Bundespräsidentin. Kein Vergleich jedenfalls mit jenen abgeschmackten Systemlords, wie SPÖ und ÖVP sie uns vermutlich andrehen wollen werden.

Bild: FORMAT / Wolfgang Wolak
Bild: FORMAT / Wolfgang Wolak

Stichwort System: Eine knappe Woche später hatte ich wieder ein Gespräch mit einem Politiker, der eigentlich gar keiner ist, weil er Zeit seines Lebens etwas anderes gemacht hat. Zwar ist Finanzminister Hans Jörg Schelling als ehemaliger Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sehr wohl in die Nomenklatura der heimischen Seilschaften eingewoben und Teil des Systems. Aber der Mann besitzt einen Weinberg samt Weingut, ist Millionär und daher von der Politik völlig unabhängig. Wenn er nicht will, braucht er seine Partei nicht, um im Leben weiterzukommen. Das merkt man. Schelling ist vermutlich ein guter Finanzminister. Und würden seine Parteifreunde in der ÖVP, die sich allesamt allen möglichen Hinsichtln und Rücksichtln verbunden fühlen, nicht so bremsen, würde er wohl jene Reformen im Rekordtempo durchdrücken, die Österreich so dringend benötigte.

So aber muss Schelling sich Schritt für Schritt mühsam durch den Verhinderer-Filz des Polit-Alltags kämpfen, was er bislang, so zumindest mein Eindruck, noch mit einer gehörigen Portion Engagement auch wirklich tut. Im Vergleich zu seinen Vorgängern, dem irgendwie immer ein wenig pausenclownesk auftretenden Josef Pröll, dem in diesem Amt völlig deplatzierten Willi Molterer, der unbeschreiblichen Maria Fekter und dem als Finanzminister sowieso komplett ahnungslosen Michael Spindelegger, ist Schelling das pure Gold im wichtigsten Minsiterium der Republik. Ich hab´s ja nicht so mit den Liebesbezeugungen für unsere derzeitige Ministerriege, aber ich glaube: Schelling ist prinzipiell ein guter Mann.

Doch machen Sie sich einfach selbst ein Bild. Kaufen Sie sich das heute erschienene neue FORMAT und lesen Sie als Topstory das Interview „Nicht alles ist immer übertrieben sexy“ mit dem Herrn Fimini.

Was dort übrigens nicht steht: Coole Kunst hat der Herr Finanzminister in seinem elegant-spärlich möblierten Büro hängen. Und das Deckenfresko, meine Herrschaften, das Deckenfresko ist auch nicht ohne.

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