Schöne neue Welt

M. ist die kühlste aller jungen Chefredaktricen, das war schon beim Falstaff so.

Als wir auf der Donauuni im Journalistik-Studium gemeinsam die Schulbank drückten, war ich regelmäßig schockiert, wie alt ich bin, weil ich nicht wie M. 97 elektronische Geräte gleichzeitig bedienen und trotzdem dem Vortrag folgen konnte. Bei mir ist Schluss, wenn ich was tippe, gleichzeitig das iPhone läutet und dazu vorne wer spricht. Mehr geht nicht. Bei mir jedenfalls nicht. Bei M. schon. Ist wohl so, dass die Jungen wirklich alles und mehr schneller machen als wir Alten. Aber ab einem bestimmten Punkt reicht das dann, auch M. braucht irgendwann jemanden, der ihr ein paar jener 10.000 Aufgaben abnimmt, die man einer jungen Überfliegerin in der Medienbranche halt so anvertraut. Gut für mich, den freien journalistischen Dienstleister, dass sie dann ab und zu fragt, ob ich ihr irgendwo unter die Arme greifen kann. Auch das war beim Falstaff schon so.

Jetzt ist M., weil eben Überfliegerin, beim Manstein Verlag gleich für ein ganzes Bündel an Medien verantwortlich. Einer ihrer Jobs: dem „bestseller“ ein überarbeitetes, moderneres, journalistischeres Gesicht geben. Und weil wie gesagt nicht alles gleichzeitig geht, wurde diese Neugestaltung auch mein Job. Auch cool, irgendwie: Im noch jungen Jahr 2016 zuerst beim trend alles neu – da allerdings mehr in der Beobachter-Rolle, weil wir trend-Redakteure den Relaunch und seine wenigen agierenden Menschen eher am Rande zu verfolgen hatten. Und dann gleich noch einmal bei einem Magazin-Durchstart dabei, diesmal aber mitten drin.

Der neue bestseller also. Er ist in der Druckerei und erscheint dieser Tage. Neu ist: praktisch eh alles. Im vergangenen Jahr hatte man mit dem traditionsreichen Magazin eine Abzweigung in verästeltes Seitenstraßen-Terrain genommen. M. und ich haben den bestseller jetzt aber wieder zurück auf die Hauptstraße bugsiert – wieder zu dem gemacht, was er immer schon war und wofür sein guter Name seit zwei oder drei Jahrzehnten steht: ein Wirtschaftsmagazin für die Kommunikationsbranche. Das mit einem starken Fernglas in Richtung Zukunft ausgerüstet ist. Ich glaube, wir haben den Job nicht schlecht erledigt.

Bildschirmfoto 2016-02-24 um 11.47.41Das Cover kann ich Ihnen hier zeigen. Den Rest müssen Sie konsumieren, indem Sie sich ein Abo besorgen, was ich Ihnen ans Herz lege. Im ersten Heft wird das Thema Digitalisierung groß abgehandelt. Mein Kollege J. aus der erweiterten trend-Redaktion schreibt dazu über das moderne Netzwerken, wie die Jungen es heutzutage halt so praktizieren. Der Kollege Finanzjournalist R. schreibt, worüber sich die heute Jungen der Kreativbranche einmal Sorgen machen müssen, wenn sie alt sind – übers Geld nämlich. Es gibt eine super Geschichte über Textroboter, die bald schon uns von Hand tippenden Journalisten den Arbeitsplatz-Garaus machen werden – und zwar von Hand getippt von einem anderen Kollegen R., der einer der bestbeleumundetsten Wirtschaftsjournis des Landes ist.

Das ist ja überhaupt eine der Stärken in der schönen neuen Welt des neuen bestsellers, dass eine Reihe guter Journalisten-Namen unter den Autoren zu finden sind. Ich sage nur: Himmelfreundpointner, Reitan, Thurnher. Und große Namen aus der Werbung: Demner und Schober, nur zum Beispiel. Ich hoffe sehr, dieses Namedropping der feinen Art lässt sich in Zukunft so beibehalten. Noch ein großer Name: Der Philosoph Konrad Paul Liessmann kommt in einem Interview über Gott und die Welt ausladend zu Wort. Und so weiter. Ist ein buntes Heft geworden, wozu auch der feine Art Director M. einen richtig erstklassigen Beitrag geleistet hat.

Ich hab jedenfalls eine Freude damit. Ich hoffe, Sie auch. Und, Credits: Das Aufmacherfoto dieses Blogposts ist ein Screenshot des Covers, auf dem Sie ein Fotolia-Bild sehen.

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