Ich habe keine Ahnung

Ich habe gestern auch das laute Krachen im deutschen TV während der Übertragung des Fußballspiels Frankreich gegen Deutschland aus Paris gehört. Als nach ungefähr 20 Minuten sogar im Fernsehen dieser unglaubliche Knall zu hören war, war eigentlich klar: Da ist was Gröberes passiert. Und als dann eine halbe Stunde später beim Schwenk auf die Ehrentribüne der französische Staatspräsident plötzlich fehlte, war noch viel klarer: Die Sache ist ernst. Die Wähler generierende Präsenz bei Sport-Großveranstaltungen lassen sich Politiker auf der ganzen Welt nur dann entgehen, wenn sie etwas wirklich Wichtigeres zu tun haben. Darum sieht man sie dort auch so oft. Sieht man sie einmal nicht, weiß man: Oh.

Ich lasse die ganze Erschütterung jetzt einfach beiseite, die man heute in allen Medien ohnehin auf und ab betont. Natürlich ist das alles schrecklich. Hinzu kommt, dass nun schon seit fast 15 Jahren niemand weiß, wie man dieser monströsen Auswüchse des Terrors Herr werden könnte. Mehr noch, das eigentliche Problem ist: Was immer die hilflosen Staatschefs glauben tun zu müssen, sie machen es immer noch schlimmer. Ich wage zu behaupten: Das Paris von gestern hätte es so nicht gegeben, hätte dieser verrückte George Bush nach 9/11 nicht die halbe Welt überfallen und hätten uns im Gefolge der Amerikaner nicht alle möglichen Polit-Entscheidungsträger mit einem sinnlosen Überwachungs- und Zerstörungsnetz überzogen. In diesem Konglomerat aus präventiver politischer Angstbeißerei und polizeilicher Vorsorge-Oppression entstand erst das Klima, das islamistische und sonstige Idioten wachsen ließ, die nun die Welt in Angst und Schrecken versetzen.

Wer hätte gedacht, dass so katastrophale Dinge wie damals der Deutsche Herbst heute, 38 Jahre danach, fast ein wenig wie Kinderkram aussehen. Denken wir bloß daran, dass der vergleichsweise einfach durchschaubare, seinerzeitige RAF-Terror selbst erhabene, entschlossene und intelligente Staatsmänner wie den soeben verstorbenen Helmut Schmidt an ihre Grenzen brachte. Wer würde sich da noch getrauen, angesichts der heute in der Politik agierenden Micky Mäuse auch nur ein Quäntchen Hoffnung zu hegen, dass die Welt mit den aus den Fugen geratenen Kämpfen zwischen Religionen, Gesellschaften, Lobbies und Partikularinteressen sowie deren Auswüchsen zu Rande kommen könnte.

Ich glaube nicht, dass dieses Paris von gestern schon einen Höhepunkt des Terrors darstellt. Ich glaube nicht, dass dieses Flüchtlings-Lüfterl, das uns derzeit umweht und das desaströse Politiker wie unsere Innenministerin so gerne als Sturm darstellen, schon der Peak ist. Ich glaube auch nicht, dass wir mit den hilflosen Bewältigungs- und Überwachungsversuchen schon am Ende sind. Ich fürchte, das wird alles noch weitergehen. Wo es enden wird, weiß ich natürlich nicht, aber vermutlich nicht im Guten.

Wie alle anderen auch habe ich keine Ahnung, wie man aus diesem Abgrund einen Ausweg finden könnte. Ich weiß aber, dass es sehr wohl eine ganz einfache, eindimensionale Lösung gäbe, eine Art Patentrezept. Ich bin mir nur leider ziemlich sicher, dass die führenden europäischen – bleiben wir einfach einmal auf unserem Kontinent – Politiker zu verantwortungslos, zu machtverklebt und vor allem auch zu dumm sind, das in die Wege zu leiten. Wobei Letzteres wieder nur durch dieses Patentrezept beseitigt werden könnte, da beißt sich die Katze leider in den Schwanz. Ich bin überzeugt – dieses Patentrezept heißt einfach nur:

Bildung. Für alle. Auf der ganzen Welt.

In letzter Konsequenz kämen wir nach ein paar Jahrzehnten erstklassiger Bildung für alle und überall wohl dazu, dass sich niemand mehr ernsthaft zu einer terroristischen Attacke auf irgendwen aufraffen würde, weil er ja nicht (mehr) blöd ist. Wir könnten dann noch mehr Geld in die Bildung stecken, weil wir es nicht mehr für so viele Kriege und für so viele idiotischen Waffensysteme bräuchten. Und ich glaube, wir alle – beziehungsweise alle unsere Söhne und Töchter, weil wir selbst das nicht mehr erleben würden – wären ziemlich glücklich damit. Statt weiter ins Detail zu gehen – darf ich Sie mit dem Leitartikel zum Thema „Bildung als Problemlöser“ aus dem Format von vor etwas über einem Jahr belästigen? Bitte klicken Sie einfach hierher, falls Sie wollen.

Und sollten Sie noch ein Beispiel für die dramatisch miserable Lösungskompetenz etwa der österreichsichen Regierung brauchen: Warten Sie einfach bis kommenden Dienstag, wenn SPÖ und ÖVP das präsentieren, was sie Ihnen als Bildungsreform verkaufen wollen. Ich prognostiziere: Die Lehrer werden in die Zuständigkeit der Länder wandern, ein paar Schuldirektoren werden ein bissl mehr Autonomie bekommen, ein paar Lehrer ein bissl mehr und ein paar ein bissl weniger arbeiten müssen, alle werden ein bissl mehr bezahlt bekommen. Das Wort „Schüler“ wird bei all den tollen und hart erarbeiteten Maßnahmen überall nur am Rande vorkommen. Sie werden schon sehen. So lösen unsere Politiker die drängenden Zukunftsprobleme des Landes. Und in Europa ist es nicht anders. Und dann passieren in letzter Konsequenz eben solche Sachen wie gestern in Paris.

Was man als Einzelner dagegen tun kann? Wie gesagt, ich habe auch keine Ahnung. Außer: beim nächsten Mal in der Wahlzelle daran denken.

Und P.S. Auch wenn ich keine Ahnung habe – ich bin ziemlich sicher: Eine Folge von viel Bildung wäre, dass wir Europäer als Waffe gegen den islamistischen Terror viel eher auf eine ausgeprägte Willkommenskultur bei uns zu Hause gegenüber Flüchtlingen kämen als auf Militäreinsätze in Syrien oder sonst wo. Und dass der IS damit dann ziemlich schnell und ziemlich endgültig besiegt wäre.

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